Mikronesien fordert Tschechien heraus
Man könnte meinen, die Inselgruppe im Westpazifik und Tschechien verbindet wenig. Im Gegenteil: Tausende Kilometer trennen die Förderierten Staaten von Mikronesien von der tschechischen Hauptstadt Prag. Beim geplanten Ausbau des tschechischen Kohlekraftwerks Prunerov in der Nähe der deutschen Grenze könnte die Inselgruppe dem tschechischem Energiekonzern CEZ dennoch einen Strich durch die Rechnung machen.
Denn wenn es nach Mikronesien geht, ist räumliche Distanz vor dem Hintergrund des Klimawandels irrelevant: Die Förderierten Staaten haben das Umweltministerium in Tschechien offiziell aufgefordert, Prunerov II nur dann zu genehmigen, wenn der Kohlendioxid-Ausstoß durch die neueste Technik auf ein Minimum reduziert wird.

Kohlekraftwerk Prunerov in Tschechien: Wenn schon Neubau, dann nur mit bestmöglicher Technik, fordern die Förderierten Staaten von Mikronesien. (Foto: Wikipedia)
Der Hintergrund: Im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung sollen auch eventuelle Einwände aus dem Ausland berücksichtigt werden. Von dieser Möglichkeit zur Wortmeldung haben die Förderierten Staaten von Mikronesien nun Gebrauch gemacht und sich bereits am 4. Januar offiziell an das tschechische Umweltministerium gewandt. Bei der Prüfung würden die Folgen des Kohlekraftwerks für den Klimawandel nicht ausreichend berücksichtigt, so die Kritik Mikronesiens.
Die Inselgruppe beharrt auf eine Verbesserung der verwendeten Technologie: Der Konzern CEZ plant, drei der bestehenden Kohleblöcke des Kraftwerks Prunerov zu ersetzen. Die Kapazität von bislang 210 Megawatt pro Block soll dabei auf je 250 Megawatt für die drei neuen Blöcke erhöht werden.
Nach einer EU-Richtlinie muss für neue Kohlekraftwerke eigentlich die "bestmögliche verfügbare Technik" verwendet werden. Das beinhaltet auch einen Wirkungsgrad von 42 bis 45 Prozent. Der Wirkungsgrad von Prunerov II würde nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace jedoch bei lediglich 38 Prozent liegen.
Allerdings handle es sich auch nicht um einen Neubau, sondern lediglich um die Rekonstruktion von drei Kraftwerksblöcken, argumentiert die CEZ gegen den "kleinen Unterschied". Die Förderierten Staaten von Mikronesien sehen das anders: "Der Klimawandel ist in auf den Atollen Mikronesiens bereits Realität", zitiert die New York Times den Vorsitzenden des Büros für Umwelt und Notfall-Management Mikronesiens. Neue Kohlekraftwerke seien für die Inselgruppe eine Frage des Überlebens.
Die Intervention Mikronesiens könnte ein Meilenstein für den Klimaschutz werden, sagt der tschechische Greenpeace-Experte Jan Dusik: Die grenzübergreifende Umweltverträglichkeitsprüfung sei zwischen Nachbarstaaten zwar normal. Der Umweltorganisation zufolge ist es jedoch das erste Mal, das der grenzübergreifende Prozess von einem entfernten und durch den Klimawandel besonders gefährdeten Land genutzt wird, um auf die Folgen der Kohleverbrennung für die Erderwärmung aufmerksam zu machen.
Prunerov ist eines der größten Kohlekraftwerke der Europäischen Union und der größte einzelne Verursacher von Kohlendioxid-Emissionen in Tschechien. Das Umweltministerium in Prag wird seine Entscheidung zur Umweltverträglichkeitsprüfung voraussichtlich noch in dieser Woche bekanntgeben.Guter Journalismus kostet
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