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Maledivenpräsident tritt zurück

Mohammed Nasheed, der erste demokratisch gewählte Präsident der Malediven, tritt zurück. Nasheed setzte sich in der Vergangenheit leidenschaftlich für den Klimaschutz ein. Die Malediven sind wie kein anderes Land vom Meeresspiegelanstieg bedroht.

Von Hanno Böck

Einst tagte der Präsident der Malediven mit seinen Ministern unter Wasser, um gegen den drohenden Meeresspiegelanstieg zu protestieren. Dann sollte der Inselstaat 2020 das erste klimaneutrale Land der Welt werden. Mit spektakulären Aktionen versuchte Mohammed Nasheed, auf die dramatische Lage der Malediven hinzuweisen. Nasheed steht auch für einen Neuanfang des Inselstaates. Er war nach jahrelanger Verfolgung der erste demokratisch gewählte Präsident und beendete damit die 30-jährige Diktatur seines Vorgängers Maumoon Abdul Gayoom. Heute trat der Präsident nach Protesten und Turbulenzen im Land zurück.


Unter Wasser gegen den steigenden Meeresspiegel. (Foto: President's Office Maledives)

Schon lange vor seiner Präsidentschaft engagierte sich Nasheed politisch. 1989 wurde er zum ersten Mal inhaftiert, 13 weitere Verhaftungen folgten. Im Jahr 2001 versuchte der spätere Präsident sich an der Gründung der Demokratischen Partei der Malediven, erst 2005 lies die Maledivische Regierung jedoch offiziell Oppositionsparteien zu. 2008 folgte die erste freie Präsidentschaftswahl, aus der Nasheed als Sieger hervorging. Doch unumstritten war Nasheed auch im eigenen Land nicht: Man warf dem sunnitischen Muslim oft vor, Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften zu diskriminieren.

Fortan präsentierte sich Nasheed vor allem international als Vorkämpfer gegen den Klimawandel. Er war auf den UN-Klimakonferenzen das prominenteste Gesicht der Inselstaatenallianz AOSIS (Alliance of small Island States). Die Malediven sind der "niedrigste" Staat der Welt. Selbst ein geringer Meeresspiegelanstieg würde große Teile der Inseln unbewohnbar machen. Im Vorfeld der Klimakonferenz von Kopenhagen tagte Nasheed mit seinen Ministern zur Unterwasser-Kabinettssitzung, um auf die Bedrohung aufmerksam zu machen.


Nasheed warb weltweit für den Klimaschutz - hier an der Freien Universität in Berlin. (Foto: Böck)

Kopenhagen jedoch sollte nicht die große Stunde des Präsidenten werden. Kleinlaut trug der Präsident den sogenannten "Copenhagen Accord" mit, das von den USA initiierte Abschlussdokument, das für viele Umweltschützer als Symbol des Scheiterns der großen Klimakonferenz gilt. Nasheed sagte später bei einer Veranstaltung in Berlin, dass sein Einknicken in Kopenhagen einer seiner größten Fehler gewesen sei.

Nasheed wollte auch sein eigenes Land zum Vorbild beim Klimaschutz machen. Bis 2020 soll die Insel Kohlendixid-frei sein. Solarzellen auf dem Präsidentenpalast wurden als Symbol für die Energiewende installiert. Doch spätestens hier zeigen sich auch die Grenzen der Möglichkeiten eines Staates, der vor allem auf Tourismus angewiesen ist: Tagtäglich kommen Touristen aus aller Welt, um die Schönheit des Meeresparadises zu genießen - selbstverständlich mit Flugzeugen, die alles andere als klimaneutral sind. Die Malediven kaufen Zertifikate im EU-Emissionshandel, um diese Emissionen auszugleichen. Ein zumindest zweifelhaftes Tauschgeschäft, gilt doch der Emissionshandel mit seinen vielen Ausnahmenals als löchrig .


Nasheed installiert Solarmodule auf dem Präsidentengebäude. (Foto: 350.org)

Zuletzt durchlebte das Land turbulente Zeiten. Nach Angaben von dpa wurde im Januar ein Richter festgenommen, der die Freilassung eines Regierungskritikers angeordnet hatte. Proteste dagegen weiteten sich immer mehr aus, zuletzt schlossen sich Polizisten den Demonstrationen an und es war von einem möglichen Putsch die Rede. "Ich denke, wenn ich als Präsident der Malediven weitermachen würde, würden die Menschen in diesem Land mehr leiden", erklärte der ehemalige Präsident zu seinem Rücktritt. Er wünsche sich eine stabile Demokratie für die Malediven. Die Amtsgeschäfte übernimmt vorerst sein Stellvertreter Mohammed Waheed Hassan.

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