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"Eben ein Meeting"

BildDer 23. Weltklimagipfel ist vorbei. Viele kleinteilige, technische Fragen zur Umsetzung des Pariser Weltklimaabkommens haben die Diplomaten und Politiker geklärt, der große Wurf blieb erwartungsgemäß aus. Reicht das? Stimmen vom Konferenzparkett.

Protokolliert von Susanne Schwarz und Jörg Staude

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"Wir wissen aus Erfahrung, dass Klimaschutzbemühungen wirksamer, gerechter und nachhaltiger sind, wenn Frauen an zentraler Stelle einbezogen werden. Der Gender-Aktionsplan wurde genau dafür geschaffen. Er unterstreicht und unterstützt die Rolle von Frauen bei der Stärkung der Widerstandsfähigkeit und der Anpassung an den Klimawandel. Er schafft globale Aufmerksamkeit dafür, wie aus Worten Taten werden können."

Patricia Espinosa, Generalsekretärin des UN-Klimasekretariats
 

Bild"Die Welt steckt in der Kohlefalle – und die UN-Klimakonferenz hat daran nichts geändert. Die Kohlefalle sieht so aus: Auf der einen Seite drückt die schiere Masse verfügbaren billigen Brennstoffs, welcher die Welt aber teuer zu stehen kommt. Denn auf der anderen Seite drücken die Emissionen dieses schmutzigsten aller Brennstoffe, mit Klimarisiken und Gesundheitsgefahren. Aus dieser Kohlefalle muss sich die Menschheit befreien, wenn sie die Kosten des Klimawandels begrenzen will.

Dreierlei kann helfen: Im bei der Konferenz gestarteten und in Fidschi 'Talanoa' genannten Verständigungsprozess darf es nicht nur ums Nachbessern großartiger Klimaziele gehen, sondern um greifbare Maßnahmen. Zweitens brauchen wir weltweit eine wirkungsvolle Bepreisung von CO2, anfangen müssen Pioniere wie die EU mit einem Mindestpreis ab 2018. Drittens sollte Deutschland noch in dieser Wahlperiode des Bundestags die Energiebesteuerung sozialverträglich ändern; derzeit werden sauberer Strom und halbwegs sauberes Gas ökonomisch absurd höher besteuert als die schmutzige Braunkohle."

Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung
 

Bild"Die Länder, die das CO2-Problem massiv angetrieben haben, müssen jetzt das Notwendige tun – und uns andere unterstützen. Bisher reden wir nur, wir halten eben ein Meeting ab. Die Frage ist, was wir danach tun."

Mai Mahmoud, Mitglied des Panafrikanischen Parlaments
 

Bild"Bonn ist ein wichtiger Zwischenschritt zur Umsetzung von Paris. Ich bin zuversichtlich. Dass Deutschland sein nächstes Klimaziel nach aktuellem Stand nicht schaffen wird, hat natürlich nicht nur die Presse gemerkt. Als wir vor wenigen Tagen 'Fossil of the Day' wurden – das ist natürlich auch an uns nicht spurlos vorbeigegangen und das muss auch die Verhandler zu 'Jamaika' aufrütteln."

Barbara Hendricks, Bundesumweltministerin

Der "Fossil of the Day" ist ein Schmähpreis, den Klimaschutzorganisationen an Länder verleihen, die ihrer Meinung nach hinter den klimapolitischen Anforderungen zurückbleiben.
 

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"Es gibt ein Thema, das sowohl etliche Länder als auch NGOs mehrfach in die Debatte eingebracht haben: den Bedarf an besserer Teilhabe der Öffentlichkeit an den Weltklimakonferenzen – ohne Interessenkonflikte zu aufkommen zu lassen, indem man weiter den fossilen Unternehmen den Zugang gestattet.

Obwohl dieser Punkt so oft angesprochen wurde, findet er im Abschlussdokument des Gipfels kein einziges Mal Erwähnung. Während das UN-Klimasekretariat die Augen verschließt, torpedieren Handelsorganisationen im Namen der größten Verschmutzer die Verhandlungen. Sie bremsen, verwässern, blockieren und zerfasern die Ergebnisse, wo sie nur können."

Jesse Bragg, Corporate Accountability International
 

Fotos: Susanne Schwarz, außer: Porträtfoto Patricia Espinosa: Friends of Europe/Wikimedia Commons; Porträtfoto Ottmar Edenhofer: PIK
 
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Alle Beiträge zur Klimakonferenz COP 23 
finden Sie in unserem Fidschi-Bonn-Dossier

[Erklärung]  
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