Werbung

Preise .info-Award 2010 Gewinner des Deutschen Solarpreises 2009 Umwelt-Medienpreis 2008
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Energiestudie: "Inkonsistent und illusorisch"

Gehen Vattenfall und RWE jetzt als erstes auf die Barrikade gegen längere Laufzeiten der Atomkraftwerke? Glaubt man der Analyse des Öko-Institutes, wäre das den fossilen Großkonzernen dringend anzuraten.

Aus Berlin Nick Reimer

Am Montag war die Studie zu den energiewirtschaftlichen Szenarien erschienen, nun musste sich das Gutachten der wissenschaftlichen Begutachtung unterziehen. Das Ergebnis ist vernichten: "Die Studie ist inkonsistent und illusorisch", urteilt Felix Matthes, Forschungskoordinator Energie und Klima beim Ökoinstitut. Die Autoren hätten schlechterdings das falsche Modell für ihre Berechnungen gewählt.

lausitz-boxberg-kraftwerk
Hier investiert Vattenfall richtig viel Geld: Kraftwerksbaustelle im sächsischen Boxberg. (Foto: Reimer)

Um nicht mißverstanden zu werden schickte Matthes voran, "dass ich keine Kollegenschelte betreiben will". Das Energiewirtschaftliche Institut der Universität Köln EWI, dass die Studie federführend erarbeitet hat, habe seriös gerechnet. "Ihr Modell taugt aber nicht, um die Realität im Jahr 2030 oder 2050 abzubilden".

Zur Erinnerung: Die 267-seitigen Studie, die am Montag bekannt gegeben worden waren, hatten positive wirtschaftliche Effekte längere Atomkraftwerks-Laufzeiten ergeben. Die Ziele der Bundesregierung, ihre klimaschädlichen Emissionen bis 2020 um 40 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent zu senken, würden bei einem Business-as-usual - also beim Atomausstieg - verfehlt. Deshalb seien sowohl aus klimapolitischer, wie auch aus wirtschaftspolitischer Sicht längere Laufzeiten sinnvoll. Sie könnten dafür sorgen, dass der Strompreis - gemeint ist der Großhandelspreis an der Börse - auf 3,3 bis 3,6 Cent je Kilowattstunde im Jahr 2020 sinkt, im Jahr 2050 sogar auf 1,9 bis 2,2 Cent. Die Spanne ergibt sich aus den sicherheitstechnischen Nachrüstungen: Sie deren Anforderungen groß - wie vom Bundesumweltministerium präferiert - ergibt sich der teurere Preis. 2008 lag der Durchschnisttpreis im Großhandel noch bei 6,5 Cent, jüngere Daten gibt es noch nicht.

Matthes hat nun einige Ungereimtheiten in der Berechnungsmethodik gefunden. "Das EWI geht zwar davon aus, dass der Ölpreis auf 130 Dollar je Barrel steigt. Der Gaspreis aber bleibt nahezu gleich". In der Realität ist der Gaspreis aber an den Ölpreis gekoppelt und stieg deshalb dem Ölpreis folgend auch stets an. "Zudem gehen die Gutachter des EWI davon aus, der der Kohlepreis nicht weiter steigen wird", so Matthes - auch das eine Annahme, die in den kommenen 40 Jahren sicherlich anders Realität werden wird.

Eine zweite große Ungereimtheit betrifft die Emissionszertifikate. Das EWI war zu dem Ergebnis gekommen, dass durch längere Laufzeiten die Preise für die Verschmutzungsrechte um 5 Euro pro Tonne gesenkt werden könnten. "Das ist im Gutachten nicht sauber hergeleitet", sagt Matthes, die Summe sei "vom Himmel gefallen". Nach seiner Rechnung könnten allenfalls Effekte von maximal 1,50 Euro je Tonne erzielt werden. Aktuell pendelt der Zertifikatepreis um die Preismarke von 15 Euro.  

