Fliegen lassen und verurteilen lassen
In einem offenen Brief an den Fraport-Vorstandsvorsitzenden Stefan Schulte sowie die zuständigen Staatsanwaltschaften haben heute Bürgerinitiativen und Verbände gefordert, die Strafanzeigen und Strafanträge im Zusammenhang mit den Protestaktionen gegen die Erweiterung des Flughafens in Frankfurt zurückzunehmen und laufende Verfahren einzustellen. Der Brief ist unterzeichnet vom Bündnis der 60 Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau. Mit den Protesten sei deutlich gemacht worden, so heißt es in dem Brief, "dass durch die Flughafenerweiterung große Biotopsysteme zerstört und dauerhaft versiegelt werden, der weitere Anstieg des Flugverkehrs den Klimawandel beschleunigt und die Gesundheit und Lebensqualität von zwei Millionen Menschen durch Fluglärm und Abgase geschädigt wird."
Nächtliche Baumbesetzung bei Kelsterbach. (Foto: Robin Wood)
Die UnterzeichnerInnen appellieren an Fraport, ihrem Anspruch "der Region ein guter Nachbar zu sein" einzulösen und auf eine Strafverfolgung der AusbaugegnerInnen zu verzichten. Angeklagt sind auch mehrere ROBIN WOOD-AktivistInnen, Cécile Lecomte hat am kommenden Donnerstag bereits ihren dritten Prozesstag vor dem Amtsgericht Frankfurt. Sie hatte sich aus Protest gegen den Flughafenausbau an einer Harvester- sowie an einer Baumbesetzung beteiligt. "Diese Auseinandersetzungen gehören nicht in den Gerichtssaal. Fraport muss sich den Argumenten der Ausbaugegner stellen, anstatt sie zu kriminalisieren", fordert Monika Lege, Verkehrsreferentin von ROBIN WOOD.
Mit dem Bau der neuen Landebahn würden die Flugbewegungen am Frankfurter Flughafen von derzeit etwa 500.000 auf 750.000 jährlich steigen. Obwohl Flugverkehr die klimaschädlichste Art zu Reisen ist, existieren an vielen Standorten in Deutschland und auch international Pläne für Erweiterungen von Flughäfen.
Unterdessen melden die deutschen Flughäfen wieder verstärkte Nachfrage. Lufthansa teilte an diesem Dienstag in Franfurt am Main mit, dass im März 9,8 Prozent mehr Passagiere eine Maschine mit dem Kranich auf dem Heck als im Februar - insgesamt 4,98 Millionen
Menschen. Im ersten Quartal waren es insgesamt 12,2 Millionen Menschen, 1,2 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Und auch der Hamburger Flughafen meldet "Aufwind": im ersten Quartal 5,8 Prozent mehr Passagiere im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. 2009 nutzten 12,23 Millionen Passagiere den Hamburger Flughafen.
© wir-klimaretter.de/reni
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