Kalifornien auf Kurs, die USA nicht

Ob die USA im Pariser Klimaabkommen bleiben oder nicht, ist vielen Bundesstaaten, Städten und Firmen ziemlich egal. Sie setzen voll auf Klimaschutz und können nun schon die Hälfte des US-Klimaziels ohne Washington erreichen.

Aus Chiang Mai Christian Mihatsch

Die US-Regierung gibt derzeit widersprüchliche Signale hinsichtlich des Verbleibs des Landes im Pariser Klimaabkommen. Am Sonntag sagte Außenminister Rex Tillerson: "Wir wollen produktiv sein. Wir wollen helfen." Einen Tag später sagte der Wirtschaftsberater von Präsident Donald Trump, Gary Cohn: "Wir werden aussteigen und haben das so klar gemacht wie möglich. Ich weiß nicht, wie man das noch klarer sagen könnte."

BildKaliforniens Gouverneur Jerry Brown (rechts) und John Silk, Außerminister der Marshallinseln, die gerade der "Under 2 Coalition" beigetreten sind. (Foto: gov.ca.gov)

Der Gouverneur von Kalifornien, der Demokrat Jerry Brown, kümmert sich derweil nur noch am Rande um den Zickzack-Kurs der Zentralregierung: "Es wäre besser, wir hätten den Präsidenten an Bord, aber er ist bei dem Thema momentan abwesend." Für Brown stärkt Trump gar die Klimabewegung: "Er beschleunigt die Gegenbewegung durch seine eigene Absurdität."

Diese Behauptung lässt sich mittlerweile sogar mit Zahlen untermauern. Bei der Klimawoche in New York wurde eine Studie vorgestellt, die die Klimaschutzmaßnahmen von Bundesstaaten, Städten und Unternehmen aufaddiert. Dabei zeigt sich, dass die USA so die Hälfte ihres Pariser Emissionsziels erreichen können.

Dort haben sich die USA dazu verpflichtet, bis zum Jahr 2025 die Emissionen um 26 bis 28 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005 zu senken. "Das zeigt, dass Klimaschutz nicht einzig von der Zentralregierung abhängt", sagt Helen Clarkson, Chefin der Umweltorganisation The Climate Group.

"US-Bundesstaaten, Städte und Firmen haben die Macht, den Rückzug aus dem Paris-Abkommen zu kompensieren", meint Clarkson. Dabei sei die Studie konservativ gerechnet, sagt Mitautor Niklas Höhne vom New Climate Institute, einem Forschungsinstitut mit Sitz in Berlin.

"Erstaunlicherweise gibt es mehr Gründe zu glauben, dass die Wirkung unterschätzt wurde als überschätzt", sagt Höhne. "Die Akteure, die in diesem Bericht repräsentiert sind, machen nur 44 Prozent der US-Emissionen aus. Aber es passiert viel mehr, das noch nicht berücksichtigt und quantifiziert wurde."

Boom der Selbstverpflichtungen

Berücksichtigt wurden die Selbstverpflichtungen von 22 US-Bundesstaaten, 54 Städten und 250 Firmen. Alle sind Mitglied in verschiedenen internationalen Initiativen sub-nationaler und nicht-staatlicher Akteure.

Weltweit haben folglich noch sehr viel mehr dieser Akteure ähnliche Selbstverpflichtungen abgegeben. So vereint etwa die Under 2 Coalition 187 Bundesstaaten und Städte aus aller Welt. Diese repräsentieren 1,2 Milliarden Menschen und 40 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Hier sind auch sechs deutsche Bundesländer und zwei Schweizer Kantone dabei.

Das Städtebündnis C40 hat mittlerweile mehr als 90 Mitglieder. Sie vereinen 650 Millionen Menschen und 25 Prozent der Weltwirtschaft auf sich. Von Amsterdam bis Warschau sind hier auch viele europäische Großstädte vertreten.

Die Wirtschaft ist derweil in der Koalition "We Mean Business" organisiert. Diese hat bis jetzt von 605 Firmen insgesamt 1.040 Selbstverpflichtungen eingesammelt.

Firmen können sich einer oder mehreren der folgenden Initiativen anschließen: Wer sich zu "wissenschaftsbasierten Zielen" bekennt, muss die Emissionen in seiner Lieferkette um 80 bis 95 Prozent bis zum Jahr 2050 senken, damit das Zwei-Grad-Ziel eingehalten werden kann.

"RE100" verpflichtet Firmen, nur noch erneuerbare Energien zu nutzen, und "EP100" zielt auf eine Verdopplung der Energieeffizienz ab. Am heutigen Dienstag wurde zudem eine neue Initiative vorgestellt: "EV100".

Wer hier Mitglied wird, verpflichtet sich, seinen ganzen Fuhrpark auf Elektroautos umzustellen. Ziel bei EV100 ist, die Verbreitung von electric vehicles "durch die kollektive Einkaufsmacht" zu fördern. Von Anfang an dabei sind zehn Großkonzerne wie Deutsche Post DHL und Metro.

BildBundesstaaten, Städte und Unternehmen werden beim Klimaschutz immer wichtiger. Die Aufnahme zeigt Los Angeles, Kaliforniens größte Metropole. (Foto: Guiseppe Milo/​Flickr)

Trotz dieser Zahlen warnt der kalifornische Gouverneur Jerry Brown vor Übermut: "Ich freue mich über all den Optimismus hier, aber die CO2-Emissionen der Wirtschaft auf Null zu bringen ist kein Kinderspiel, wenn sie so vollständig von Kohle, Öl und Gas abhängt. Das ist ziemlich respekteinflößend."

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