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Den Konzernen die Argumente nehmen

Kanada, Mexiko, Kolumbien, Kalifornien und viele weitere Staaten und Bundesstaaten wollen bei der CO2-Bepreisung zusammenarbeiten. Bis zu einem gemeinsamen "amerikanischen" Emissionshandel wird es wohl noch lange dauern. Einen positiven Effekt hat die Kooperation aber jetzt schon.

Von Friederike Meier

Plötzlich, so scheint es, will die ganze Welt einen Emissionshandel einführen. In dieser Woche hat China verkündet, dass sein Handelssystem am kommenden Dienstag in die Testphase geht. Zunächst soll daran nur der Energiesektor beteiligt sein, der aber immerhin für nahezu die Hälfte der chinesischen CO2-Emissionen verantwortlich sein soll. 39 Prozent davon sollen wiederum unter den Emissionshandel fallen. Das System im Reich der Mitte wäre damit das größte weltweit – größer als das der Europäischen Union.

BildÖlförderung in Kalifornien. Zertifikate, um dieses Öl verbrennen zu dürfen, gibt es auf dem gemeinsamen CO2-Markt von Kalifornien, Quebec und Ontario. (Foto: Arne Hückelmann/Wikimedia Commons)

Doch nicht nur in Asien spricht man über den Emissionshandel: Auf dem "One Planet Summit" in Paris haben in dieser Woche zwölf Regierungschefs von Staaten und Bundesstaaten aus Nord- und Südamerika verkündet, künftig bei der CO2-Bepreisung stärker zusammenarbeiten zu wollen. Dem Bündnis gehören unter anderem Chile, Kanada, Kolumbien, Mexiko, die US-Bundesstaaten Kalifornien und Washington sowie fünf der zehn kanadischen Provinzen an.

Mit ihrer "Declaration on Carbon Pricing in the Americas" verpflichten sich die Partner, eine Form der CO2-Bepreisung innerhalb ihrer jeweiligen Länder einzuführen. Ob das ein Emissionshandel oder eine Kohlendioxid-Steuer sein soll, ist nicht festgeschrieben. Alle an der Initiative beteiligten Staaten und Bundesstaaten haben schon oder planen die eine oder andere Form der Kohlendioxid-Bepreisung. So hat Chile in diesem Jahr eine CO2-Steuer eingeführt und Mexiko will einen Emissionshandel ins Leben rufen.

"Märkte zusammenzuschließen ist schwierig"

Das Ziel, die Märkte zu verbinden, hat das Papier aber dennoch. Denn die Unterzeichner wollen bei der Emissions-Berichterstattung enger zusammenarbeiten. Das sei "eine nötige Grundlage dafür, dass die Emissionsmärkte in den amerikanischen Staaten koordiniert werden können". Denn ohne gemeinsame Regeln dafür, wie Emissionen gemessen und wie CO2-Zertifikate verteilt werden, funktioniert so eine Zusammenarbeit nicht.

Konkrete Pläne hat zumindest schon Mexiko. Ein Vertreter der mexikanischen Börse sagte dem US-Magazin Bloomberg Technology: "Die CO2-Märkte zu verbinden wird uns helfen, die Kosten zu reduzieren und allen Firmen in der Region flexible Mechanismen anzubieten." Kalifornien hat zusammen mit den kanadischen Provinzen Quebec und Ontario schon ein gemeinsames Emissionshandels-System.

Femke de Jong von der Klimaschutzorganisation Carbon Market Watch gibt zu bedenken, dass es sehr schwierig ist, verschiedene Märkte zusammenzuführen. "Die EU und die Schweiz, die gerade das Zusammengehen beschlossen haben, haben dafür Jahre gebraucht", so die Emissionshandelsexpertin. Und das, obwohl die Schweiz einen sehr kleinen Emissionshandel und genau das gleiche System hat wie die EU. "Wenn Mexiko sich an den schon existierenden gemeinsamen Markt von Quebec, Kalifornien und Ontario anschließen wollte, müsste es genau das gleiche System mit den gleichen Regeln haben."

Am wichtigsten ist die Höhe des Preises

Und auch wenn sie es begrüßen würde, wenn sich viele Länder zusammenschließen, hat de Jong weitere Bedenken: "Beim Zusammenschluss zweier Emissionshandelssysteme handelt es sich um internationale Handelsverträge, bei denen es wenig Transparenz in den Verhandlungen gibt." Sollte der EU-Emissionshandel jemals mit einem anderen größeren System zusammengeschlossen werden, müsse sich das ändern.

Allerdings hätte es auch einen großen Vorteil, wenn sich mehrere Länder bei der CO2-Bepreisung absprächen oder gar ihre Emissionshandelsmärkte verbänden: "Das Hauptargument der multinationalen Konzerne, die gegen CO2-Preise lobbyieren, ist, dass sie dann eben in andere Länder umziehen, wo es keine solche Preise gibt." Dieses Argument fällt weg, wenn die Länder kooperieren und die Preise für den Ausstoß von Kohlendioxid sich angleichen würden – ob über eine ähnlich hohe Steuer oder einen gemeinsamen Emissionshandel.

BildDie zu verbrennen soll in Zukunft was kosten: Kohle unterwegs in China. (Foto: Han Jun Zeng/​Flickr)

Und ganz abgesehen davon, wie viele Länder sich zu einem Markt zusammenschließen: Der wichtigste Faktor für die Wirksamkeit der Bepreisung von klimaschädlichen Emissionen, betont Femke de Jong, sei immer noch deren Höhe. Ökonomen gehen davon aus, dass der Preis für eine Tonne CO2-Äquivalent spätestens im Jahr 2020 zwischen 40 und 80 US-Dollar liegen muss, um die Klimaziele von Paris zu erreichen.

Die Preise in den meisten Ländern und Emissionshandels-Systemen liegen bisher weit darunter. In der EU kostet eine Tonne derzeit etwa sieben Euro. Ob die Länder in Amerika es besser machen, bleibt abzuwarten. Viel Zeit bleibt der Welt jedoch nicht mehr.

[Erklärung]  
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