Medienhype um den Klimawandel
Über kein anderes Umweltthema wurde in den letzten sechs Jahren soviel berichtet wie über die globale Erderwärmung. Besonders viel schreiben die Zeitungen während der internationalen Klimakonferenzen. Der gescheiterte Gipfel von Kopenhagen hat in dieser Hinsicht alle Rekorde gebrochen.
von Felix Werdermann
Der Klimawandel erlebt einen medialen Höhenflug. Über kein anderes Umweltthema wurde in den letzten sechs Jahren so viel geschrieben wie über die globale Erderwärmung. Das zeigt die neue Internetseite trendsinsustainability.com, die 115 Zeitungen aus 41 Ländern auswertet. Besonders häufig berichten die Medien im Winter über den Klimawandel – in den Monaten der internationalen Klimakonferenzen.

Seit 2004 hat die Erderwärmung - hier in lila - einen medialen Höhenflug hingelegt. (Bild: Screenshot trendsinsustainability.com)
Mit wenigen Klicks lässt sich ein weltweiter Pressespiegel aus bunten Grafen erstellen. Im Fokus stehen dabei soziale und ökologische Themen: Wie wird über Armut, über sauren Regen, über Korruption berichtet? Die Entwicklungen lassen sich seit dem Jahr 1990 verfolgen, für eine aktuelle Presseschau eignet sich die Internetseite aber nicht. Denn die Statistik reicht nur bis zum Mai dieses Jahres.

Internationale Klimafonferenzen - wie hier in Poznan - versprechen viel Medieninteresse. (Foto: Greenpeace)
Trotzdem lassen sich interessante Trends ausmachen: So hat die Klima-Berichterstattung im Dezember 2009 ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht: Nie schaffte es das Thema so häufig in die Zeitungen wie während des erfolglosen Klimagipfels in Kopenhagen. Im Durchschnitt befanden sich mehr als drei Artikel in einer Ausgabe.
In Deutschland waren es sogar fast vier Artikel, ein neuer Rekord ist das für die deutschen Medien allerdings nicht: Im März 2007 waren mehr als vier Artikel in einer Zeitung. Im Monat zuvor der erste Teils des vierten IPCC-Sachstandsberichts veröffentlicht. Das ist die Zusammenfassung des Weltklimarats über die wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels.

In den deutschen Medien wurde im März 2007 am meisten über den Klimawandel geschrieben. (Bild: Screenshot sustainability.com)
Um die Berichterstattung zu analysieren, wurden sechs deutsche Zeitungen ausgewertet: Berliner Zeitung, die tageszeitung, Die Welt, Frankfurter Rundschau, Hamburger Abendblatt und Stattgarter Zeitung. Weltweit wurde hauptsächlich die Presse der Industrieländer ausgewertet: In Russland, China oder Japan wurden nur englischsprachige Zeitungen berücksichtigt, Staaten aus Afrika fehlen (mit Ausnahme von Südafrika) komplett.
Doch das soll sich bald ändern. Mitte des nächsten Jahres ist ein Update geplant, bei dem zusätzliche Zeitungen einbezogen werden sollen. Vor allem Publikationen aus Afrika und Skandinavien sollen hinzukommen, sagt Ralf Barkemeyer von der Universtität Leeds gegenüber klimaretter.info. Ob die Daten auch danach regelmäßig aktualisiert werden, steht noch nicht fest. Barkemeyer könnte sich das durchaus vorstellen. Die Finanzierung ist jedoch noch unklar.
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 08 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Rezension
Die Übermacht der fossilen Industrie In Bonn wird auf der UN-Frühjahrstagung gerade wieder über das Klima verhandelt. Ein umweltverträglicher Kapitalismus ist jedoch nicht abzusehen. Aber auch die Kritiker tun sich schwer - ihnen fehlen die Alternativen. Eine Rezension von Felix Werdermann [mehr...]
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13
Facebook Empfehlungen
klimaretter.info auf Twitter
klimaretter.info Newsfeed





Noch 8 Tage bis Cancún: "Das programmierte Scheitern ist ein Strukturelement derzeitiger Klimadiplomatie", sagt Nick Reimer, Chefredakteur von klimaretter.info in der Debatte 'Wozu brauchen wir noch Klimakonferenzen?'
Noch 12 Tage bis zum Weltklimagipfel in Cancún: Warum gibt es eigentlich Klimakonferenzen? Warum war Kopenhagen so wichtig? Und warum eigentlich ist Cancùn die letzte Chance?
Am heutigen Montag konstituiert sich die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestags "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität. Klimaretter.info sprach mit Kommissions-Mitglied und SPD-Vordenker Michael Müller.
Die letzten sechs Dekaden sind in der Region Australasien die wärmsten des vergangenen Jahrtausends gewesen, bilanzieren Wissenschaftler
Für den anstehenden 5. Sachstandsbericht des IPCC hat das Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie zusammen mit dem Deutschen Klimarechenzentrum ein neues und präziseres Klimamodell entwickelt. Demnach gibt es Anlass zu vorsichtigem Optimismus - falls die weltweiten Treibhausgas-Emissionen schnell und "drastisch" reduziert werden.
Der Ex-Chef des UN- Klimasekretariats, Ivo de Boer glaubt nicht an "ein gutes Ergebnis". In einem Interview plädiert er für "kleine Schritte"
Anschlag auf Saudi-Arabien: Unbekannte schändeten in der Nacht zu Donnerstag das offizielle Delegationsschild. Der Ölstaat hatte zuvor die Verhandlungen mit immer neuen Finten blockiert. Heute ließ er den Vorstoß für Cancún ganz platzen.
Eine Woche Klimaverhandlungen - und statt Vorwärts zu gehen, scheint die Klimadiplomatie den Rückwärtsgang eingelegt zu haben. Inselstaaten und die ärmsten Länder sind "enttäuscht", die USA "ernsthaft besorgt", und Umweltschützer setzen die Chancen für Cancún gleich Null.
Tag drei auf dem Klimagipfel in Cancún: Optimismus versprühen ist Pflicht, wenn UN-Klimachefin Christiana Figueres ihre Bilanz der ersten Verhandlungstage vorlegt: "Cancún wird einige substanzielle Ergebnisse liefern können, das scheint mir heute schon klar."
Intellektuelle aus verschiedenen Bereichen fordern die Politik auf, in Kopenhagen eine "Wende zur Nachhaltigkeit" einzuleiten
Die letzte Runde im Tauziehen um Teil 3 des neuen IPCC-Reports hat begonnen
Frauen sind am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen
Britische Untersuchungskommission entkräftet Vorwürfe gegen Phil Jones. Bereits im Februar war US-Kollege Michael Mann entlastet worden
2.000 Delegierte und Beobachter aus 190 Ländern zerbrechen sich in Bonn den Kopf darüber, wie der Neustart der Klimaverhandlungen nach Kopenhagen funktionieren könnte. klimaretter.info hat mit Jan Kowalzig von der Entwicklungsorganisation Oxfam darüber gesprochen, wie es nach Kopenhagen weitergeht
Das schädliche Treibhausgas Kohlendioxid ist auch für die Versauerung von Meeren verantwortlich. Dadurch wird unter anderem die Lebensgrundlage von Seesternen, Seeigeln, Muscheln und Schnecken bedroht. Klimaretter.info sprach mit Hans-Otto Pörtner, Biologe am Alfred-Wegener-Institut und einer der Autoren des 2014 erscheinenden fünften Sachstandsberichts des Weltklimarats IPCC, über die Auswirkungen auf Mensch und Tier.


