Bürgermeister stürzt über Kohlekraftwerk
Der Bürgermeister von Dörpen im Emsland, Hermann Wacker (CDU), ist im Streit um das am Ort geplante Steinkohlekraftwerk zurückgetreten. "Das Bauernopfer Wackers ist kein Freibrief für die anderen Gemeinderäte, unbeirrt die Köpfe der Menschen hinweg ein Dinosaurierprojekt im Interesse der Energiekonzerne durchzusetzen", kommentierte Jan Deters-Meissner, Sprecher der "BI Saubere Energie Dörpen". Die Bürgerinitiative begrüßte den Rücktritt des Politikers, den sie zuvor scharf kritisiert hatte, und fordert nun vom Gemeinderat eine Bürgerbefragung zum geplanten 900 Megawatt Kohlekraftwerk.

Die Bürgerinitative Saubere Energie Dörpen fordert nach dem Rücktritt Wackers eine Bürgerbefragung
In einem Schreiben an örtliche Medien, darunter die Ems-Zeitung, begründete Bürgermeister Wacker seinen Rückzug mit Äußerungen eines Pastors aus Papenburg im lokalen Sonntagsblatt. Der Gemeindechef hatte seine Zustimmung für das umstrittene Kohlekraftwerk anfangs von einer Zusammenarbeit mit der in Dörpen ansässigen Papierfabrik Nordland abhängig gemacht. Doch nachdem der finnische Mutterkonzern UPM im Dezember 2008 erklärte, an einer Kooperation kein Interesse zu haben, blieb er weiter ein Befürworter des Projekts. Die Dörpener Bürgerinitiative hatte ihm deshalb "Wortbruch" vorgeworfen und seinen Rücktritt gefordert.
Als am vergangenen Wochenende auch der örtliche Pastor Gerrit Weusthoff seinem Ärger im Anzeigenblatt "Der Wecker" Luft gemacht, war für den offenbar die Schmerzgrenze erreicht. „Wenn Herr Wacker neue Argumente hat, dann soll er sie kundtun", so der Pastor. "Wenn er keine hat, muss er zu seinem Wort stehen und das Projekt ablehnen." Im Gemeinderat hatte der Bürgermeister zuvor eingeräumt, sein Wort gebrochen zu haben. "Es geht nur um Machtpositionen", war der Kommentar Weusthoffs dazu. "Ein Kohlekraftwerk ist ein Angriff auf die Menschen der Dritten Welt", grollte der Kirchenmann noch - bekanntlich werden die Menschen dort viel stärker als hierzulande unter den Folgen des Klimawandels zu leiden haben.
Im Emsland hat das Wort eines Pastors offenbar noch großes Gewicht. In das Kraftwerksprojekt des Schweizer Energiekonzern BKW war erst kürzlich der süddeutsche Stromriese EnBW eingestiegen. Nach Wackers Rücktritt verlangt die Bürgerinitative vom Gemeinderat nun, die Kraftwerkspläne zu stoppen. "Wir hoffen, dass Wackers Rücktritt die anderen Verantwortlichen zu neuen Denkprozessen anregt", so Deters-Meissner: Ein "Weiter so" dürfe es nicht geben.
FOTO: www.saubere-energie-doerpen.de
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