Trump: Vom Regen in die Traufe

Bei Donald Trump und seiner Tochter Ivanka geben sich Klimaschützer die Klinke in die Hand. Nach Al Gore war gestern Leonardo DiCaprio zu Gast im Trump Tower und warb für erneuerbare Energien. Die Personalentscheidungen des gewählten Präsidenten sprechen aber eine andere Sprache: Chef der Umweltbehörde EPA soll nun nicht der Klimaleugner Myron Ebell werden, sondern der Klimaleugner und Fossilvertreter Scott Pruitt.

Von Verena Kern

Seit seiner Wahl zum US-Präsidenten vor einem Monat hat Donald Trump einige seiner radikalsten Wahlversprechen relativiert: Hillary Clinton, heißt es nun, soll doch nicht vor Gericht gestellt werden, an der Grenze zu Mexiko würde es statt einer Mauer auch ein Zaun tun, und der Klimawandel könnte, nun ja, vielleicht doch nicht bloß "Bullshit" sein.

BildScott Pruitt, Jahrgang 1968, ist Jurist. Seit 2011 bekleidet der Republikaner das Amt des Generalstaatsanwalts in Oklahoma. (Foto: Gage Skidmore/Flickr)

Nun hat Trumps Tochter Ivanka auch noch eine Art "Klimaoffensive" gestartet. Kürzlich sorgte sie für ein Treffen ihres Vaters mit Al Gore. Der ehemalige US-Vizepräsident und spätere Friedensnobelpreisträger zählt zu den prominentesten Klimaschützern der USA. Gestern war dann auch Leonardo DiCaprio zu Gast im New Yorker Trump Tower. Der Hollywood-Star ist UN-Friedensbotschafter. Mit seiner Stiftung setzt er sich für Umwelt- und Klimaschutz ein, vor deren Folgen er kurz vor den US-Wahlen mit dem Dokumentarfilm "Before the Flood" warnte.

Beim Treffen mit Trump warb DiCaprio für den Ausbau der erneuerbaren Energien. Als Joker präsentierte er ein Argument, das auch für Trump Gewicht haben müsste: Mit den sauberen Technologien von Wind, Sonne und Co ließen sich "Millionen von Jobs" schaffen. Das sei gut für die US-amerikanische Wirtschaft. Wie Trump darauf reagiert hat, ist bislang nicht bekannt.

Dass Trump sich überhaupt mit Klimaschützern trifft, könnte ein positives Zeichen sein, meinen viele Beobachter. Womöglich, so ihre Hoffnung, wird Trump als Präsident eine maßvollere Politik machen, als er es im Wahlkampf angekündigt hat.

Mit Taten gegen Klimaschutz

Seine Personalentscheidungen sprechen eine andere Sprache. Bei der Auswahl seiner Mannschaft bevorzugt Trump bislang eindeutig Vertreter der Fossilindustrie. Sein Energieberater Kevin Cramer, der als Schlüsselfigur gilt, hält Befürchtungen über die Folgen des Klimawandels für "stark übertrieben".

Und nur Stunden vor dem Treffen mit DiCaprio verkündete Trump, wen er sich nun tatsächlich als Chef der Umweltbehörde EPA ausgesucht hat. Nicht Myron Ebell soll es werden, wie es wenige Tage nach den Wahlen noch hieß. Das Rennen gemacht hat Scott Pruitt, Generalstaatsanwalt von Oklahoma. Pruitt ist genauso wie Ebell als Klimaleugner bekannt.

Eine noch schlechtere Wahl für den Umweltschutz hätte Donald Trump nicht treffen können, kommentiert die New York Times. Der 48-jährige Pruitt habe jahrelang gegen die Behörde gekämpft, die er nun leiten solle. Genau genommen sei Pruitt schlimmer als Ebell. Ebell bekämpfe den Klimaschutz mit Worten, Pruitt hingegen gehe noch weiter und lasse der Rhetorik auch Taten folgen, argumentiert das Blatt.

Pruitt gehört zu den Generalstaatsanwälten, die gegen Obamas "Clean Power Plan" geklagt hatten. Seit Anfang des Jahres liegt der Plan, mit dem die Kraftwerksemissionen des Landes bis 2030 um 32 Prozent gesenkt werden sollen, auf Eis. Auch in anderen Fällen strengte Pruitt Klagen gegen die EPA an, um Bestimmungen zur Luftreinhaltung und Smogbekämpfung zu verhindern.

BildTrump Tower, 5th Avenue, New York City: Hier hält der President-elect Hof, bisweilen auch mit Tochter Ivanka. (Foto: Rodrigo Paredes/Flickr)

Zur Fossilindustrie unterhält Pruitt enge Beziehungen. Berichten zufolge hat er seit 2002 aus der Branche mehr als 300.000 US-Dollar erhalten. Was den Klimawandel betrifft, behauptet Pruitt, es gebe keinen wissenschaftlichen Konsens. Das ist definitiv nicht zutreffend.

Pruitt muss vom Senat als EPA-Chef bestätigt werden. "Falls dem Senat das Gemeinwohl am Herzen liegt, muss er diese Nominierung in die Mülltonne werfen", schreibt die New York Times.

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