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CDU-Biobauer mit Gewissen

Er gehört zu den wenigen Unions-Abgeordneten, die den Atomkurs der Bundesregierung nicht mittragen wollen: Hans-Georg von der Marwitz hat gegen längere Laufzeiten und das Energiekonzept gestimmt. Ausschlaggebend war aber die Ablehnung der CCS-Technik, sagt er. Es ist nicht das erste Mal, dass er nicht auf Parteilinie ist.

Ein Portrait von Felix Werdermann

Bis zur letzten Minute hatten einige Atomkraftgegner Hoffnungen in sie gesteckt: Die Abweichler aus der Koalition. Hans-Georg von der Marwitz ist einer von ihnen. Er sitzt für die CDU im Bundestag und hat am Donnerstag gegen die Laufzeitverlängerung gestimmt. Am Ergebnis hat das zwar nichts geändert, aber ein Zeichen ist es doch: Der Weg zurück ins Atomzeitalter, ihn wollen nicht alle Konservativen gehen.


Der Bundestagsabgeordnete Hans-Georg von der Marwitz setzt sich in der CDU für eine schnellere Energiewende ein. (Foto: Website von Hans-Georg von der Marwitz)

Der Biobauer aus Brandenburg steht nur selten im Rampenlicht der Aufmerksamkeit. Er gehört zu den vielen Hinterbänklern in der CDU, die normalerweise nicht auffallen. Nur dann, wenn sie gegen die Mehrheitsmeinung in der Fraktion stimmen. Wenn die eigene Überzeugung stärker ist als der Fraktionszwang. Bei der Atomfrage war das der Fall: "Die Vorstellung vom ungelösten Problem des Atommülls, die konnte ich einfach nicht mittragen."

Ursprünglich war aber etwas anderes ausschlaggebend für seine Ablehnung des Energiekonzepts der Bundesregierung, sagt er: Die geplante Förderung der CCS-Technik. Dabei soll das Klimagas Kohlendioxid aus Kraftwerksabgasen heraus gefiltert und unterirdisch eingelagert werden – zum Beispiel im Landkreis Märkisch-Oderland, der Heimat des CDU-Abgeordneten. Schon seit langem versucht er die Erprobung zu verhindern und seine Parteikollegen umzustimmen. "Unsere Kulturlandschaft soll zu einem Versuchslabor für eine Großtechnik werden", fürchtet von der Marwitz.

Kurz nach der Wende ist er nach Brandenburg gezogen, hat dort große Landflächen gekauft und gepachtet, die einst seinen Vorfahren gehörten, in der DDR aber enteignet wurden. Seitdem baut er Raps, Zuckerrüben, Mais und Getreide an – größtenteils ökologisch. Aufgewachsen ist er in Bayern, mit 25 Jahren hat er für vier Jahre den Familienbetrieb im Allgäu übernommen. In Brandenburg mischt er sich direkt in die Politik ein: Zunächst im Gemeinderat, dann als parteiloser Abgeordneter im Kreistag. Erst im Jahr 2002 tritt er der CDU bei, wird Fraktionsvorsitzender im Kreistag, 2009 schafft er es über die Landesliste in den Bundestag.


In Brandenburg protestieren Bürgeriniativen, Umweltschützer und sogar CDU-Abgeordnete gegen die CCS-Technik. (Foto: Reimer)

Und widmet sich auch dort seiner Herzensangelegenheit, dem Kampf gegen CCS. Wäre er da nicht bei den Grünen besser aufgehoben? Tatsächlich gebe es im Energiebereich "viele Positionen, die ich teile", räumt er ein. "Aber ich bin vor allem aus persönlichen Gründen in der CDU." In seinem Kreisverband teile man "die Sorge um die Zukunft unserer Region" und eine Volkspartei sei nun mal "kein homogener Haufen". Angst vor Isolation in der eigenen Partei hat er nicht: Sein Nein zum Energiekonzept sei zwar nicht gern gesehen, werde aber akzeptiert. "Wenn man überzeugt ist, dann muss man das tun."

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