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Rundbrief 04/09

2009-04-30 11:11:14

Liebe KlimaretterIn,

der April 2009 war der wärmste April, den es hierzulande jemals in der Geschichte der Wetteraufzeichnung gegeben hat. Klar, wir freuen uns, dass nach einem langem Winter sattes Grün gepaart mit all den Blüten unser Herz nicht erst im Mai erfreut. Ehrlich gesagt macht das aber auch Angst. Die Meteorologen sagen: Der Klimawandel habe sich beschleunigt. Und der ungewöhnlich warme April sei ein sichtbares Zeichen. (mehr...) Extrem war auch die Trockenheit. Bereits Mitte des Monats wurde vielerorts die höchste Waldbrandwarnstufe ausgerufen. In Brandenburg kam es im April zu ersten Waldbränden. In den Landesforsten Niedersachsens sind Millionen junger Bäume bedroht, die gerade erst gepflanzt worden sind. Und die Bauern stöhnen, weil die Saat nicht aufgeht und schon wieder eine Missernte droht.

Leider enthält auch der April-Rundbrief eine Reihe schlechter Nachrichten. Aber es gibt auch solche, die Mut machen!

 

INHALT

 

1. Protesterfolge: Neue Serie zeigt, wie Kohlekraftwerke verhindert werden können
2. Augenwischerei: Eon, RWE, EnBW & Vattenfall - wie grün sind die „Großen Vier“ wirklich?
3. Weltklimadiplomatie: Konferenzen in Bonn und Washington ohne Fortschritt
4. Grüne Finger: Die Skandinavier nehmen Überhand
5. Rückblick: wir-klimaretter.de auf dem McPlanet-Kongress 
6. Aktion des Monats: Atomenergie – wir machen Schluss!
7. Aktuelle Nachrichten


1. Protesterfolge: Neue Serie zeigt, wie Kohlekraftwerke verhindert werden können

Es stimmt ja nicht, dass es immer nur schlechte Nachrichten gibt! Gewiss: Das Bohren dicker Bretter ist ein langwieriges, oft schweißtreibendes Geschäft. Aber es manchmal lohnt es sich eben auch: In einer neuen Serie „Ausgekohlt“ schildert wir-klimaretter.de, wie es an inzwischen immerhin schon acht deutschen Standorten gelang, neue Kohlekraftwerke zu verhindern.

In den ersten drei Teilen geht es um Bremen, Kiel und das rheinland-pfälzische Germersheim. Darum, wie Wahlkämpfe, betriebswirtschaftliche Kalkulationen und das kommunale Bauplanungsrecht bei der Verhinderung von Kohlekraftwerken helfen können. (mehr...)

Wie viele Teile in der Serie noch folgen? Na, das liegt auch Ihnen, lieber Leserinnen und Leser! Nämlich daran, wieviele der noch geplanten zwei Dutzend Projekte sich durch breiten Widerstand auch noch verhindern lassen.

 

2.  Augenwischerei: Eon, RWE, EnBW & Vattenfall - wie grün sind die „Großen Vier“ wirklich?
Die grünfärberischen Werbeannoncen und Fernsehspots der großen Energieversorger kennt mittlerweile jeder: E.on preist Gezeitenkraftwerke an, RWE schmückt sich mit Biomasse-Projekten, Vattenfall stellt sich als Windkraft-König dar, EnBW prahlt mit seinen Wasserkraftanlagen. Dass in Wahrheit nicht so sehr viel dran ist an diesem Bild, das konnte man bisher nur schwer mit verlässlichen Zahlen belegen. Jetzt, endlich, gibt es zu diesem Thema eine gründliche Studie, die im Auftrag von Greenpeace erarbeitet wurde. Ergebnis: Den grünen Worten der Stromriesen folgen kaum Taten. Derzeit liegt der Untersuchung zufolge der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix der vier großen deutschen Energieversorger bei 0,1 bis 1,7 Prozent (wenn man die seit vielen Jahrzehnten bestehenden Wasserkraftanlagen herausrechnet). Im bundesweiten Durchschnitt sind es dagegen bereits rund 15 Prozent! (mehr...)

 

3. Weltklimadiplomatie: Konferenzen in Bonn und Washigton ohne Fortschritt 
„Niemand soll glauben, dass dort [in Kopenhagen - die Red.] ein Abkommen zum Klimaschutz herauskommt, mit dem jeder zufrieden ist." Mit diesen Worten wurde US-Präsident Barack Obama nach der von ihm einberufenen Klimakonferenz zitiert. In Washington trafen sich Spitzenpolitiker des so genannten MEM-Prozesses, in dem die größten 17 Treibhausgas-Verursacher nach Wegen zu mehr Klimaschutz suchen wollen. (mehr...)

