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Macron-Gipfel: Endlich "konkrete Taten"

Eine Flut von Ankündigungen für den Klimaschutz: In Paris trafen sich heute über 50 Staats- und Regierungschefs und Wirtschaftsführer, um über den Ausstieg aus fossilen Investments und die Rolle von privatem Kapital bei der Klimafinanzierung zu reden. Daneben gab es viel Klima-Prominenz.

Aus Paris Axel Veiel

Auf der Seine-Insel Seguin öffnen sich die Schleusen. Eine Flut von Klimaschutzprojekten geht auf die sich dort im Konferenzzentrum drängenden Menschenmassen hernieder. Hier versprechen Verwalter von US-Investmentfonds, derart massiv auf grüne Energien zu setzen, dass der Ausstieg ihres Präsidenten aus dem Pariser Klimaschutzabkommen mehr als wettgemacht werde.

BildSelfie von Präsident Macron und Ex-Gouverneur Schwarzenegger in Paris: Beide kämpfen für den Klimaschutz. (Foto: Screenshot/​Arnold Schwarzenegger/​Twitter)

Da verkündet der UN-Sondergesandte für Städte und Klima Michael Bloomberg, 230 große Unternehmen seien bereit, ihre CO2-Emissionen und geplante Schritte zu ihrer Verringerung offenzulegen – ein Signal an umweltbewusste Aktionäre. Dort meldet der weltweit größte Versicherer Axa, seine Investitionen in den Klimaschutz bis 2020 von drei auf zwölf Milliarden Euro zu erhöhen und drei Milliarden aus Kohle- und Ölsand-Kraftwerken abzuziehen.

Ganz im Sinne des französischen Präsidenten ist das, der zwei Jahre nach der Unterzeichnung des Pariser Klimaschutzabkommens die Spitzen von UN und Weltbank, 50 Staats- und Regierungschefs, mehr als 100 Ministerinnen und Minister sowie Wirtschaftsführer und Umweltschützer zum "One Planet Summit" eingeladen hat. "Konkrete Taten" will Emmanuel Macron sehen, eine Dynamik entfachen.

Den Dingen einfach ihren Lauf lassen, das reicht ja auch nicht, um die Klimakatastrophe abzuwenden. Soll das in Paris gesteckte und zuletzt im November beim Bonner Klimagipfel weiterverfolgte Ziel erreicht und die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad beschränkt werden, heißt es nachlegen.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres erinnert daran, dass der Ausstoß von Treibhausgasen erstmals seit drei Jahren wieder zugenommen hat. "Wir sind dabei, den Kampf zu verlieren, wir sind nicht schnell genug", beschwört Macron den Ernst der Lage. 

Allerdings werden die konkreten Taten auf Seguin nicht verrichtet, sondern nur öffentlich versprochen. Wobei ein Dutzend der Versprechen immerhin in den Rang "verbindlicher Verpflichtungen" erhoben und am frühen Abend feierlich verabschiedet wird.

Banken kündigen Divestment an

Zu den spektakulärsten zählt die Ankündigung staatlicher Entwicklungsbanken, nicht mehr in fossile Brennstoffe zu investieren. "Ein Riesenschritt ist das", meint Lutz Weischer von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. Der Klimaexperte erinnert daran, dass die Entwicklungsbanken bisher mit Steuergeldern noch äußerst großzügig Kohleabbau oder auch Ölpipelines finanzieren. "Sollten die Entwicklungsbanken von Schwellenländern wie Indien umdenken, die zu den größten CO2-Emittenten zählen, wäre das ein herausragendes Gipfelergebnis", sagt Weischer.

Wenn es vor allem ums Geld geht, dann deshalb, weil sich bei der Finanzierung des im Paris-Abkommen Vereinbarten schwindelerregende Lücken auftun. Die Industriestaaten haben sich verpflichtet, die Hinwendung zu klimaneutralen Energien in ärmeren Ländern von 2020 an mit jährlich mit 100 Milliarden Euro zu fördern. Doch die Neigung, zur Tat zu schreiten, ist gering. Nur knapp ein Drittel des Zugesagten ist bisher finanziert. "Die Regierungen können das allein nicht stemmen", räumt UN-Generalsekretär Guterres ein. Privatkapital sei gefragt.

Der Finanzsektor zeigt sich bereit, in die Bresche zu springen und die weltweiten Kapitalströme verstärkt in klimafreundliche Investitionsvorhaben zu lenken. Bloomberg nennt den naheliegenden Grund: Umweltfreundliche Unternehmen verhießen Anteilseignern zunehmend mehr Rendite, gibt er zu verstehen. Alle fänden sie attraktiver: Arbeiter, Kunden, Investoren. Lächelnd fügt der Klimaschützer hinzu: "Der Markt ist unsere stärkste Waffe." An Bloombergs Seite sitzende Banker pflichten bei. Mark Carney, Präsident der Bank von England, nickt, Mark Tucker von der HSBC ebenfalls.

Die größten Menschentrauben bilden sich am Dienstag freilich nicht um die Finanzakteure, sondern um die Stars des Klimaschutzes: Filmheld Leonardo DiCaprio, Microsoft-Krösus Bill Gates oder auch der frühere Action-Darsteller und kalifornische Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger. Auch sie ermutigen zu konkreten Taten.

Schwarzenegger ruft dazu auf, dem Beispiel der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo zu folgen. Die Sozialistin hat sich mit den Kollegen aus Los Angeles, Mexiko-Stadt, London und sechs weiteren Metropolen abgesprochen. Alle wollen sie bis zum Jahr 2030 Benzin- und Dieselautos aus ihren Städten verbannen.

BildGenau zwei Jahre ist es her: Am 12. Dezember 2015 beschloss die Weltgemeinschaft in Paris das neue Weltklimaabkommen. (Foto: Benjamin von Brackel)

Der Ökonom Maxime Combes, der dem für globalen Umweltschutz eintretenden Netzwerk Attac nahesteht, relativiert das Erreichte. Bisher kämen lediglich 0,1 Prozent der weltweiten Investitionen dem Klimaschutz zugute, versichert Combes. Germanwatch-Mitarbeiter Weischer will nicht ausschließen, dass so manches am Dienstag Präsentierte nicht wirklich neu ist. Anderes mag im Planungsstadium steckenbleiben. Aber dass es sich lohnt, für den Klimaschutz zu trommeln, da ist sich Weischer ganz sicher.

Lesen Sie dazu unseren Kommentar: Macrons halber Turbo

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