"Trump gibt den Klimaskeptiker aus Kalkül"

BildDonald Trump hat durchaus eine Chance, Präsident zu werden, glaubt der USA-Experte Sascha Müller-Kraenner von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Mit seinen Äußerungen zur Energiepolitik wolle er vor allem Wählerstimmen sammeln, ein echtes Konzept habe er nicht. Er könne weder einen neuen Fossil-Boom schaffen noch aus dem Paris-Vertrag aussteigen.

Müller-Kraenner ist Ko-Bundes­geschäfts­führer der DUH. Der Biologe war vorher für große Umweltverbände und die Heinrich-Böll-Stiftung tätig. Bei der DUH ist er für Energie und Klima, Naturschutz und Kommunales verantwortlich. Er arbeitete viele Jahre in Washington und verfolgt die US-Politik intensiv. 

klimaretter.info: Herr Müller-Kraenner, der Immobilien-Milliardär Donald Trump ist nun Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner. Wie groß sind seine Chancen, ins Weiße Haus einzuziehen?

Sascha Müller-Kraenner: Er hat durchaus eine Außenseiter-Chance. Seine Gegenkandidatin Hillary Clinton ist bei den Bürgern auch unbeliebt. Zudem gibt es ähnlich wie in England beim Brexit eine über Jahre aufgestaute Anti-Eliten- und Anti-Globalisierungs-Stimmung, die Trump jetzt mobilisiert. Und er setzt erfolgreich auf das Thema innere und äußere Sicherheit, das vor allem seit den Polizistenmorden absolut dominant ist. Man muss Trump ernst nehmen.

Trump malt ein übertrieben apokalyptisches Bild der Zustände in den USA. Eines der Probleme, den Klimawandel, leugnet er allerdings, der sei von den Chinesen erfunden. Wie passt das zusammen?

Er greift die Hauptsorgen der weißen Mittelklasse auf, die von Verlustängsten geplagt ist. Da geht es um Sicherheit, Jobs, Verlust traditioneller Rollenbilder. Der Klimawandel gehört nicht dazu. Zudem ist die Klientel, die er anspricht, eher klimaskeptisch. Widerspruchsfrei ist die Trump-Kampagne ohnehin nicht. Er hat ja kein Programm im klassischen Sinn.

Der Kandidat will die USA vor allem mit heimischen fossilen Energien – mehr Kohle-, Öl- und Gasförderung – von Importen unabhängig machen und so viele neue Jobs schaffen. Kann das funktionieren?

Trump alleine kann keinen neuen Kohleboom erzeugen. Der Kohle-Weltmarkt ist wegen des sinkenden Bedarfs übersättigt, die Preise sind im Keller, neue Gruben aufzumachen lohnt sich nicht. Das Ziel von Trumps Äußerungen ist hier, in Kohlestaaten wie West-Virginia und Kentucky Wähler zu mobilisieren.

BildDonald Trump macht Wahlkampf für Kohlekumpel und Ölarbeiter, ein wirkliches energiepolitisches Programm hat er nicht, sagt Sascha Müller-Kraenner. (Foto: Screenshot/AFP/Youtube)

Das in den USA erfolgreiche Fracking für Erdgas und Erdöl will er noch ausbauen. Aber auch hier wird es schwierig, da Fracking sich bei den aktuell niedrigen Öl- und Gaspreisen kaum mehr lohnt. Mitspielen dürfte, dass eine Reihe Fracking-Firmen Trumps Kampagne unterstützt.

Die USA sind seit ein paar Jahren auf Klimaschutz-Kurs. Der CO2-Ausstoß sinkt. Würde ein Präsident Trump das zurückdrehen?

Das ist unklar, denn mangels klarem Programm weiß man nicht, was er tatsächlich tun würde. Er sagt, Umweltschutz sei wichtig, aber er meint eher klassische Themen wie saubere Luft oder sauberes Wasser. Im Energiebereich heißt das Stichwort neben Nationalisierung vor allem Deregulierung. Alle Anbieter – auch die von Atomkraft, Solarenergie oder Windkraft – sollen ungehindert ihre Geschäfte machen können.

Trump hat erklärt, den Pariser Weltklimavertrag zu annullieren. "Ausländische Bürokraten" dürften nicht bestimmen, wie viel Energie die Amerikaner verbrauchen dürfen. Kann er so einfach aussteigen?

Nein. Das Paris-Abkommen tritt in Kraft, wenn es 55 Staaten mit mindestens 55 Prozent des globalen Treibhausgas-Ausstoßes ratifiziert haben. Es kann sein, dass das gelingt, bevor Barack Obama aus dem Amt ausscheidet. Wenn ein Land dann aussteigen will, dauert das nach den Bestimmungen im Vertrag vier Jahre. Das heißt: Ein Nachfolger eines Präsidenten Trump könnte den Austritt wieder rückgängig machen.

Interview: Joachim Wille

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