Dicke Bretter bohren mit dem Minister
Christiana Figueres ist jetzt 100 Tage im Amt: Umweltminister Norbert Röttgen besucht die neue UN-Klimachefin im Bonner Klimasekretariat. Und gibt sich zuversichtlich für ein neues Klimaabkommen und "konkrete Fortschritte an konkretem schrittweisen Fortschritt".
Von Sarah Messina
"In Kopenhagen haben wir noch gedacht, dass alles auf einen Schlag zu erledigen ist", sagt Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU). Die Lehre nach dem letzten Weltklimagipfel in Dänemark war dementsprechend folgende: "Es gilt wohl doch ein sehr dickes Brett zu durchbohren".
So jedenfalls formulierte es der Bundesumweltminister am Montag bei seinem offiziellen Antrittsbesuch bei der neuen UN-Klimachefin Christiana Figueres in Bonn. Auch Klimachefin Christiana Figueres, mittlerweile seit mehr als 100 Tagen Nachfolgerin des Niederländers Yvo de Boer, betont: "Es gibt keine magische Lösung" für ein neues Klimaabkommen.

"Das Brett ist sooo dick": Umweltminister Röttgen will in Cancún "in kleinen konkreten Schritten" einen Erfolg in Südafrika auf den Weg bringen. (Foto: Screenshot)
Konkretes Arbeiten an konkretem schrittweisen Fortschritt - der Bundesumweltminister beherrscht Sprache der Weltklimadiplomatie mittlerweile perfekt. Wo Umwelt- und Entwicklungsorganisationen über die Konferenz in Tianjin urteilten, "die Luft ist raus", sieht der Umweltminister "die Basis für Fortschritte gegeben". Kritisches Thema sei in Tianjin nicht Grundsätzliches zum Klimaabkommen gewesen, sondern vielmehr, " wie Groß-Emittenten wie den USA und China an einem neuen Klimaabkommen" beteiligt werden könnten.

UN-Klimachefin sieht "keine magische Lösung für ein Klimaabkommen". (Foto: Screenshot)
"Teilerfolge in Cancún sind absolut möglich", sagt der Umweltminister. Und lässt es fast vorteilhaft klingen, dass zwischen den Klimagipfeln in Mexiko und Südafrika noch reichlich Zeit für weitere Debatten ist. Denn auch in der EU gibt es noch Gesprächsstoff: Die Entscheidung über ein 30-Prozent-Ziel, für das Röttgen und seine französischen und britischen Kollegen Jean-Louis Borloo und Chris Huhne seit Kopenhagen gemeinsam die Werbetrommel gerührt haben, hatte der Rat der EU-Umweltminister in der vergangenen Woche bereits vorsorglich auf die Zeit nach Cancún verschoben.
Einzelne Länder in der Europäischen Union müssten noch davon überzeugt werden, dass Klimaschutz "kein Opfer ist", sondern eine Chance zur "Sicherung der Lebensgrundlage künftiger Generationen und ein Vorteil "im neuen Wohlstandswettbewerb durch Technologieführerschaft", sagt Röttgen.
Aber der Minister hatte es ja zu Beginn seines Antrittsbesuches selbst gesagt: Es gilt "ein dickes Brett" zu durchbohren, und das ist schwer. Da ist es vielleicht auch kein Wunder, dass der Minister bei allem Pragmatismus dann doch nicht mehr auswendig referieren kann, was er und seine Umweltministerkollegen der EU zur gemeinsamen Position für Cancún eigentlich genau beschlossen haben. Er läßt sich von einer helfenden Hand aus dem Off den Beschluss herüberreichen: "Hier stehts", sagt der Minister mit verbindlich-zufriedenem Blick, "wir haben unsere Willingness gezeigt".
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