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Schweden führt beim Klimaschutz

BildWie die Staaten beim Klimaschutz abschneiden, hat die Umweltorganisation Germanwatch untersucht. "Energiewende-Weltmeister" Deutschland landet nur im Mittelfeld.

Aus Bonn Susanne Schwarz

Energiewende, Klimakanzlerin, langfristige Klimaziele: Deutschland gibt sich auf internationaler Ebene gern als Klimaschutz-Vorreiter. Einem neuen Ranking der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch zufolge ist die Bundesrepublik allerdings nur klimapolitisches Mittelmaß.

BildKlimaschutz in Deutschland "bringt erhebliche Konflikte mit sich, die wir lösen müssen": Für Kanzlerin Merkel gab es am Mittwoch beim Klimagipfel in Bonn nur Höflichkeitsbeifall. (Foto: Michael Gottschalk/​BMUB/​Flickr)

Seit 2006 ordnet Germanwatch in seinem Klimaschutz-Index die 56 größten Treibhausgas-Emittenten unter den Staaten nach Klimafreundlichkeit. Deutschland liegt dieses Jahr auf Platz 22 und damit hinter zahlreichen EU-Ländern, aber auch hinter manchen Schwellenländern wie Brasilien.

Gemessen am vergangenen Jahr sieht das erst mal aus wie ein Fortschritt – da landete die Bundesrepublik noch auf Platz 29. Die Rankings sind aber nicht vergleichbar: Germanwatch und die beteiligten Wissenschaftler haben die Methodik verändert. Erstmals zählen nicht nur die Menge der Treibhausgasemissionen, der Energieverbrauch und der Ausbau der erneuerbaren Energien mit, sondern auch Klimaschutzpläne und -ziele. Hier schneidet Deutschland vergleichsweise gut ab, ohne bereits klimafreundlicher geworden zu sein.

Spitzenreiter ist Schweden – auf Platz vier. Die ersten drei Plätz lässt Germanwatch bei dem jährlichen Ranking nach wie vor frei als Symbol dafür, dass kein Land genug Klimaschutz betreibt, um den internationalen Klimazielen gerecht zu werden. Auch die anderen skandinavischen Länder liegen weit vorn: Norwegen hat Germanwatch auf Platz sieben eingeordnet, Finnland auf Platz neun, Dänemark auf 17.

Was Deutschland tun könnte, um auch zu den Vorreitern zu gehören, kann Jan Burck von Germanwatch auf Anhieb sagen. "Gerade in Deutschland gab es in den vergangenen Jahren insbesondere in den Bereichen Verkehr und Kohleverstromung viel zu wenig Fortschritt."

Niklas Höhne vom New Climate Institute in Potsdam, der am Index mitgearbeitet hat, misst der Kohle ebenfalls eine besonders große Bedeutung bei. Allein durch die Festsetzung eines Kohleausstiegs bis 2030, wie ihn die Grünen gerade in den Sondierungsgesprächen für eine "Jamaika"-Koalition fordern, würde die Bundesrepublik wohl zehn Plätze aufholen, schätzt er.

Globale Energiewende: Bezahlbar und eigentlich gewollt 

Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Klimaschutz ist indes nicht nur für Deutschland typisch. Auch andere Länder versprechen Germanwatch zufolge mehr, als sie schließlich einhalten. "Wir sehen eine starke Zustimmung zu den allgemeinen Zielen des Paris-Abkommens auf internationaler Ebene", sagt Burck. "Die Staaten müssen nun schnell Maßnahmen ergreifen und ihren Versprechungen auch Taten folgen lassen."

Kanada etwa loben die Umweltschützer für seine Leistungen in der internationalen Klimadiplomatie – wegen seines exorbitanten Energieverbrauchs, des schwachen Klimaziels und der sehr hohen Treibhausgasemissionen landet das nordamerikanische Land trotzdem abgeschlagen auf Platz 51.

Auch bei China hebt Germanwatch eine "ehrgeizige Führungsrolle in der internationalen Klimadiplomatie" hervor. Bei allen anderen Kriterien schneidet das Reich der Mitte allerdings schlecht ab und steht insgesamt nur auf Platz 41, zwischen den osteuropäischen Kohleländern.

Die USA liegen im Ranking wenig überraschend weit hinten, nämlich auf Platz 56: Die Pro-Kopf-Emissionen "der Staaten" liegen traditionell und nach wie vor hoch, US-Präsident Donald Trump hat den Ausstieg aus dem Paris-Abkommen eingeleitet und zahlreiche Umweltgesetze abgeschafft und bestreitet den menschengemachten Klimawandel.

BildFür seine Tagebaue und Kohlekraftwerke musste sich Deutschland in den vergangenen Tagen mahnende Worte auf dem Klimagipfel in Bonn anhören. (Foto: Raimond Spekking/Wikimedia Commons)

Die ökonomischen Voraussetzungen für die globale Energiewende sind Höhne zufolge eigentlich gut: "Die Daten zeigen ermutigendes Wachstum und deutlich niedrigere Preise bei Wind- und Sonnenenergie."

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Alle Beiträge zur Klimakonferenz COP 23 
finden Sie in unserem Fidschi-Bonn-Dossier

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