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Königreich meldet Minusrekord

Großbritannien hat die Bundesrepublik beim Klimaschutz längst überholt: Im vergangenen Jahr lag der britische Treibhausgas-Ausstoß knapp 30 Prozent unter dem des Jahres 1990. Das ist mehr gespart, als in Deutschland - und das, obwohl die Briten keinen Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft in ihre Bilanz einpreisen können.

Von Eva Mahnke und Nick Reimer

Das Vereinigte Königreich hat die vorläufigen Zahlen für die Treibhausgasentwicklung im Jahr 2011 vermeldet. Nach Angaben des Ministeriums für Energie und Klimawandel (DECC) sanken die Treibhausgasemissionen gegenüber dem Vorjahr um sieben Prozent. Damit heizten die Briten dem Klima im vergangenen Jahr mit insgesamt 549,3 Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalent ein - fast 30 Prozent weniger als im Kyoto-Basisjahr 1990. Im Kyoto-Basisjahr registrierte das vereinigte Königreich noch 774 Millionen Tonnen Treibhausgase.


Die Treibhausgasentwicklung Großbritanniens: die blaue Linie markiert die Kohlendioxidemissionen, die grüne Linie die gesamten Treibhausgasemissionen, umgerechnet in sogenannte CO2-Äquivalente. (Grafik: AEA, DECC)

Zum Vergleich: In Deutschland waren es im gleichen Zeitraum 917 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalent. 1990 hatte der Ausstoß der wiedervereinigten Bundesrepublik 1.215 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalent betragen. Großbritannien hat 61.8 Millionen Einwohner, Deutschland 20 Millionen mehr. Der deutsche Treibhausgasausstoß sank aber nur um 24,5 Prozent im Vergleich zu 1990 - und das obwohl mehr als die Hälfte dieser Reduktion gar nichts mit Klimaschutz zu tun hat, sondern auf den Zusammenbruch der energiehungrigen und ineffizienten DDR-Wirtschaft zurück geht.

Mit über vier Fünfteln ist das Treibhausgas Kohlendioxid der Hauptklimasünder Großbritanniens. Hier hat sich der Ausstoß gegenüber dem Vorjahr etwas stärker - um acht Prozent - verringert und liegt derzeit bei 456,3 Millionen Tonnen. Die Einsparungen gehen jedoch weniger auf besonders ambitionierten Klimaschutz, als vielmehr auf den warmen Winter zurück. Der Abwärtstrend bei den Emissionen bekam vor allem durch den Gebäudesektor Schwung, der 22 Prozent weniger CO2 emittierte.

Zwar stammt auf der Insel inzwischen fast jede zehnte Kilowattstunde Strom aus erneuerbaren Quellen. Zu 40 Prozent aber wird elektrische Energie mit Gas und 30 Prozent mit Kohle produziert. Der Rest - 19 Prozent - ist Atomenergie, die im vergangenen Jahr noch einmal ordentlich zulegte. Auch das trug, in Verbindung mit hohen Gaspreisen und einem Rückgang des Gasverbrauchs, zum Abwärtstrend bei. Neben dem Ausbau der Erneuerbaren und der CCS-Technologie setzt die britische Regierung in ihrer Klimastrategie auch auf den Ausbau der Atomenergie.


Das Riesenrad in London heute ... (Foto: London-infoguide.de)

Nach dem Kyotoprotokoll müsste Großbritannien seine Emissionen bis Ende der ersten Verpflichtungsperiode Ende dieses Jahres um 12,5 Prozent senken. Dieser Wert war 2007 bereits deutlich übererfüllt. Zum Vergleich: Der Bundestag hatte sich im September 1991 verpflichtet, bis zum Jahr 2005 den deutschen Treibhausgas-Ausstoß 25 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken - was angesichts der sogenannten Hot Air aus der DDR-Wirtschaft auch spielend möglich erschien. Doch während die Briten ihr Kyoto-Ziel mittlerweile mehr als übererfüllt haben, schafften die Deutschen ihr selbstgestecktes Ziel bis 2005 nicht: Ausgerechnet der bündnisgrüne Umweltminister Jürgen Trittin kassierte es still und leise und bezog sich ab sofort nur noch auf das im Kyoto-Protokoll hinterlegte Ziel: Minus 21 Prozent.

Kanzler Helmut Kohl hatte 1995 auf der Klimakonferenz in Berlin jedenfalls das selbstgesteckte 25-Prozent-Ziel neuerlich bekräftigt und als politischen Faustpfand benutzt - um das Weltklimasekretariat nach Bonn zu locken. Das immerhin war ihm gelungen.

Steigt der Meeresspiegel, geht das stolze Königreich unter

Einer der Gründe für die rasante Klimapolitik der Briten dürfte ihre Insellage sein: Hochwasserschutz ist möglich, aber bei so viel Küstenlinie auch extrem teuer. Simulationen hatten gezeigt, wie Großbritannien in mehrere Inseln zerfallen würde, wenn der Meeresspiegel beispielsweise um den abgetauten grönländischen Eisschild ansteigt: Sieben Meter höheres Wasser würde aus dem stolzen Königreich mehrere geschrumpfte Inselchen machen.

Vermutlich deshalb hatte sich die Regierung ein Klimaschutz-Gesetz gegeben: Ein Gesetz, das bis 2050 eine Reduktion der Treibhausgase um 80 Prozent gegenüber 1990 festschreibt und auch Zwischenschritte definiert. So muss Großbritannien bis 2020 beispielsweise seine Treibhausgas-Produktion um 34 Prozent mindern. Eine unabhängig von der Regierung agierende Kommission überprüft, ob die Politik der Regierung das Ziel einhalten wird - und fordert notfalls Korrekturen. Zuletzt war das vergangenes Jahr der Fall. 


... und in einer Szene des Films "The age of stupid" im Jahr 2050, wenn nicht mehr für Klimaschutz getan wird. (Foto: Verleih)

Der neue Regierungschef David Cameron hat kurz nach Amtsantritt erklärte, er wolle "die grünste Regierung stellen, die je das Königreich regiert hat". Dann aber hatte Cameron die solaren  Einspeisetarife zusammengestrichen. Aus der grünsten Regierung aller Zeiten sei  "the meanest government ever" - "die armseligste Regierung aller Zeiten" geworden, kritisierte der frühere Greenpeace-Aktivisten und heutigen Chef der Solarfirma Solarcentury, Jeremy Leggett.

Dennoch findet die SPD die Idee eines sich selbst kontrollierenden Klimagesetzes ähnlich gut, wie die Bündnisgrünen und die Linke, die sogar ein solches Gesetz schon im Bundestag eingebracht hat. Allerdings sind die Linken damit gescheitert. Mexiko hingegen hatte in dieser Woche den Weg für ein Klimaschutzgesetz geebnet - als zweites Land der Welt.

 


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