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Verhandeln gegen die Klimakatastrophe

BildDie Menschheit hat die Mittel, um die Klimaerwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen. Doch nun muss sie sich sehr schnell entscheiden, dies auch zu tun. Die Weichen dafür sollen in den kommenden zwei Wochen in Bonn gestellt werden.

Aus Bonn Christian Mihatsch

Ob sich das Klima um zwei, drei oder sogar noch mehr Grad erwärmen wird, entscheidet sich nicht in ferner Zukunft sondern in den nächsten Jahren. "Wir haben weniger als drei Jahre, um den Emissionstrend zu drehen", sagt Paula Caballero vom World Resources Institute (WRI) in Washington. Schon bis 2020 müssen die globalen Treibhausgas-Emissionen um ein Fünftel sinken, sonst ist es "praktisch unmöglich", die Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, wie ein neuer UN-Bericht zeigt.

BildIn den kommenden zwei Wochen sollen unter Leitung von Fidschi zahlreiche, teils entscheidende Details zur Ausgestaltung des Pariser Klimaabkommens geklärt werden. (Foto: IISD/​ENB)

Seit drei Jahren stagnieren die CO2-Emissionen aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. Weil aber andere Klimatreiber wie Methan und Lachgas vermehrt emittiert werden, steigen die gesamten Treibhausgasemissionen immer noch an. Gleichzeitig nehmen die Schäden durch Treibhaus-gestärkte Stürme, Überschwemmungen und Dürren rapide zu.

Das gilt etwa für das Land, das die diesjährige UN-Klimakonferenz in Bonn präsidiert: Fidschi. Der Inselstaat wurde letztes Jahr Opfer von "Winston", dem stärksten Zyklon der jemals auf der Südhalbkugel auf Land getroffen ist. Die Schäden von rund einer Milliarde US-Dollar entsprachen mehr als zehn Prozent der Wirtschaftsleistung des Kleinstaats mit 900.000 Einwohnern. In Deutschland entspräche dies einem Schaden von über 300 Milliarden Euro.

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Die Technologien zur Senkung der Emissionen sind vorhanden und werden schnell billiger. Es gibt effektive und bewährte Maßnahmen, um etwa die Entwaldung zu stoppen. Viele Großkonzerne aus der Industrie und den Finanzmärkten haben sich wissenschaftsbasierte Klimaziele gesetzt, um die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.

Die USA sind nicht das Problem

Daher ist der Chef des UN-Umweltprogramms Erik Solheim optimistisch, dass selbst die USA ihr Klimaziel erreichen, obwohl dort reihenweise Umweltschutzgesetze zurückgenommen werden: "Aller Wahrscheinlichkeit nach werden die USA ihr Klimaziel für das Pariser Klimaabkommen erfüllen, nicht wegen des Weißen Hauses, sondern wegen der Wirtschaft."

Auch die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, aus dem Klimavertrag auszusteigen, hatte noch keine negativen Folgen. "Trumps Angriff auf den Klimaschutz hat den USA geschadet, aber nicht dem Paris-Abkommen", sagt etwa Keya Chatterjee vom Climate Action Network.

Die Architektin des Abkommens und frühere Chefin des UN-Klimasekretariats Christiana Figueres meint gar, dass Trump dem Klima nützt: "Trumps Ankündigung hat eine beispiellose Welle der Unterstützung für das Abkommen ausgelöst. Er hat die Entschlossenheit der Welt beim Klimaschutz gestärkt, und dafür können wir alle dankbar sein."

In Bonn werden die USA noch mit am Tisch sitzen, da sie erst im Jahr 2020 aus dem Paris-Vertrag aussteigen können. Beobachter gehen aber davon aus, dass sich die US-Delegation konstruktiv verhalten wird. Zudem wird der US-Amerikaner Andrew Rakestraw zusammen mit dem Chinesen Gao Xiang weiter die vielleicht wichtigste Arbeitsgruppe leiten. Dort wird darüber entschieden, wie die Länder über ihre Emissionen, ihre Klimaschutzmaßnahmen und ihre Klimahilfen berichten müssen.

"Die Konferenz ist wichtiger, als viele glauben"

Hier wollen einige Länder, dass zwischen Industrie- und Entwicklungsländern unterschieden wird, obwohl das Pariser Klima-Abkommen diesen Gegensatz eigentlich aufgehoben hat und alle Staaten zum Klimaschutz verpflichtet. Die Berichtspflichten sind Teil der "Gebrauchsanleitung" für den Paris-Vertrag, die in Bonn vorbereitet und nächstes Jahr verabschiedet werden soll.

Das zweite wichtige Thema in Bonn ist die Ausgestaltung der ersten "Bestandsaufnahme". Diese soll die Frage beantworten: Wo steht die Welt bei ihrem Unterfangen, die Klimaerwärmung auf zwei oder besser 1,5 Grad zu begrenzen?

Für viele Entwicklungsländer wie nicht zuletzt Fidschi ist schließlich das Schicksal des Anpassungsfonds wichtig. Dieser relativ kleine Fonds unterstützt arme Länder bei der Vorbereitung auf höhere Temperaturen. Bisher ist der Fonds aber beim Kyoto-Protokoll, dem Vorgängervertrag, angesiedelt und muss noch unter das Dach des Paris-Abkommens "umziehen".

BildNutzt auch dem Klima: Ausgleichszahlungen sollen die Unversehrtheit von Wäldern in Vietnam garantieren. (Foto: ADB/​Flickr)

Die spannendste Frage ist, wer die Länder bei der Suche nach Kompromissen führen wird. In den letzten Jahren haben dies die USA zusammen mit China getan. Chinas Präsident Xi Jinping hat kürzlich angedeutet, den "Fahrersitz" in der Klimadiplomatie übernehmen zu wollen, aber auch die EU beansprucht eine Führungsrolle. Der Chef der Schweizer Delegation Franz Perrez sieht zudem "kleinere Motoren" in der Pflicht wie die Verhandlungsgruppe um die Schweiz, Mexiko und Südkorea.

Ziel der Bonner Konferenz ist, einen Textentwurf für die "Gebrauchsanleitung" zu erarbeiten. Das klingt trocken und irgendwie banal. WRI-Chef Andrew Steer sagt dazu: "Die Konferenz ist wichtiger, als viele Leute glauben."

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Alle Beiträge zur Klimakonferenz COP 23 
finden Sie in unserem Fidschi-Bonn-Dossier

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