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Die Klimaskeptikerfraktion der CDU

Fritz Vahrenholt, der bekannteste Talkshow-Zweifler am menschengemachten Klimawandel, ist Mitglied der SPD. Besonders viele Freunde scheint er aber unter den CDU/CSU-Abgeordneten im EU-Parlament zu haben. Ein Viertel der Mandatsträger lädt zu einer Veranstaltung mit dem umstrittenen Buchautor.

Von Hanno Böck

Dass Holger Krahmer, EU-Parlamentarier der FDP aus Leipzig, gern von "Klimahysterie" spricht und wenig von einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema hält – das ist schon länger bekannt. Doch nun hat Krahmer für eine Veranstaltung so genannter Klima"skeptiker" eine ganze Reihe von Verbündeten gewinnen können – und die stammen überwiegend aus der Union.


Fritz Vahrenholt (Mitte) und sein Mitautor Sebastian Lüning (links) präsentieren wissenschaftlich nicht haltbare Thesen zum Klimawandel. (Foto: Toralf Staud)

Zehn CDU-Abgeordnete, zwei FDPler, ein CSU-Parlamentarier sowie ein luxemburgischer und ein polnischer Sozialdemokrat stehen unter der Einladung für eine Veranstaltung am 3. Juli, die klimaretter.info vorliegt. Der Titel lautet: "Klimaschutz: die politische Überforderung". Man mag zunächst rätseln, was damit gemeint sein soll – doch das wird schnell klar, wenn man sich die geladenen Referenten betrachtet: Der (Noch-)Vorstandsvorsitzende von RWE Innogy, Fritz Vahrenholt, und Sebastian Lüning, vermutlich zurzeit Deutschlands bekannteste Klima"skeptiker". Die Autoren des Buches Die kalte Sonne haben zwar keine wissenschaftlichen Fachveröffentlichungen zum Klimawandel vorzuweisen, aber eine Meinung haben sie trotzdem dazu. Und was für eine: Alles übertrieben, nur Hysterie, und die Klimawissenschaftler im IPCC fälschen und betrügen permanent.

Federführend ist der Vorsitzende des Industrieausschusses

Von der Wissenschaft ernst genommen werden Vahrenholt und Lüning nicht. Das ficht aber offenbar die Unionsabgeordneten wenig an. Federführend organisiert wird die Veranstaltung von Herbert Reul (CDU), Vorsitzender des Industrieausschusses im EU-Parlament. Als Reul 2009 für diesen Posten ausgewählt wurde, gab es schon Kritik an seiner Haltung zum Klimawandel – einzelne sahen in ihm einen Klimaskeptiker, doch Reul wehrte sich gegen die Vorwürfe.


Elf von 42 Abgeordneten der Unionsfraktion im EU-Parlament laden zu einer Veranstaltung mit dem umstrittenen Buchautor Fritz Vahrenholt ein. (Foto: Bundesregierung)

Gewisse Probleme mit den wissenschaftlichen Positionen zur Erderwärmung sind bei den europäischen Unionspolitikern offenbar nichts Neues. Der CDU-Abgeordnete Daniel Caspary "warnte" schon bei seiner Antrittsrede 2005 vor einer "zu einseitigen Konzentration auf das Thema Kohlenstoffdioxid" und wünschte sich mehr Unterstützung für Forscher "die nicht dem Mainstream entsprechen". Der CSU-Abgeordnete Albert Deß hält den Klimawandel für "Panikmache und Hysterie in beinahe unverantwortlicher Weise". Zu einem Bericht des EU-Parlaments zum Klimawandel im Jahr 2008 sagte der CDU-Abgeordnete Markus Pieper: "Die Folgen des Klimawandels sind zum Teil übertrieben dargestellt". Alle drei laden mit zur Vahrenholt-Veranstaltung ein.

Klimaschutz als "Ersatzreligion"

Es ist nicht das erste Mal, dass CDU-Politiker versuchen, sich an die in einigen Kreisen populären Thesen der Klima"skeptiker" zu hängen. Ausgerechnet die umweltpolitische Sprecherin der CDU-Bundestagsfraktion – Marie-Luise Dött – bezeichnete einst Klimaschutz als "Ersatzreligion" und beteiligte sich 2010 an einer Veranstaltung mit dem Aushängeschild der US-"Skeptiker"-Bewegung Fred Singer. Konsequenzen hatte das nicht, die Union schien kein Problem damit zu haben, dass ihre umweltpolitische Sprecherin über den Klimaschutz spottet, und wählte sie auch danach wieder auf ihren Posten.

Dött jedoch schien ein Einzelfall in der Bundestagsfraktion zu bleiben, zumindest offen wollten sich wohl keine weiteren Unionspolitiker im Berlin die Thesen der Klima"skeptiker" zu eigen machen. Im EU-Parlament scheint das anders zu sein.


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