"Die Strompreiseffekte auf den Emissionshandel sind um den Faktor drei bis vier überzeichnet, bleibt man in der Logik des EWI", urteilt Matthes. Aber diese Logik habe nichts mit der Realität zu tun: Die Gutachter des EWI hätten lediglich den Betrieb von Kraftwerken modelliert, nicht aber den Neubau.

fair1
Hier investiert RWE richtig viel Geld: Um Geld zu verdienen wäre ein sinkender Großhandelspreis gar nicht im Interesse des Konzerns. (Foto: Henry Fair)

Ein Strompreis im Großhandel für 1,9 Cent pro Kilowattstunde - ist das überhaupt wünschenswert? "Nein", sagt Matthes und denkt da vor allem an RWE und Vattenfall. "Die bauen gerade neue Kohlekraftwerke. Und ihre Kalkulation geht von einem Großhandelspreis von 8 bis 9 Cent aus", so der Experte vom Öko-Istitut. Nur dann würde sich das Investment lohnen. Fazit: "Hätte das EWI Recht mit seiner Berechnung, müssten Vattenfall und RWE als erstes auf die Barrikade gegen längere Laufzeiten gehen". Dann nämlich wären die Milliarden, die jetzt ewta in Boxberg oder Neurath in Kohlekraftwerke gesteckt werden, nie refinanzierbar.

Das politische Urteil überließ Matthes Regine Günther vom WWF, auf dessen Einladung er das Gutachten analysiert hatte. "Wenn Kanzlerin Angela Merkel 10 bis 15 Jahre Laufzeitverlängerung für begrüßenswert hält, hat das nichts mit der Studie zu tun, sondern mit politischen Grundsatzdenken", so die Klimaexpertin vom WWF.

HIER lesen Sie eine >> Kurzanalyse von Germanwatch, deren Experten sich ebenfalls mit dem Gutachten befasst haben

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

Werbung

Dies könnte Sie auch interessieren:

Freitag, 03. September 2010, 09:25 Uhr
"Fragwürdig" und "diskreditierend"
In internen Papieren äußert das Bundesumweltministerium herbe Kritik am Regierungsgutachten zu künftigen Energieszenarien. Auch Greenpeace und Germanwatch rügen irreführende Vorgehensweise.
Aus Berlin Toralf Staud [mehr...]
Mittwoch, 06. Juli 2011, 11:00 Uhr
AKW-Stresstests nun auch in Japan
Als Reaktion auf die Katastrophe von Fukushima plant nun auch Japan, seine Atomreaktoren einer Sicherheitsüberprüfung zu unterziehen [mehr...]
Sonntag, 06. Februar 2011, 12:03 Uhr
Acht-Punkte-Plan für Seltene Erden
Studie zeigt auf, wie ein nachhaltiges Ressourcenmanagement für Neodym, Terbium, Lanthan und Co. aussehen kann [mehr...]
Dienstag, 08. Juni 2010, 16:59 Uhr
Atomaufsicht: Laufzeiten zustimmungspflichtig
2010-04-24_Anti-AKW-Demo_Ahaus-6-kleinCDU-FDP-Regierung in Schleswig-Holstein verweigert sich Berliner Vorstellungen: Für längere Akw-Laufzeiten ist ein OK des Bundesrats notwendig [mehr...]
Montag, 16. Mai 2011, 08:14 Uhr
Atomforum fühlt sich blockiert
Absage des beliebten Dinners, Absage des politischen Programms: Aktivisten-Camp auf dem Alexanderplatz bekommt Oberwasser [mehr...]
Samstag, 28. Mai 2011, 11:24 Uhr
Atomproteste in 20 Städten
staedtekarte_400Deutschlandweit wird heute protestiert - in über 20 Städten wollen tausende Menschen für einen raschen Atomausstieg auf die Straße gehen [mehr...]
Mittwoch, 21. September 2011, 08:33 Uhr
Aufklären, bis die Kanzlerin kommt
gor-podiumMorgen tagt der Gorleben-Untersuchungsausschuss. Nach dem schwarz-gelben Atomausstieg fordert die Union ein schnelles Ende des parlamentarischen Verfahrens. Die Opposition streitet derweil über die richtige Strategie: Wissenschaftler verhören oder die politisch Verantwortlichen in die Zange nehmen?
Aus Berlin Felix Werdermann [mehr...]

Meinungen: Etscheits Alltagsstress

Danke, lieber Fritz Vahrenholt!

etscheid Energiekonzerne können bohren, fracken und teersanden so viel sie wollen, ohne dass ihnen linksradikale Umweltschützer noch in die ölige Suppe spucken können. Alles wird gut. Vielen Dank, liebe Sonne! Vielen Dank, Fritz Vahrenholt! [mehr...]

Meinungen: Kommentar

Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]

mehr...