Zwar erklärte US-Außenministerin Hillary Clinton „Wir sind zurück im Spiel!“ Dieser Satz sollte deutlich machen, dass die neue Regierung mit der Klimaleugnungspolitik der Bush-Jahre brechen will. (mehr...) Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte auf der Washingtoner Konferenz aber: „Die USA müssen deutlich mehr machen“.
Das könnte er auch zu sich selbst sagen! Klimaretter-Redakteurin Sarah Messina beobachtete das Zwischentreffen der Weltklimadiplomatie, die auf Gabriels Einladung Anfang April in Bonn tagte. „Auf dem Podium läuft in großen roten Zahlen der Countdown nach Kopenhagen: 242 Tage, 18 Stunden, 17 Minuten und 36 Sekunden zeigt die Uhr der Vereinten Nationen zum Ende der Klimakonferenz in Bonn am vergangenen Mittwoch", beginnt ihr Bericht. "Von Eile war jedoch kaum etwas zu spüren. Die Weltklimadiplomatie nimmt sich Zeit, die sie nicht hat.“ (mehr...) (und noch mehr...)

Fakt ist, dass der Zeitplan immer enger wird: Im Mai treffen sich die Klimadiplomaten erneut in Bonn. Dann muss der erste Entwurf des Vertragstextes für Kopenhagen bereits stehen. (mehr...)

 

4. Grüne Finger: Die Skandinavier nehmen Überhand 
Der frühere Präsident Nicaraguas, José Maria Figueres Olsen, hat es schon getan, der Bestsellerautor Mark Linas aus Großbritannien, und der Schneemann ebenso: sich den Finger grün angemalt und in die Kamera gelächelt. „Greenfingers“ heißt die Aktion, die zeigen will, dass die globale Erwärmung uns alle betrifft. 3144 grüne Finger haben sich bereits registriert, bis zum Kopenhagener Gipfel sollen es hundert Mal so viele werden. "What do you want to protect from climate change", lautet das Motto. "Was willst Du vor dem Klimawandel bewahren." Und so geht es: Finger grün anmalen und das auf die Hand schreiben, was das „Schützgut“ ist. Ein Foto davon kann jede und jeder auf der Greenfingers-Website hochladen.

Die Sprachenvielfalt der TeilnehmerInnen macht das Projekt manchmal nicht einfach: Wer weiß,  was “Fjärilar” ist, das (oder die) Sophie Hagelberg aus Stockholm schützen möchte? Oder „Pardeen, Pardeen“, die Worte von Obs de Mare aus Rotterdam? Offenbar haben vor allem Skandinavier die Fingerseite zuletzt regelrecht gestürmt - sie wollen „Pingviner“, „Blasipporna“ und „Fjällen“ vor der Erderwärmung retten. Und da für die Skandinavier deutsche Worte  sicherlich genauso lustig klingen: Machen Sie mit!

 

5.  Rückblick: wir-klimaretter.de auf dem McPlanet-Kongress
1700 Wissbegierige kamen am letzten April-Wochenende zum McPlanet-Kongress nach Berlin. Auch die Klimaretter-Redaktion war dabei – mit einem Workshop, auf der Debattenbühne, vor allem aber als Berichterstatter. Erstmals wurde dabei auch "getwittert" - also auf hyperangesagteste Art und Weise auf einem Kanal des Nachrichtendienstes Twitter verbreitet, was gerade auf der McPlanet-Sonderseite der Klimaretter läuft.
Herausgekommen ist (auf wir-klimaretter.de, nicht bei Twitter) ein buntes Mosaik des zweitägigen Kongress', das nun in Zusammenarbeit mit den Veranstaltern zu einem Buch verarbeitet wird.

 

6.  Aktion des Monats: Atomenergie - wir machen Schluss!
Das Deutsche Atomforum, der Lobbyarm der deutschen Akw-Branche, versucht seit einiger Zeit, sich an die Öffentlichkeit heranzuschmeißen. "Willst du wirklich mit mir Schluss machen?" fragt sie etwa auf Postkarten, die kostenlos in Kneipen und an anderen Orten verteilt werden. Die Gruppe contrAtom hält mit demselben Mittel dagegen. Per Mausklick kann man dort ganz einfach eine E-Card ans Atomforum versenden mit der Aufschrift: "Wir wollen wirklich mit euch Schluss machen! Denn unser Neuer ist viel sauberer als ihr!" (mehr...)

