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Welt erspart dem Klima ein halbes Grad

Das Klima drohte ins Ozonloch zu fallen, doch die FCKWs sind passé. Allerdings sind die als Alternative verwendeten FKWs starke Treibhausgase. Diese Gefahr ist nun abgewendet: Auch diese Klasse von Kühlmitteln wird weitgehend abgeschafft. Um alle Länder mit an Bord zu haben, musste die Welt aber dreigeteilt werden.

 Aus Chiang Mai (Thailand) Christian Mihatsch

Das Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht gilt als das erfolgreichste Umweltabkommen der Welt. Es hat nicht nur dafür gesorgt, dass sich das Ozonloch wieder schließt, es hat auch den Ausstoß von vielen Milliarden Tonnen Treibhausgasen verhindert. Doch der Nutzen fürs Klima ist in Gefahr, denn die ozonschädigenden Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKWs) werden immer häufiger durch Fluorkohlenwasserstoffe (FKWs) ersetzt.

BildEtliche Klimaanlagen kommen nicht ohne klimaschädliche FKWs aus. (Foto: Nick Reimer)

Die FKWs sind für die Ozonschicht ungefährlich, dafür haben sie pro Molekül eine bis zu 23.000-mal stärkere Treibhauswirkung als CO2. Außerdem sind sie die am schnellsten wachsende Klasse von Treibhausgasen, mit Wachstumsraten von zehn bis 15 Prozent pro Jahr. Kurz: Die als Kühlmittel in Eisschränken und Klimaanlagen eingesetzten FKWs drohten ironischerweise die Klimaerwärmung erst recht zu befeuern.

Doch am Samstagmorgen haben sich die Länder der Welt in der ruandischen Hauptstadt Kigali darauf geeinigt, den FKW-Verbrauch zu reduzieren. "Das ist ein riesiger Gewinn für das Klima", sagt im Anschluss EU-Klimakommissar Miguel Arias Cañete. "Die stufenweise weltweite Verringerung der FKW-Emissionen könnte die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts um ein halbes Grad reduzieren."

US-Außenminister John Kerry pflichtet ihm bei: "Man hat nicht oft die Chance, mit einer einzigen Maßnahme ein halbes Grad zu verhindern." Durch das Abkommen werden bis zur Mitte des Jahrhunderts 70 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent vermieden. Das entspricht den globalen Treibhausgas-Emissionen von zwei Jahren.

Den Durchbruch bei den Verhandlungen brachte eine Dreiteilung der Welt. Die Industriestaaten müssen ihre FKW-Emissionen bis 2019 um zehn Prozent und bis 2036 um 85 Prozent reduzieren. Die EU und die USA haben damit bereits dieses Jahr begonnen. China und fast alle anderen Entwicklungsländer beginnen mit der Emissionsreduktion im Jahr 2024 und haben bis 2045 Zeit, die 85 Prozent zu schaffen. Und dann gibt es eine Gruppe von Nachzüglern bestehend aus Indien, Pakistan, Iran, Irak und den Golfstaaten. Diese beginnen mit der Reduktion des FKW-Verbrauchs im Jahr 2028 und kommen erst im Jahr 2047 auf die 85-prozentige Reduktion.

Auch ein Sprung bei der Energieeffizienz

Benson Ireri von der Hilfsorganisation Christian Aid kritisiert dafür Indien: "Es ist eine Schande, dass Indien und eine Handvoll anderer Länder einen langsameren Zeitplan gewählt haben. Aber der Großteil der Länder inklusive China haben die Vorteile einer schnelleren Reduktion erkannt." Viele Beobachter hoffen zudem, dass die Länder die Reduktionsziele schneller erreichen als geplant. Das war auch mit dem Abbau der ozonschädigenden Substanzen wie FCKW gelungen. "Das Markenzeichen des Montreal-Protokolls ist 'anfangen und dann stärker werden'", sagt David Doniger von der US-Umweltorganisation NRDC.

Auch der ruandische Präsident Paul Kagame erwartet schnellere Fortschritte: "Im Laufe der Zeit werden es Innovationen und neue Produkte erlauben, die FKWs schneller und billiger zu reduzieren. Je schneller wir handeln, desto niedriger werden die Kosten sein." Getragen werden die Zusatzkosten für den Einsatz teurerer FKW-Ersatzstoffe durch den "Multilateralen Fonds", der von den Industriestaaten gespeist wird. Wie hoch diese Kosten sein werden, lässt sich allerdings noch nicht abschätzen.

BildDie UN-Staaten konnten sich nur auf eine Reduktion des FKW-Einsatzes einigen, weil einigen Ländern lange Übergangsfristen eingeräumt wurden. (Foto: Schulze von Glaßer)

Der Einsatz moderner Kühlmittel verspricht aber auch Einsparungen, sagt Ireri: "Neue Kühltechnologien sind sehr viel energieeffizienter." Dadurch sinkt der Strombedarf, was im Fall von Kohlestrom zu einer weiteren Entlastung des Klimas beiträgt. Dieser Effekt ist beachtlich, schätzt Durwood Zaelke vom Institute for Governance and Sustainable Development, einem US-Thinktank. "Das Kigali-Abkommen und seine Finanzierung sorgen dafür, dass sich die Effizienzvorteile beim Wechsel der Kühltechnik maximieren. Das könnte die Klimawirkung des Abkommens verdoppeln."

[Erklärung]  
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