IWF fordert weltweite CO₂-Steuer

Nur wenn der Treibhausgasausstoß einen Preis bekommt, kann das Pariser Klimaabkommen ein Erfolg werden, heißt es in einer Studie des Internationalen Währungsfonds. Auch der Druck für eine Reform des EU-Emissionshandels wächst.

Von Benjamin von Brackel

Ohne einen weltweiten CO2-Preis lassen sich die Ziele im Pariser Weltklimaabkommen nicht erreichen. Das sagt der Internationale Währungsfonds (IWF) in einer aktuellen Studie. Haushalte und Unternehmen müssten in vielen Ländern bisher nichts dafür zahlen, dass sie das Klima schädigen. Das sei eine versteckte Subvention, die abgeschafft gehöre.

BildIWF-Chefin Christine Lagarde macht sich seit langem stark für eine weltweite CO2-Steuer. (Foto: MEDEF/​Wikimedia Commons)

Im Dezember hatten sich 195 Länder in Paris auf ein Weltklimaabkommen geeinigt, das zum Ziel hat, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad, höchstens zwei Grad zu begrenzen. Ohne einen Preis für CO2 sei das kaum zu machen, so die IWF-Studie. Das können Steuern sein wie in Chile oder aber ein Emissionshandel wie in Europa – der allerdings derzeit kaum Signale für mehr Klimaschutz setzt, da die Preise für die CO2-Zertifikate im Keller sind. "Die Herausforderung liegt darin, die passenden Preis-Pfade zu finden, und mit Nebeneffekten für arme Haushalte und kleinen Firmen umzugehen", heißt es im Bericht.

Allerdings hatte sich IWF-Chefin Christine Lagarde in der Vergangenheit klar für CO2-Steuern ausgesprochen. Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch begrüßt das. "Die immensen Probleme mit dem viel zu niedrigen CO2-Preissignal im unterambitionierten EU-Emissionshandel zeigen, dass Steuern die oft bessere Alternative sind", sagt Oldag Caspar, bei Germanwatch zuständig für deutsche und EU-Klimapolitik.

Neue Debatte um Emissionshandels-Reform

Bislang plant die EU-Kommission eine sogenannte Marktstabilitätsreserve ab dem Jahr 2021. Wie bei einer "Zentralbank fürs Klima" werden dabei die Auktionen neuer CO2-Zertifikate ausgesetzt, wenn es wie derzeit zu viele Emissionsrechte gibt. Schlägt das Pendel um, kommen die Zertifikate wieder in den Handel. Caspar hält das für unzureichend und begrüßt, dass die IWF-Studie die Einführung von Preisunter- und Obergrenzen, aber auch die Versteigerung der Emissionszertifikate fordert.

Zwar rechnet der Klimaexperte nicht damit, dass die EU-Kommission ihren derzeitigen Vorschlag abändert – und damit Fehler eingesteht. Aber nach der Einigung über das Paris-Abkommen sei es durchaus wahrscheinlich, dass das Europäische Parlament und einzelne EU-Länder Gegenvorschläge für eine Reform ab 2021 unterbreiten und den Druck auf die Kommission erhöhen. "Die IWF-Studie ist ein wichtiges Signal für solch eine Dynamik", sagt Caspar.

Im Paris-Abkommen selbst spielt ein weltweiter CO2-Preis keine Rolle. Inzwischen hat sich aber eine breite Allianz gebildet, welche die Idee unterstützt. Dazu gehören die Weltbank, die britische Staatsbank und über 70 Länder, aber auch Mineralöl-, Energie- und Flugverkehrskonzerne.

BildDer IWF-Bericht warnt auch vor dem Platzen einer CO2-Blase und fordert einen "Klima-Stresstest". (Foto: Karsten Smid/Greenpeace)

Der IWF-Bericht fordert außerdem die Einführung von sogenannten Klima-Stresstests. Das heißt, die Finanzmärkte sollen darauf abgeklopft werden, welche Klimawandel-Risiken sie in ihrem Wertpapierbestand haben. Aktien der Kohle-, Öl- und Gasförderung könnten heillos überbewertet sein, weil ein Großteil der fossilen Reserven, die zum Schutze des Klimas im Boden bleiben müssen, mit in den Bilanzen der Energieunternehmen eingepreist sind. Es droht die Gefahr des Platzens einer Kohlenstoffblase, ähnlich der Immobilienblase. Während des Pariser Gipfels im Dezember hatte der frühere Bürgermeister Michael Bloomberg den Vorsitz einer Taskforce übernommen, die börsennotierten Unternehmen helfen soll, solche klimabezogenen Risiken offenzulegen.

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