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Riesenprojekte spotten dem Klimaschutz

Eine Studie von Greenpeace International hat errechnet, dass allein die 14 weltgrößten geplanten Kohle-, Öl- und Gasprojekte bis 2020 jedes Jahr 6,3 Milliarden Tonnen CO2 zusätzlich in die Atmosphäre schleudern würden. Solch ein enormer Anstieg der Treibhausgase würde zu einem Temperaturanstieg von fünf bis sechs Grad Celsius führen. Die Riesenprojekte zeigten die "Scheinheiligkeit einiger Regierungen", so Greenpeace. Statt Lippenbekenntnissen zum Klimaschutz müssten diese solche fatalen Großprojekte stoppen.

Aus Berlin Karin Deckenbach

Der Report "Point of No Return" beleuchtet 14 Projekte – vom massiven Kohleabbau in Australien, China und Indonesien über Ölförderung aus Teersanden in Kanada, der Arktis und Brasilien bis zur Gasproduktion im Kaspischen Meer und in den USA. Die Greenpeace-Studie ergab, dass diese 14 weltweit größten Projekte bis 2020 jedes Jahr zusätzliche 6,3 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre schleudern würden. Das wären 20 Prozent mehr als die derzeitige Menge, und die liegt bereits höher denn je. Laut Internationaler Energieagentur haben die weltweiten CO2-Emissionen 2011 einen Spitzenwert von 31,6 Milliarden Tonnen erreicht.

Ein derart starker Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre würde zu einem Temperaturanstieg von fünf bis sechs Grad Celsius führen, warnen die Autoren der Studie, die auf wissenschaftlichen Berechnungen beruht. Dies würde verheerende Folgen haben – Extremwetterereignisse wie die Dürre in den USA, der Wirbelsturm Sandy oder die Waldbrände in Australien könnten so alltäglich werden. Um das Schlimmste zu verhindern, haben die Staaten eigentlich beschlossenen, eine Erderwärmung von zwei Grad Celsius auf keinen Fall zu überschreiten.

"Dramatische Verwüstungen" durch "Heuchelei" einiger Staaten

"Die geplanten Megaprojekte sind das direkte Ergebnis der Heuchelei, die von einer Handvoll Staaten ausgeht", kommentierte Kumi Naidoo, Direktor von Greenpeace International, die Ergebnisse des Reports. "Die Regierungen dieser Länder setzen sich zwar in offiziellen Gremien und Konferenzen für den Schutz des Klimas ein, zu Hause führen sie jedoch gleichzeitig uneingeschränkt ihre Wahnsinnsprojekte fort. Diese werden das Klima-Chaos noch zusätzlich verschärfen und zu dramatischen Verwüstungen führen."

An der Spitze der untersuchten Projekte steht der Kohlebergbau in China. Allein 1,4 Milliarden Tonnen CO2-Emissionen lassen sich auf die Ausweitung des Kohlebergbaus in den westlichen Landesteilen zurückführen. An zweiter und dritter Stelle stehen die Kohle-Exporte aus Australien und Ölbohrungen in der Arktis. Unternehmen wie Shell, BHP Billiton, Peabody, Enbridge, Gazprom, Cairn Energy, Petrobras oder BP profitieren davon und tragen gleichzeitig massiv zum Klimawandel bei.


Smog in Shanghai: Immer öfter müssen in China Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, damit Großstädter nicht vergiftet werden. (Foto: Seader)

Die Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Institut Ecofys und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung entstand, erörtert auch die Möglichkeiten, unter der Zwei-Grad-Vorgabe zu bleiben. Ein Ergebnis: Um mit 75-prozentiger Wahrscheinlichkeit die heftigsten Klimafolgen zu verhindern, müssten die weltweiten CO2-Emissionen schnellstmöglich um fünf Prozent pro Jahr sinken. Ein Drittel dieser Einsparungen könnte allein dadurch erreicht werden, indem die 14 Großprojekte gestoppt werden. "Uns rennt die Zeit davon, um die Klimakatastrophe zu verhindern", warnte Naidoo. "Regierungen, die solche kohlestoffintensiven Wahnsinnsprojekte absegnen, müssen endlich aufwachen und in erneuerbare Energieträger investieren. Sie müssen Teil der Lösung des Klimaproblems werden."

Nachtrag: Eine deutschsprachige Zusammenfassung der Studie gibt es HIER.

[Erklärung]  
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