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G20 | Trump | Effizienz

Klimafinanzierung fällt von der Agenda

Während sich Angela Merkel am Freitag in Washington zum ersten Mal mit dem Klimawandelleugner Donald Trump traf, kamen die Finanzminister der G20-Staaten in Baden-Baden zusammen. Erstmals dabei: Ex-Investmentbanker und US-Finanzminister Steven Mnuchin. Passen sich seine Amtskollegen an und schieben den Klimawandel beiseite?

Von Friederike Meier und Jörg Staude

Letztes Jahr hatten sich die Finanzchefs der 20 wirtschaftsstärksten Länder noch klimafreundlicher gezeigt. Im Abschlusspapier ihres Treffens vor dem G20-Gipfel im chinesischen Hangzhou forderten sie die Regierungen auf, das Pariser Klimaabkommen schnell zu ratifizieren, und betonten die Wichtigkeit von Klimageldern.

BildAuch Schwellenländer wie Pakistan sind immer stärker von den Folgen des Klimawandels betroffen. (Amjad Jamal/​UN Photo)

Außerdem begrüßten die Minister die Ergebnisse der "Studiengruppe ökologisches Finanzwesen", die sich damit befasst, wie Kriterien für grüne Finanzanlagen aussehen können. Die Gruppe war kurz zuvor unter der chinesischen Gipfelpräsidentschaft eingerichtet worden. Einige ihrer Vorschläge schafften es sogar in die G20-Abschlusserklärung.

In diesem Jahr haben also die Minister, die sich seit Freitag in Baden-Baden treffen, die Chance, diese Entwicklung fortzusetzen. Die Forderungen der erwähnten Studiengruppe wie auch der Arbeitsgruppe zur Transparenz finanzieller Klimarisiken, kurz TCFD, liefern ihnen dafür Steilvorlagen. Ob sie die Chance nutzen werden – da sind Zweifel angebracht.

Ein Indiz dafür ist der kürzliche Bericht der Wirtschafts-Agentur Bloomberg, dass die Finanzminister bei der Klimafinanzierung künftig vor allem auf den privaten Sektor setzten wollen. Entwicklungsbanken sollten dazu angehalten werden, private Mittel zu akquirieren, um die Ziele aus dem Paris-Abkommen zu erreichen. Von öffentlicher Klimafinanzierung ist eher nicht mehr die Rede. Der Gipfel selbst wird offenbar vor allem von der Sorge diktiert, die USA könnten dem Freihandel zumindest teilweise den Garaus machen.

Finanzmärkte sollen Paris-Vertrag einpreisen

WWF-Vizechef Christoph Heinrich hält das für kurzsichtig. Die Finanzminister und Notenbankchefs der G20 müssten dafür sorgen, dass bei Finanzierungen künftig auch Umweltrisiken ausreichend erfasst und berücksichtigt werden, fordert der Naturschutzvorstand der Stiftung in Deutschland. "Ein Schritt auf diesem Weg besteht darin, die Empfehlungen der TCFD-Arbeitsgruppe auch auf Ebene der Finanzmarktregulierer zu implementieren", sagt Heinrich. Außerdem solle die Forschungsgruppe zur sogenannten Green Finance ein fester Teil der G20 werden – über die deutsche Präsidentschaft hinaus.

Schon heute, mahnt Heinrich, gebe es Szenarien, die sich mit der Frage beschäftigen: Wie würde sich eine strikte Orientierung am Zwei-Grad-Limit zum Beispiel auf Unternehmenswerte und Investitionsportfolios auswirken? Diese Szenarien liefern wichtige Erkenntnisse, an denen sich die G20 orientieren können.

Für sinnvoll hält Heinrich auch die Einrichtung einer Wissens-Plattform, um die Herangehensweise an Risikoerfassung und Begrenzung der Wirkungswege zu entwickeln und zu koordinieren. "Für die Akzeptanz in Finanzmärkten brauchen wir eine breite Basis aus Politik, Unternehmen und Experten aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft – nur so kommen wir bei der Verknüpfung von Umweltrisiken, sozialen Risiken und finanzieller Stabilität voran", meint der Umweltschützer.

Kein Mut zum Umsteuern

Auch die Entwicklungsorganisation Oxfam warnt davor, dass die G20-Finanzminister ihrer Rolle bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens nicht gerecht werden. Die Pläne der deutschen G20-Präsidentschaft, etwa zu mehr Transparenz über Investitionsrisiken für fossile Energien oder preislichen Anreizsystemen zum Emissionsabbau, sind aus Sicht von Oxfam viel zu unbestimmt.

Immerhin finde sich, sagt die Organsation, im Entwurf des Abschlusskommuniqués der G20-Finanzminister derzeit noch das Ziel, den seit Jahren versprochenen Abbau fossiler Subventionen bis 2025 endlich anzupacken. Die 2025er Deadline soll allerdings arg in Bedrängnis sein. Als schwierige Länder gelten China, Indien, Saudi-Arabien und Russland.

BildMit jährlich hundert Milliarden Dollar sollen ab 2020 die ärmsten Länder bei Klimanpassung und Klimaschutz unterstützt werden – vor allem aus privaten Schatullen, wenn es nach dem Willen der G20-Finanzminister geht. (Foto: Ervins Strauhmanis/​Flickr)

Aus der Sicht von Jörn Kalinski von Oxfam Deutschland drücken sich die G20-Finanzminister vor ihrer Verantwortung bei der Erfüllung des Paris-Vertrags. Nach wie vor fehlten wirksame Schritte, um private Investitionen im großen Stil von den fossilen auf die erneuerbaren Energien umzuschichten. "Dazu fehlt den Ministern ganz offensichtlich der Mut", befindet Kalinski. Inzwischen bekenne sich die G20, anders als früher, auch an keiner Stelle mehr zu ihrer Verantwortung, die ärmsten Länder bei der Bewältigung des Klimawandels finanziell weiter zu unterstützen.

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