"Trump kann Erneuerbare nicht stoppen"

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Nach dem Paris-Ausstieg der USA müssen nun die anderen Länder in die Bresche springen, fordert der renommierte Klimaforscher Mojib Latif. Er setzt vor allem auf China, aber auch Deutschland sei gefragt. Hierzulande gehe es um einen schnellen Braunkohleausstieg, eine Verkehrswende und eine nachhaltigere Landwirtschaft.

Der Meteorologe Mojib Latif ist Professor an der Universität Kiel und leitet am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (Geomar) den Bereich Ozeanzirkulation und Klimadynamik.

klimaretter.info: Herr Professor Latif, was bedeutet US-Präsident Trumps Entscheidung für das Weltklima?

Mojib Latif:  Wenn der Ausstieg der USA aus dem Paris-Abkommen nur kurzfristiger Natur ist, dann betrifft es das Weltklima kaum. Das reagiert träge und vor allem auf die langfristige Strategie bei der Emissionsminderung. Insofern ist das Ziel von Paris, die Erderwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen, immer noch zu schaffen.

Kann der US-Präsident den Energiesektor denn tatsächlich ins fossile Zeitalter zurückdrehen, wie er es vorhat?

Nein. Es gibt auch den USA eine starke Entwicklung in die Richtung der erneuerbaren Energien. Mehrere Bundesstaaten haben ihr eigenes Klimaschutzprogramm. Diese Dynamik wird er nicht stoppen können.

Wieso regiert Trump gegen die klare Mehrheit der US-Bürger, die den Klimawandel als Realität ansieht, und große Teile der US-Wirtschaft, die pro Klimaschutz ist?

Er steht innenpolitisch unter Druck und muss "liefern". Er hat den Ausstieg aus dem Pariser Klimavertrag im Wahlkampf versprochen, und den vollzieht er nun. Klar ist aber, dass er sich gegen die Wissenschaft stellt, auch gegen die amerikanischen Wissenschaftler.

Eigentlich müssten die USA ihr CO2-Ziel sogar noch verschärfen, um im Zwei-Grad-Erwärmungslimit zu bleiben. Washington plant nun sogar das Gegenteil. Gibt es Chancen, das auszugleichen?

Durchaus. Die anderen Länder müssen jetzt in die Bresche springen. Das ist auch möglich ohne wirtschaftliche Verwerfungen. Und hier ist auch Deutschland gefragt, das beim Klimaschutz in den letzten Jahren nicht vorangekommen ist. Deutschland muss wieder Vorreiter werden. So muss die Braunkohle so schnell wie möglich aus dem Energiemix verschwinden. Außerdem muss es eine Verkehrswende geben, und die Landwirtschaft muss nachhaltiger werden.

Befürchten Sie einen Dominoeffekt? Werden andere Staaten ebenfalls den Trump machen?

Nein. Der amerikanische Präsident ist weltpolitisch isoliert. Das wird er noch zu spüren bekommen. Und die Bürgerinnen und Bürger in Amerika werden es bald mitbekommen, sodass er immer mehr an Zustimmung verlieren wird.

Bild Trump hin oder her – einige US-Bundesstaaten wie Kalifornien wollen den Ausbau der erneuerbaren Energien offenbar noch forcieren. (Foto: Thomas Kelsey/​​US Department of Energy/​Solar Decathlon)

Unter Trumps Vorgänger Barack Obama waren die USA zum Antreiber der internationalen Klimaverhandlungen geworden. Wer kann sie ersetzen?

Ich setze vor allem auf China, dem mit fast 30 Prozent Anteil größten Verursacher von Kohlendioxid. China hat sich beim Klimagipfel in Paris zusichern lassen, dass es den Höhepunkt seiner Emissionen erst 2030 erreichen darf. So wie es aussieht, ist der jetzt schon erreicht. China muss den Kohleverbrauch drastisch verringern, um die Probleme mit der Luftverschmutzung in den Griff zu bekommen. Die erneuerbaren Energien boomen in China. Und das Land setzt verstärkt auf die E-Mobilität.

Was glauben Sie, wie lange wird die Ära Trump andauern?

Höchstens eine Legislaturperiode. Die Amerikaner werden es sich nicht leisten können, in die Zukunft weisenden Entwicklungen hinterherzulaufen. Und sie werden begreifen, dass man Fakten nicht durch "alternative Fakten" ersetzen kann. Denn auch die USA leiden heute schon massiv unter den Folgen des Klimawandels. Ein Beispiel ist die Millionenstadt Miami, die bereits den Meeresspiegelanstieg spürt und jedes Jahr Millionen von Dollar aufwendet, um sich vor dem Wasser zu schützen.

Interview: Joachim Wille

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