 

7. Nachrichten und Meinungen
Täglich aktuelle Meldungen und Hintergründe finden Sie auf www.wir-klimaretter.de - hier eine kleine Auswahl von wichtigen Texten aus den letzten Wochen:

 

Industrie kaufte sich Klimalügen

Washington Post: Jahrelang erkaufte sich die Industrie in den USA gefälschte wissenschaftliche Studien, um vom Klimawandel abzulenken weiter …

 

Zwei-Drittel-Mehrheit für den Atomausstieg

Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesumweltministeriums: Lediglich 18 Prozent sind grundsätzlich gegen einen Ausstieg aus der Atomkraft weiter …

 

Bundestag bremst Agro-Kraftstoff-Förderung

Die Beimischungsquote von Biosprit wird gesenkt: Mit der Gesetzesänderung wird die Förderung von Biokraftstoffen deutlich zurückgefahren weiter …

 

Todeszonen in den Ozeanen nehmen zu

Wissenschaftler warnen vor einem sinkenden Sauerstoffgehalt in den Meeren durch den Klimawandel: Meerestiere in 800 bis 3.000 Metern Tiefe sind bedroht weiter …

 

Später Sieg gegen Vattenfall

Hamburger Amtsgericht spricht zwei Klimaaktivisten frei, die am 20. August 2008 gegen das Kraftwerk Moorburg demonstriert hatten weiter …

 

Doppelt so viele Opfer durch die Erderwärmung

Oxfam: Bis 2015 voraussichtlich 375 Millionen Hilfsbedürftige durch Klimawandel - keine Fortschritte für den Klimaschutz vom G8-Treffen zu erwarten weiter …

 

Bürger und Städte wollen Eon vertreiben

Deutschlands größter Energieversorger muss seine Tochter Thüga verkaufen. Eine Freiburger Initiative sammelt Geld, damit sich umweltengagierte Bürger direkt beteiligen können. weiter …

 

McKinsey sieht "Energie" als Krisenausweg

Energierelevante Branchen wie Verkehr oder Gebäudetechnik könnten sich nach einer Studie in den kommenden Jahren als Jobmotor für die deutsche Wirtschaft erweisen weiter …

 

Gute Nachricht: Das Klima ist noch zu retten

Wenn bis 2100 die Emissionen um 70 Prozent sinken, so US-Forscher, dann sind die schlimmsten Folgen der Erderwärmung vermeidbar weiter …

 

England: Massenfestnahme vor Kohleprotesten

Britische Polizei verhaftet 114 Aktivisten, um sie vom Protest gegen ein E.on-Kraftwerk in Nottinghamshire abzuhalten weiter …

 

Autoindustrie setzt auf einheizendes Kältemittel

Audi, BMW, Mercedes & Co. boykottieren offenbar den Umstieg auf kllimafreundliche Kältemittel für Klimaanlagen und wollen die Umsetzung einer EU-Richtlinie aussitzen weiter …

 

Alpengletscher schmolzen trotz Rekordwinter

Überdurchschnittliche Schneefälle konnten Eisverluste nicht verhindern / An 82 von 88 Gletschern wiesen Schweizer Forscher weiteres Abschmelzen nach weiter …

 

Einspeisegesetz jetzt auch in Südafrika

Umstellung der Stromversorgung von Kohle auf Erneuerbare Energien soll so nach deutschem Vorbild vorangebracht werden weiter …

 

RWE-Werbeagentur droht Umweltschützern

"FingeRWEg": Die Parodie einer RWE-Kampagne durch Umwelt- und Anti-Atom-Organisationen findet die Agentur Jung von Matt gar nicht lustig und droht mit Klage weiter …

 

Bürgermeister stürzt über Kohlekraftwerk

Im emsländischen Dörpen tritt der Gemeindechef nach Vorwurf des Wortbruchs zurück - BI jubelt und fordert eine Bürgerbefragung zum umstrittenen Projekt weiter …

 

Meeresdüngung hilft dem Klima nicht

"Lohafex" hatte Umweltschützer Sturm laufen lassen - inzwischen zeigt die erste Bilanz: Über eine Eisendüngung der Ozeane freut sich nicht das Klima, sondern der gemeine Krebs weiter …

 

 

... und wie immer zum Schluss noch einige Höhe- bzw. Tiefpunkte von unserem Klima-Lügendetektor:

 

Fiat: Klimaschutz kostet extra

McDonalds: (Energie-)Effiziente Werbemaßnahme

VW Phaeton: Nur 17,1 Liter Benzinverbrauch!

RWE: "Fundierte Zweifel" am Klimawandel

Johannes B. Kerner: Kein gutes Beispiel

 

 

 

* * * 


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Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
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Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
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Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
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