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Ammoniak soll reduziert werden

Seit Jahren sind die Werte von Ammoniak in der Luft und im Boden unverändert hoch. Nicht einmal die Grenzwerte werden eingehalten. Nach den Plänen von Umweltbundesamts-Chefin Maria Krautzberger sollen die Ammoniak-Emissionen in den nächsten zehn Jahren um 20 Prozent sinken.

Aus Berlin Sandra Kirchner

Die Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA) Maria Krautzberger will die Qualität der Luft in Deutschland verbessern. Während die Emissionen von "klassischen" Schadstoffen wie Feinstaub und Stickstoffoxiden in den vergangenen Jahren gesunken sind, ist der Ausstoß von Ammoniak kaum rückläufig. Deshalb will Krautzberger die Landwirtschaft verpflichten, weniger Ammoniak freizusetzen, wie sie bei der Vorstellung des UBA-Jahresberichts am Dienstag in Berlin klarmachte.

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Die Chefin vom Umweltbundesamt, Maria Krautzberger (li.) mit ihrer Chefin der Bundesumweltminsterin Barbara Hendricks am Dienstag in der Bundespressekonferenz. (Foto: Sandra Kirchner)

"Im ländlichen Raum erreichen wir beim Ammoniak fast nie die Grenzwerte im Jahresdurchschnitt", sagte Krautzberger in Berlin. Von der Mär von der guten Luft auf dem Land will Krautzberger zwar nicht sprechen, aber dennoch sieht die UBA-Chefin Handlungsbedarf. Größter Emittent des schädlichen Ammoniaks ist die Landwirtschaft. Die gasförmige Verbindung entsteht, wenn Harnstoff oder Eiweiß in den Exkrementen von Nutztieren zersetzt werden. 95 Prozent des Ammoniakausstoßes in Deutschland entstehen durch Tierhaltung oder wenn Bauern Gülle auf den Äckern ausbringen.

Ammoniak gilt als indirektes Treibhausgas, das die Bildung von klimawirksamen Gasen und von Feinstaub fördert. Unter bestimmten Voraussetzungen wird beispielsweise der im Ammoniak enthaltene Stickstoff im Boden zu extrem klimaschädlichem Lachgas umgewandelt. Die Treibhauswirksamkeit von Lachgas ist 298-mal so groß wie die von Kohlendioxid.

Gülle soll sofort in den Boden

Deshalb will Krautzberger europaweite Standards für die Intensivtierhaltung vorgeben. Künftig sollen Landwirtschaftsbetriebe Filtersysteme einsetzen, die das klimaschädliche Gas abfangen. "Vor allem die Emissionen von Schweine- und Geflügelhaltung wollen wir senken", sagte Krautzberger. Allerdings entsteht mehr als die Hälfte des Ammoniaks in der Landwirtschaft durch Rinderhaltung.

"Die Rinderhaltung ist für rund die Hälfte der Ammoniak-Emissionen verantwortlich", bestätigt auch Jakob Frommer, Experte für Luftreinhaltung am UBA. "Anders als bei der Schweinemast und zum Teil auch bei der Geflügelhaltung entsteht das Gros der Emissionen in der Rinderhaltung bei der Lagerung und Ausbringung der Gülle." Bei der Schweine- und Geflügelhaltung entstehen die meisten Emissionen dagegen direkt im Stall. Durch gezielte Fütterung und bauliche Veränderungen könnten sie leicht gesenkt werden.

Die größere Quelle für Ammoniak: wenn Bauern Gülle auf Äckern einbringen. Deshalb ist die Ammoniakbelastung zu Beginn des Frühjahrs und im Herbst nach der Ernste am höchsten. Die Bauern verwenden unterschiedliche Verfahren, von denen einige sich ungünstig auf die Umwelt auswirken. Statt breitflächiger Verteilung über Teller sollen die Landwirte auf bewährte und emissionsärmere Methoden wie Schleppschläuche oder Gülleschlitze zurückgreifen, da der Dünger dabei bodennah ausgebracht und schneller von der Erde aufgenommen wird. "Außerdem sollte die Gülle sofort in den Boden eingearbeitet werden", sagte Krautzberger. Auch unmittelbar bevorstehende Niederschläge helfen dabei, dass die Gülle schneller in den Boden gelangt.

Dafür soll die Düngeverordnung verschärft werden. Die Verordnung macht Vorgaben für eine gute fachliche Praxis bei der Düngung. Künftig soll Dünger nur emissionsarm ausgebracht werden dürfen. Das reduziert Verluste und erhöht somit die Stickstoffeffizienz.

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Wird die Gülle großflächig verteilt – wie hier im Bild –, entsteht zu viel Ammoniak. (Foto: Ra Boe/ Wikimedia Commons)

Mit diesen Vorschlägen will das UBA den Ausstoß von Ammoniak in den nächsten zehn Jahren um 20 Prozent senken, ohne dass die Deutschen bei ihren Mahlzeiten auf Fleisch verzichten müssen. 690.000 Tonnen Ammoniak wurden 1990 laut dem Bayerischen Landesamt für Umwelt in Deutschland emittiert, zwar sank der Wert stetig. Der Rückgang ist aber laut UBA vor allem dem Abbau der Tierbestände in Ostdeutschland nach dem Mauerfall geschuldet. Und noch immer sind die Werte sehr hoch. Gemäß der europäischen NEC-Richtlinie über Emissionsgrenzen darf Deutschland seit 2010 nicht mehr als 550.000 Tonnen Ammoniak pro Jahr emittieren. 2012 wurden 545.000 Tonnen Ammoniak in Deutschland ausgestoßen.

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