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Werbefeldzug für "saubere" Kohle

Die Trump-Administration will kohlefreundliche Staaten in einer "Clean Coal Alliance" versammeln – als Bollwerk gegen das "aggressive" Gebaren der Anti-Kohle-Allianz unter kanadisch-britischer Führung. Ein leichtfertiger Glaube an den Fortschritt der CCS-Technologie verbindet aber Akteure hier wie da.

Von Eva Mahnke

Noch rekrutiert Donald Trump nicht offiziell Unterstützer, aber die Vorbereitungen für sein Bündnis zur Verteidigung der Kohle laufen bereits. Schon bald könnte die "Clean Coal Alliance", die Allianz für saubere Kohle, das internationale energiepolitische Parkett betreten.

BildErdacht ist sie schon. Nun wird Trump wohl die Werbetrommel für die "Clean Coal Alliance" rühren. (Grafik: OpenClipart-Vectors/Pixabay)

Wie weit die Pläne der US-Regierung zum Aufbau eines solchen Bündnisses fortgeschritten sind, machte in der vergangenen Woche das auf Energie- und Umweltnachrichten spezialisierte US-Portal E&E News bekannt. Aussichtsreiche Beitrittskandidaten könnte Trump in Australien, Südafrika, den Philippinen, Indonesien, der Ukraine, Polen und China finden.

"Die USA denken darüber nach, eine Gruppe von Ländern zusammenzubringen, die die Nutzung von sauberen, effizienteren fossilen Energieträgern unterstützen", zitiert E&E News einen US-Regierungssprecher. Die Begründung für den aus US-Sicht notwendigen Schritt liefert der Sprecher gleich mit: "Es gibt eine anti-fossile Bewegung, die von einigen Ländern und Umweltaktivisten aggressiv verfolgt wird." Gemeint ist insbesondere die "Powering Past Coal Alliance", die unter Führung von Kanada und Großbritannien auf dem UN-Klimagipfel in Bonn im November vorgestellt wurde.

Dem Bündnis gehören mittlerweile 26 Staaten an, darunter viele Industrieländer wie Belgien, Dänemark, Finnland, Neuseeland, die Niederlande, Österreich und Portugal. Beim "One Climate Summit" vergangene Woche in Paris hat die Allianz mit Frankreich, Lettland und Schweden weiter an politischem Gewicht gewonnen.

Das Bekenntnis des Zusammenschlusses: Nur wenn die OECD-Staaten bis 2030 und der Rest der Welt bis 2050 aus der Kohle aussteigen, ist das Pariser Klimaabkommen erfüllbar. Etliche Staaten haben Ausstiegsdaten bis 2030 angekündigt.

"Saubere Kohle" für mehr Exporte

Dagegen besteht die erklärte Aufgabe von Trumps Klimaberater George David Banks darin, gemeinsam mit Verbündeten die Entwicklung von Technologien voranzutreiben, die die Kohle von ihrem schlechten Image befreien – um sie weiter kräftig zu verfeuern. Dabei geht es um die Speicherung von Kohlendioxid im Untergrund (CCS) und die stoffliche Verwertung von CO2 für chemische Prozesse.

Der Plan wird nach Angaben von Banks durch Millionen US-Dollar unterstützt, die Präsident Trump bereits für die CCS-Forschung bewilligt habe. Außerdem will sich die US-Administration für eine Änderung der Weltbank-Regularien einsetzen, die seit 2012 die Kreditvergabe für Kohlekraftwerke untersagen. Banks, der die US-Regierung auf dem Bonner Klimagipfel im November vertreten hat, nannte diese Regularien dort "völlig falsch".

Als Argument für die Notwendigkeit von Kohle samt CCS nennt die sonst ganz auf "America First" gepolte US-Politik auffällig oft das Recht von Entwicklungsländern auf genügend Elektrizität. Ganz offensichtlich steht hinter der Initiative der USA aber die Idee, der US-Kohle vor allem über Exporte wieder zum Aufschwung zu verhelfen.

Die US-amerikanische Kohleindustrie, die den Energiemix jahrzehntelang dominierte, musste in den letzten Jahren durch den Boom von Fracking-Gas harte Einschnitte hinnehmen. Das soll nun anders werden. Die USA wollen Kohle und Kohlekraftwerkstechnologien mit CCS verkaufen.

Erst im Oktober warb Energieminister Rick Perry auf der "Oil Week" in Südafrika: "Das ist meine Botschaft an Afrika: Amerika ist euer wahrer Freund und Partner. Wir sind hier, um Afrika bei der Nutzung fossiler Ressourcen zu helfen, und zwar auf saubere Weise mit den neuesten und besten Technologien."

Ebenso enthusiastisch zeigt sich der US-Präsident: "Wenn ihr euch anseht, was in West Virginia und an so vielen anderen Orten passiert ist ... wir schicken saubere Kohle", sagte Trump Anfang Dezember. "Wir schicken sie an verschiedene Orte, wie China. In China wird gerade eine Menge Kohle bestellt. Viele Dinge ändern sich, und sie ändern sich schnell." Mit dem Versprechen von CCS und "sauberer Kohle" kämpft die Trump-Regierung um einen Markt, den sie durch die Anti-Kohle-Allianz bedroht sieht.

CCS als Rettungsanker – auch bei den Kohlegegnern 

Der Glaube an CCS prägt allerdings auch die Anti-Kohle-Allianz selbst. "Wir sind vereint, um sauberes Wachstum und Klimaschutz durch einen schnellen Ausstieg aus der traditionellen Kohlekraft zu beschleunigen", heißt es in der Selbstdarstellung der Allianz. "Traditionelle Kohle" meint: ohne CCS.

Damit mogelt zum Beispiel Kanada sein Kohleausstiegsdatum bis 2060 hinaus, wie Umweltministerin Catherine McKenna kurz nach dem Start der Anti-Kohle-Allianz in einem Spiegel-Interview unverblümt zugab. 2030 ist für das OECD-Land Kanada mit der Kohle noch nicht endgültig Schluss, beschlossen ist nur die Beschränkung auf CCS-Kraftwerke.

Mit anderen Worten: Auch die Anti-Kohle-Allianz hält sich ein scheunengroßes Hintertürchen offen, das sie näher an die Trump-Initiative heranrückt, als es zunächst den Anschein hat.

Neben der großen Unsicherheit, ob das per CCS eingelagerte Kohlendioxid sicher und dauerhaft unter der Erde bleibt, ist ein wesentliches Problem von CCS nach wie vor nicht gelöst: Das Abscheiden und Verpressen von CO2 im Untergrund ist extrem energieaufwendig und entsprechend teuer – weshalb die existierenden Pilotanlagen vor allem dort stehen, wo der Vorgang halbwegs wirtschaftlich gemacht werden kann: bei der Verpressung in nahezu leeren Ölllagerstättem. Dort wird mit dem Gas die Öl-Ausbeute erhöht; das Verfahren nennt sich "Enhanced Oil Recovery". Der Begriff "saubere Kohle" verkehrt sich dabei in sein glattes Gegenteil.

BildSchon seit Jahren ist die US-Kohleindustrie (rote Kurve) unter Druck, während Erdgas (dunkelgrün) und Erneuerbare (hellgrün) boomen. (Grafik: Coal Atlas 2015/​EIA/​HBS)

Im großen Stil wird nirgends auf der Welt Kohlendioxid abgeschieden. Aufgrund der hohen Kosten der Technologie glauben Experten nicht, dass CCS im großen Umfang zum Einsatz kommen wird – vor allem da die Kosten für die Erneuerbaren im Gegenzug stetig sinken.

Zeit also für die Akteure beider Allianzen, ihre Strategien noch einmal zu überdenken.

[Erklärung]  
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