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"Bewusstsein für Dringlichkeit schaffen"

BildZum ersten Mal übernimmt im November mit Fidschi ein kleiner Inselstaat die Leitung einer Klimakonferenz. Für die bedrohten Staaten sind die Verhandlungen eine Frage von Leben und Tod, erklärt Fidschis Botschafterin Nazhat Shameem Khan auf der Zwischenkonferenz in Bonn. Nicht nur wegen ihres Jura-Abschlusses wird Shameem Khan besonderes verhandlungstaktisches Talent zugeschrieben.

klimaretter.info: Frau Shameem Khan, Fidschi ist der erste unter den kleinen Inselstaaten, der eine Klimakonferenz ausrichtet. Was bedeutet das für Ihr Land?

Nazhat Shameem Khan: Als Inselstaaten sind wir sehr verwundbar. Und gerade weil wir so verwundbar sind und weil wir viele Erfahrungen mit den Folgen des Klimawandels haben, gibt das den Verhandlungen eine neue Art von Einsicht und Sensibilität für die Dringlichkeit des Themas und für die Umstände, unter denen die Menschen heute schon leiden. Mit unserem Wissen und unserer Erfahrung geben wir den Klimagesprächen ein neues Bewusstsein dafür, dass wir handeln müssen. Aber natürlich sind wir hier, um das Klimaproblem für die ganze Welt zu lösen.

Sie werden also den Druck erhöhen?

Für uns ist der Klimawandel eine Frage von Leben und Tod. Alle Parteien können sich darauf einstellen, dass wir alles tun werden, was in unserer Macht steht, um einen entscheidenden Fortschritt zur Erfüllung des Paris-Abkommens zu erzielen.

Wie bereiten Sie sich auf den Klimagipfel COP 23 im November vor?

Die nächsten zwei Wochen werden wir uns mit der marokkanischen Präsidentschaft beraten. Wir wollen verstehen, was die Länder von der Gestaltung des sogenannten "Facilitative Dialogue" erwarten – also mit welchem System die Anstrengungen der Länder im Klimaschutz gemessen und bewertet werden. Schon im nächsten Jahr wird ja eine erste Bilanz gezogen – wir haben nicht mehr viel Zeit. Außerdem verfolgen wir die Fortschritte bei der Umsetzung des Paris-Abkommens.

Was die kleinen Inselstaaten auf der Bonner Frühjahrskonferenz erreichen wollen, erläutert Chefverhandler Amjad Abdulla im Gespräch mit klimaretter.info. (Video: ​klimaretter.info/​Youtube)

Wissen Sie schon, welche Schwerpunkte Sie setzen wollen?

Erstmal sind wir noch dabei, zuzuhören. Wir wissen einfach noch nicht, wie eine Überprüfung der Fortschritte und Ziele in den Ländern genau aussehen wird. Die jetzigen Verhandlungen sind für uns als neue Präsidentschaft sehr wichtig, weil sie darüber entscheiden, was die 23. Klimakonferenz im November wirklich liefern wird.

Sie haben sich für eine neue große Allianz für den Klimaschutz ausgesprochen. Was ist damit gemeint?

Die neue COP-23-Präsidentschaft, die von unserem Premierminister Frank Bainimarama ausgefüllt wird, ruft zu einer großen Koalition von Regierungen, Zivilgesellschaft und auch dem privaten Sektor auf, um das Paris-Abkommen hochzuhalten und zu verteidigen. Die Regierungen müssen die Verhandlungen schnell voranbringen, aber wir brauchen auch Innovation und Visionen von staatlichen und lokalen Verwaltungen, Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen. Falls die Politik versagt und nicht die Führung übernimmt, dann müssen diese anderen Gruppen in der Lage sein, das Ruder zu übernehmen und den Klimaschutz voranzutreiben.

Kann die fidschianische Präsidentschaft die politische Agenda der kleinen Inselstaaten, die bei den Verhandlungen in der SIDS-Gruppe organisiert sind, voranbringen? 

Das ist eine wichtige Frage, und hier wollen wir klar Position beziehen: Fidschi wird die Leitung der COP 23 im Auftrag aller Parteien übernehmen – ohne eine bestimmte Staatengruppe zu bevorteilen. Diese Unvoreingenommenheit ist eine wichtige Voraussetzung für eine COP-Präsidentschaft, nur so lässt sich das Vertrauen aller Länder gewinnen. Wenn wir das Vertrauen verlieren, wird es unmöglich, wirklich ehrgeizige Fortschritte bei so wichtigen Themen wie der Überprüfung und Erhöhung der Klimaziele zu machen.

BildDie kleinen Inselstaaten – wie hier die Cookinseln im Südpazifik – sind besonders vom Anstieg des Meeresspiegels bedroht. (Foto: Google Earth; Porträtfoto Nazhat Shameem: Susanne Schwarz)

Interview: Susanne Götze und Susanne Schwarz

Alle BildTexte zur diesjährigen
vorbereitenden Frühjahrskonferenz
der Klimadiplomaten finden Sie in
unserem Dossier "Bonn Mai 2017"

 

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