Werbung

Jahresrückblick
2011: Das Jahr der Rekorde

Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Hamburger Mucken auf. Neuer Schmelzrekord in der Aktis, neuer Emissionsrekord in der Atmosphäre und so viel Flugpassagiere wie noch nie - der Jahresrückblick 2011. [mehr]


Aktion des Monats

US-Waldgesetz retten

In den USA formieren sich Lobbyisten nachdem US-Behörden dem Gitarrenbauer Gibson die Einfuhr von illegalen Tropenhölzern nachweisen konnten. Vorn dabei: Die rechtskonservative Tea Party. Gemeinsam wollen diese das Lacey-Gesetz, dass den Import der Tropenhölzer für illegal erklärt, kippen. [mehr]

Durban 2011

Klimakonferenz Durban

Was war die 17. UN-Klimakonferenz - eine weitere Pleite der Diplomatie oder der Startschuss für das bitter nötige globale Klimaabkommen? Alle Berichte unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Südafrika können Sie im Durban-Dossier nachlesen.  [mehr]

Neue Klimaretter-Serie 
Die Gesetze der Energiewende

Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit  Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist.


Lexikon

Das ABC der Klimaretter

Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr]

In eigener Sache

Klimaretter abonnieren!

Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann unterstützen Sie uns, denn unabhängiger Journalismus kostet Geld. Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...]

Werbung

Bild & Vahrenholt: Die Lüge von der CO2-Lüge

Der Chef des Springer-Verlags, Matthias Döpfner, hat vor Jahren mal über sein Boulevardblatt Bild gesagt: „Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.“ Das betrifft offenbar nicht nur Promis, sondern auch[…] [mehr...]

Klimaretter-Dossiers

Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs

Klimakonferenz-Specials

Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13

Werbung

Facebook Empfehlungen

klimaretter.info auf Twitter

klimaretter.info Newsletter

klimaretter.info Newsfeed

Hier gehts zu einer Übersicht unserer Newsfeeds


Werbung


Ressorts

Politik


Kanzlerin auf Rohstoffsuche

Angela Merkel (CDU) trifft sich heute mit dem Präsidenten von Kasachstan, um über die Lieferung von seltenen Erden zu verhandeln [mehr...]
Protest


Facebook: Sonne gegen Rösler

Wegen Solarkürzungen: Facebook-Nutzer wetten gegen Wirtschaftsminister [mehr...]
Mobilität


Kalifornien erzwingt mehr saubere Autos

Neue Abgasregeln sollen CO2-Ausstoß im Verkehr bis 2025 um 52 Millionen Tonnen senken [mehr...]
Forschung

mann3_cr
Rechtshilfefonds für US-Klimaforscher

Organisation will Wissenschaftler wie Michael Mann beim Kampf gegen juristische Angriffe von "Klimaskeptikern" unterstützen [mehr...]
Wohnen


Heizkosten kosten nach Verbrauch

Urteil des Bundesgerichtshof: Eine pauschale Abrechnung ist "ungerecht" - und deshalb verboten [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar


Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.
Ein Kommentar von Joachim Wille
[mehr...]
Standpunkte


Biogas: unverzichtbar für die Energiewende

Die pauschale Kritik an der "Vermaisung" der Landschaft ist falsch, meint der Geschäftsführer des Fachverband Biogas, Claudius da Costa Gomez, in einem Gastbeitrag. Zukünftig würden auch alternative Energiepflanzen wie Rüben für die Stromerzeugung verwendet werden. Auch auf den Humus-Haushalt habe der Biomasseanbau keine negativen Auswirkungen. Teil fünf unserer Debattenserie zu den Folgen des Atomausstiegs.
Von Claudius da Costa Gomez
[mehr...]
Rezension


Ruht der Wind sich jemals aus?

Warum sind die Wolken flauschig? Wieso ist die Erde nicht tiefgefroren? Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf präsentiert Wetter und Klima als Abenteuer für Kinder.
Eine Rezension
von Toralf Staud
[mehr...]
Kolumnen

nick3
Wie die FDP Ihr Geld klaut

Der Wirtschaftsminister will 250 Großkunden die EEG-Umlage von deren Strompreis abziehen. Das kostet Sie vielmehr Geld als der Ausbau der erneuerbaren Energien! [mehr...]
Überraschung der Woche


Transparenz, EEG und die Ananas des Herrn Großmann

Kalenderwoche 5: Was steckt hinter dem Solarbashing des Wirtschaftsministers?, fragt sich Matthias Willenbacher, Gründer des Unternehmens juwi und Mit-Herausgeber von klimaretter.info [mehr...]