Schwerpunkte

G20 | Trump | Effizienz

Historischer Durchbruch für Klimaschutz

Bislang haben die USA und China den Klimaschutz gelähmt, weil sie nicht bereit waren, vor dem jeweils anderen ihre Emissionen zu reduzieren. Doch nach monatelangen Geheimverhandlungen ist nun der Durchbruch gelungen. Wie bei einem Abrüstungsvertrag im Kalten Krieg haben sich die beiden Länder darauf geeinigt, parallel Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen.

Aus Bangkok Christian Mihatsch

China und die USA verursachen 40 Prozent der globalen CO2-Emissionen. Ohne eine Reduktion dieser Emissionen lässt sich die globale Klimaerwärmung nicht auf zwei Grad begrenzen. Bei einem Treffen von US-Präsident Barack Obama und Chinas Präsident Xi Jinping haben beide Länder nun Maßnahmen zur Reduktion ihrer Emissionen verabredet. Das war bislang unmöglich. 

Bild
Nach Europa legen nun die USA und China ihre Zahlen zur Emissionssenkung vor. (Foto: Progress Ohio/​Flickr)

Denn China bestand auf seinem Status als Entwicklungsland und weigerte sich bei den UN-Klimaverhandlungen verbindlichen Emissionszielen zuzustimmen. Umgekehrt lehnten die USA ein Klimaabkommen ab, das nur die Industriestaaten zwingt, ihre Emissionen zu senken. Für viele Beobachter galt daher ein bilaterales Klimaabkommen zwischen den USA und China als Voraussetzung für den neuen Weltklimavertrag, der nächstes Jahr in Paris verabschiedet werden soll.

Die USA haben angekündigt, bis 2025 ihre Emissionen um 26 bis 28 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005 zu reduzieren. Das bisherige US-Klimaziel war eine Reduktion der Treibhausgas-Emissionen um 17 Prozent bis 2020. Damit verdoppeln die USA die Geschwindigkeit, mit der sie ihre Emissionen senken wollen: Während die Emissionen in den Jahren 2005 bis 2020 um 1,2 Prozent pro Jahr zurückgehen, sollen sie in den Jahren 2020 bis 2025 um 2,3 bis 2,8 Prozent sinken.

Nach Angaben eines US-Vertreters kann das ohne neue Gesetze erreicht werden. Das ist wichtig, weil nach den Wahlen in der vergangenen Woche die Republikaner beide Kammern des US-Parlaments dominieren und die meisten Republikaner Klimaschutzmaßnahmen ablehnen. Der republikanische US-Senator Mitch McConnell ließ deshalb auch umgehend wissen: "Unsere Wirtschaft kann den ideologischen Krieg des Präsidenten gegen die Kohle nicht verkraften."

US-Regierung lobt Chinas Ziele: "Bemerkenswert"

China hat sich im Gegenzug dazu verpflichtet, dass seine Emissionen spätestens im Jahr 2030 ihren absoluten Höhepunkt erreichen und anschließend sinken werden. Bislang war China nur bereit, die CO2-Intensität der chinesischen Wirtschaft zu reduzieren, also die Emissionen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt. Bei einem Wirtschaftswachstum wie derzeit von rund sieben Prozent hätte das aber bedeutet, dass die chinesischen Emissionen in absoluten Zahlen trotzdem weiter ansteigen.

Außerdem will China bis 2030 den Anteil der CO2-freien Energieträger auf 20 Prozent erhöhen. "Das verpflichtet China, zusätzliche 800 bis 1.000 Gigawatt an Atom-, Wind- und Solarenergie zu installieren", teilt die US-Regierung mit. "Das ist mehr als alle Kohlekraftwerke, die heute in China existieren, und entspricht beinahe der gesamten Stromerzeugungskapazität in den USA."

Der Klimawissenschaftler Tao Wang vom Tsinghua-Carnegie-Center für Weltpolitik in Peking ist anders als die US-Amerikaner nicht beeindruckt. Die 20 Prozent bis 2030 seien "keine hohe Zahl", findet er. "China plant 15 Prozent bis 2020. Das neue Ziel entspricht als nur fünf zusätzlichen Prozentpunkten innerhalb von zehn Jahren. Wegen des schnellen Ausbaus der Erneuerbaren sollte das Ziel höher liegen."

Auch vielen Umweltorganisationen sind die neuen Ziele der USA und Chinas nicht anspruchsvoll genug, dennoch betonen sie deren Bedeutung für die Klimaverhandlungen: "Auch wenn die Ziele nicht so ehrgeizig sind, wie viele gehofft haben, so sind es doch ernsthafte Verpflichtungen der beiden größten Emittenten der Welt", sagt Bob Perciasepe vom Zentrum für Klima- und Energielösungen, einer US-Denkfabrik. "Das wird helfen, andere Länder an Bord zu holen, und verbessert die Chancen für ein solides Klimaabkommen nächstes Jahr in Paris."

Bild
China und die USA haben sich auf eine parallele Senkung ihrer Treibhausgas-Emissionen geeinigt. Die Zahlen bei dieser Klimaschützer-Aktion sind aus dem Jahr 2004, inzwischen hat der Durchschnittschinese seine CO2-Emissionen etwa verdoppelt. (Foto: AP Photo/​Pablo Martinez Monsivais/​Flickr)

Genau das ist auch das erklärte Ziel von Obama und Xi: "Es war uns wichtig, es früh zu machen und ein gutes Beispiel zu setzen", sagte ein US-Vertreter über das bilaterale Abkommen. Nachdem die EU bereits im Oktober angekündigt hat, die Emissionen bis 2030 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren, haben nun die drei größten CO2-Emittenten ihre Klimaziele für die Zeit nach 2020 bekannt gegeben. Damit haben die drei größten Wirtschaftsmächte der Welt eine erfolgversprechende Ausgangslage für die diesjährigen Klimaverhandlungen im Dezember in der pruanischen Hauptstadt Lima geschaffen.

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen