"Niemand glaubt mehr an ein Abkommen"
Drei Tage lang tagte der UN-Sondergipfel zu den Millenniumszielen in New York, auch die größten Wirtschaftsnationen trafen sich am Rande der Veranstaltung beim Major Economies Forum. Klimaretter.info hat sich mit Jasper Inventor von Greenpeace International über die Ergebnisse unterhalten
Klimaretter.info: Die Staats- und Regierungschefs der Welt haben Bilanz über die UN-Millenniumsziele gezogen. Wie steht es nach zehn Jahren um die Rettung der Welt?
Jasper Inventor: Bis 2015 soll die Zahl der Hungernden halbiert werden, das haben sich die Länder jedenfalls vor zehn Jahren vorgenommen. Aktuelle Zahlen sprechen aber leider dagegen, dass dieses Ziel erreicht werden kann. Und auch der Gipfel in New York hat nichts neues gebracht.
Woran liegt das?
Der Knackpunkt ist wie immer das Geld: Obwohl die Länder versprochen haben 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Entwicklungshilfe zu geben, liegen die tatsächlichen Mittel bei nahezu allen "Gebern" noch weit darunter.
Auf dem Klimagipfel in Kopenhagen wurden den armen Ländern bis 2012 auch "zusätzliche" Finanzmittel von 30 Milliarden US-Dollar zugesagt. Länder wie Deutschland verrechnen diese Gelder jedoch zu großem Teil mit bereits zugesagten Mitteln für die Armutsbekämpfung. Wurde das Thema in New York diskutiert?
In der allgemeinen Diskussion um die Millenniumsziele scheint das leider eher ein Thema, das durch seine Abwesenheit glänzt. Das hat man auch in den Reden der Staats- und Regierungschefs gemerkt: Angela Merkel hat zwar betont, dass Deutschland eines der größten "Geberländer" ist, die Folgen des Klimawandels für die Entwicklungsländern hat sie aber nicht einmal erwähnt. Es sind vor allem die besonders verwundbaren Nationen wie die Inselstaaten oder die am wenigsten entwickelten Länder, die die zusätzliche Belastung durch den Klimawandel zur Sprache bringen - und darauf beharren, dass diese Gelder nicht auf Kosten der Entwicklungshilfe gemacht werden.
In der Abschlusserklärung des Sondergipfels wurde aber doch immerhin festgehalten, die Bekämpfung des Klimawandels nehme eine "Schlüsselrolle" zum Erreichen der Millenniumsziele ein.
Abschlusserkärungen und Reden von Staats- und Regierungschef bringen den armen Ländern herzlich wenig wenn es um Armutsbekämpfung und die Anpassung an die Erderwärmung geht. Was sie brauchen ist die Einhaltung von Versprechen: Aber wenn die reichen Ländern nicht bereit sind, mehr Geld zur Verfügung zu stellen und Mittel für Klimaschutz und Anpassung zusätzlich bereit zu stellen, können wir die Millenniumsziele heute schon abschreiben.
Am Rande des Millenniumsgipfels fand in New York auch das Major Economies Forum der 17 größten Wirtschaftsländer der Welt statt, um über den Weg zum nächsten Weltklimagipfel in Cancun zu beraten. Konnte das Treffen Impulse für den Millenniumsgipfel geben?
Alles was die Major Economies vorweisen können ist der Konsens darüber, dass es keinen Konsens gibt, wie, ob und in welcher Form in Mexiko verbindliche Abmachungen getroffen werden sollen. Der US-Chefklimabeauftrage Todd Stern sagte am Ende des Forums, "niemand" erwarte für Cancun noch ein bindendes Abkommen. Das Treffen hat im Prinzip nur belegt, dass der Appetit auf Maßnahmen für den Klimaschutz im Moment fast verloren scheint.
Interview: Sarah Messina
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