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Ein Sieg für Indigene

BildVertreter von Ureinwohnern erstreiten von den Staaten die Anerkennung einer gemeinsamen Plattform. Besonders wichtig: Sie dient nicht nur dem Wissensaustausch, sondern wird als Interessenvertretung bei den Klimaverhandlungen anerkannt. Was für Indigene gut ist, nützt der ganzen Menschheit, sagen Aktivisten. 

Aus Bonn Kathrin Henneberger

Es war ein langer Kampf. Aber Dienstagnacht um 23 Uhr können die Vertreter der indigenen Bevölkerung auf dem Bonner Klimagipfel endlich in Jubel ausbrechen. Tagelang hatten sie zuletzt mit den Staaten um die Verwirklichung der "Local communities and indigenous peoples platform" gestritten. Die Verhandlungen hatten sich so verlangsamt, dass viele fürchteten, sie würden auf die nächste Klimakonferenz vertagt.

BildProtestaktion auf dem Bonner Konferenzflur: Indigene Rechte sollen nicht als Verhandlungsmasse missbraucht werden. (Foto: Henneberger)

Am Morgen dieses 14. Novembers machten sie deshalb ihren Frust mit einer Protestaktion auf den Fluren der Konferenz deutlich. Vertreter aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt standen Seite an Seite: aus Amazonien, dem Tschad, Nordamerika, von den Philippinen, aus Neuseeland.

"Wir fordern, im selben Maße an den Entscheidungen der Klimakonferenz teilhaben zu können wie die Staaten selbst", rief India Logan-Riley aus der Gemeinde Ngati Kahungunu ki Heretaunga in Neuseeland den Delegierten zu. Auf der COP 23 hätten die Regierungen sich auf ihre eigene politische Agenda beschränkt und aufgehört, auf die Bedürfnisse und Forderungen der Indigenen einzugehen, kritisierte die Vertreterin der Organisation Te Ara Whatu.

Durchgeboxt wurde die Plattform, die auf dem Paris-Abkommen beruht, am Ende unter anderem von der ecuadorianischen Regierung. Aus Ecuador kommt auch Juan Carlos Jintiach von der Coica, dem Netzwerk der indigenen Amazonasvölker. "Wir Indigenen haben auf dieser Konferenz einen Sieg errungen", freut er sich am Morgen nach dem Beschluss.

Zwar seien von den ursprünglich 24 Punkten nur zwölf im endgültigen Dokument enthalten, aber die wichtigsten seien drin, so Jintiach. Wesentlich seien etwa der Bezug auf die UN-Erklärung über die Rechte indigener Völker sowie die Festlegung, dass die Plattform nicht nur dem Austausch von Wissen dienen, sondern auch als Interessenvertretung auf den UN-Klimakonferenzen agieren soll.

Indigenes Wissen für den Klimaschutz

Die Auswirkungen des Klimawandels treffen viele indigene Gemeinden besonders hart, weil sie sauberes Wasser, Nahrung und Medizin direkt aus ihrer Umwelt beziehen und deshalb auf funktionierende Ökosysteme angewiesen sind.

Werde Klimaschutz an den Bedürfnissen der Indigenen ausgerichtet, würde der Rest der Menschheit enorm profitieren, erklärt Logan-Riley den Win-win-Effekt einer Stärkung der indigenen Verhandlungsrechte auf den UN-Klimakonferenzen. "Wir verfügen auch über ein einzigartiges Wissen, wie wir die Ressourcen der Umwelt nachhaltig nutzen können." Deshalb wird der Austausch von Wissen und Technologien zentraler Bestandteil der Plattform.

"Und wir haben Erfahrung, wie wir uns an veränderte Umweltbedingungen neu anpassen, zum Beispiel mit der Nutzung von anderen Pflanzen für die Landwirtschaft", ergänzt Johnson Cerda, ein Kichwa-Klimaaktivist aus Ecuador. Ein weiterer zentraler Bestandteil des Klimaschutzes, der Waldschutz, sei zudem für Indigene von jeher eine Selbstverständlichkeit.

In der Plattform sehen die Vertreter der Indigenen nun eine große Chance, ihr Wissen untereinander und mit der Welt zu teilen. Für Gemeinden sollen Informationen bereitgestellt werden, wie Klimaschutz und Klimaanpassung Hand in Hand gehen können. "Wir wollen auch unsere nationalen Regierungen dazu bewegen, ihre Ambitionen im Klimaschutz zu erhöhen", sagt Cerda.

India Logan-Riley, Johnson Cerda und Juan Carlos Jintiach fordern eine viel stärkere Rolle der Indigenen beim Klimaschutz – im Interesse aller. (Video: Ecapio/​Youtube)

Zweitens soll die Plattform ein politisches Instrument werden, ein offizieller Raum, in dem sich die Indigenen auf den UN-Klimakonferenzen verbünden können und – so der Wille der Initiatoren – langfristig die gleichen Partizipationsmöglichkeiten an den Verhandlungen erhalten wie die Staaten selbst.

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Alle Beiträge zur Klimakonferenz COP 23 
finden Sie in unserem Fidschi-Bonn-Dossier

[Erklärung]  
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