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Germanwatch: Energiewende hat begonnen

Stagnierende Emissionen, der stetig voranschreitende Ausbau der Erneuerbaren und die rückläufige Verstromung von Kohle – für den Thinktank Germanwatch sind das erste Anzeichen für einen Umbruch in der globalen Energiepolitik. Die Erderwärmung kann noch auf zwei Grad begrenzt werden, wenn die Politik diese Entwicklungen verstärkt.

Aus Frankfurt am Main Joachim Wille

Gute Nachrichten fürs Klima: Die Basis für eine positive Trendwende in der internationalen Energie- und damit auch der Klimapolitik ist gelegt. Das zeigt eine Studie der Umwelt -und Entwicklungsorganisation Germanwatch. Danach gibt es durchaus noch die Chance, das Zwei-Grad-Limit der Erderwärmung einzuhalten. Es wäre also verfrüht, den Pariser Klimagipfel im Dezember schon abzuschreiben. Die Konferenz, auf der ein Kyoto-Nachfolgeprotokoll beschlossen werden soll, muss kein Flop werden wie der Kopenhagen-Gipfel 2009, der bei dieser Aufgabe kläglich versagte.

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Unschlagbar: Die Kosten für die Erzeugung von Strom aus Solaranlagen sinken seit Jahren. (Foto: Eva Mahnke)

Die Germanwatch-Analyse dokumentiert rasante Veränderungen in drei wichtigen Feldern – bei den Emissionen, den erneuerbaren Energien und der Kohlenutzung. Sie zusammen könnten dazu führen, dass der globale Treibhausgas-Ausstoß bereits bis 2020 sein Maximum erreicht und danach deutlich sinkt. Um das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten, müssen die globalen Emissionen bis 2050 um mindestens 50 Prozent und in den Industrieländern um 80 bis 95 Prozent (gegenüber 1990) gemindert werden.

Auffällig ist, dass der zuletzt starke Anstieg des CO2-Ausstoßes sich seit 2012 abgeflacht hat. Im Jahr 2014 stagnierten die energiebedingten Emissionen zum ersten Mal trotz wachsender Weltwirtschaft; die Wirtschaftsleistung stieg damals um drei Prozent. Anno 2009 war der Ausstoß zwar sogar einmal zurückgegangen – allerdings infolge der Lehman-Krise, die die Ökonomien einbrechen ließ. Germanwatch-Experte Jan Burck warnt jedoch, dass die derzeit sehr niedrigen Ölpreise die Emissionen wieder hochtreiben könnten. "Von den Regierungen brauchen wir ein klares Signal, dass vier Fünftel der Reserven an Kohle, Öl und Gas unter der Erde bleiben müssen. Die positiven Entwicklungen machen das möglich – wenn der politische Wille da ist." Das sei ein wichtiges Ziel der Paris-Konferenz.

Sinkende Kosten beschleunigen Solar-Zubau

Weiter verweist Germanwatch darauf, dass die Kosten der Öko-Energien in den letzten Jahren stärker gefallen sind als erwartet, besonders die von Solarstrom. "In einigen Regionen sind sie gegenüber fossilen Energien bereits wettbewerbsfähig oder auf dem besten Weg dazu." Die gesunkenen Kosten – vor allem dank Förderprogrammen in Deutschland und zeitweise in Spanien sowie billiger Massenproduktion in China – beschleunigen den Zubau von Öko-Kraftwerken. Letztere machten 2013 mehr als die Hälfte der neu gebauten Kapazitäten aus, nämlich 56 Prozent. Dieser Boom betrifft auch die Schwellen- und Entwicklungsländer; bereits die Hälfte der Investitionen wird inzwischen hier getätigt.

Dritter Trend: Germanwatch sieht Anzeichen dafür, dass der Boom der Kohlenutzung vorbei ist. Seit 2010 sei "weltweit nur jedes dritte geplante Kohlekraftwerk gebaut und der Rest auf Eis gelegt oder komplett gestoppt worden." Im Kohleland Nummer eins, China, sowie in den USA gehe die Kohleverstromung zurück. Viele große Investoren bremsen in der Tat derzeit die Finanzierung von Kohleprojekten. Jüngstes spektakuläres Beispiel: Norwegens Parlament wird den milliardenschweren staatlicher Pensionsfonds anweisen, nicht mehr in die Kohleindustrie zu investieren.

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Licht am Horizont: Das Einhalten des Zwei-Grad-Limits ist – auch aufgrund von Umbrüchen in der globalen Energiepolitik – noch immer möglich. (Foto: Reimer)

Burck sagt allerdings: "Die positiven Tendenzen bedeuten nicht, dass die notwendige Politikwende schon da ist." Es sei die Aufgabe der Regierungen dieser Welt – auf nationaler Ebene ebenso wie jetzt beim G7-Gipfel in Elmau und beim Klimagipfel in Paris – aus den positiven Signalen einen stabilen, sich selbst beschleunigenden Trend zu machen.

[Erklärung]  
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