BDI-Studie will Atomkraft reinwaschen
Eine vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in Auftrag gegebene Studie will den Verbrauchern die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke schmackhaft machen. Auf einen durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt käme im Jahre 2030 eine um 144 Euro geringere Stromrechnung zu, im Vergleich zu den Preisen bei einem Atomausstieg. Zudem könnten durch den Minderbedarf im Kohle- und Gasbereich bis 2020 fast 70 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden, so die Studie.
"Bei einem Atomausstieg werden die Großhandelspreise für Elektrizität bis 2030 laut Studie auf fast 90 Euro pro Megawattstunde klettern," zitiert die Welt am Sonntag die Studie der Forschungsinstitute R2B und EEFA. Bei einer Laufzeitverlängerung auf 60 Jahre hingegen blieben die Preise bei rund 70 Euro. Die gesamtvolkswirtschaftliche Kostenentlastung summiere sich in diesem Fall bis 2030 auf 256 Milliarden Euro.

"Die CDU ist natürlich gut beraten, jetzt nicht die Abkehr vom Ausstieg zu verkünden. Das käme bei den Leuten schlecht an," sagte SPD-Umweltpolitiker Matthias Miersch dem Blatt. Grünen-Chef Cem Özdemir kündigte derweil Protest gegen die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke an. Gerade erst habe das Atommülllager Asse gezeigt, dass es sich bei der Atomkraft um eine unbeherrschbare Energieform handele, zitiert das Online-Portal derwesten.de den Politiker. Auf die Frage der Kostenersparnis durch Atomenergie sagte Grünen-Fraktionschefin Künast: "Die Energiekonzerne haben jahrelang von der Billigentsorgung ihres Atommülls in der Asse profitiert."
Das seit 1965 bestehende Tiefenlager für Atommmüll soll geräumt werden. Rund 126 000 Fässer mit schwach- und mittelaktivem Atommüll werden zurückgeholt und vermutlich in den Schacht Konrad bei Salzgitter umgelagert. Die geschätzten Kosten für die Aktion gehen in die Milliarden. "Die Zeitbombe Asse ist dadurch jedoch nicht entschärft," sagte Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, dem Hamburger Abendblatt. Nach wie vor besteht die Gefahr, dass über die Laugenzuflüsse Radioaktivität in die Biosphäre gelangt.
Dessen ungeachtet hat Umweltminister Norbert Röttgen Anfang Januar bereits erste Gespräche mit den Energieversorgern (EVU) über die Verlängerung der Laufzeiten geführt, berichtet Welt-Online. "Selbstverständlich sind Gespräche mit den EVU wesentlicher Bestandteil der Erarbeitung des energiepolitischen Gesamtkonzepts." Über die Details der Gespräche sei jedoch Stillschweigen vereinbart worden.
klimaretter.info/lad
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