Der erste Flug mit Biosprit
Er nimmt es gern leicht: Richard Branson, Milliardär, Chef von diversen Firmen mit dem Stammbaum Jungfrau - englisch "Virgin" - hat sich entschlossen Klimaretter zu werden. Zum ersten Mal gelang einem Passagierflugzeug seiner Virgin Atlantic ein Testflug mit reinem Biosprit: Die britische Gesellschaft Virgin Atlantic nannte den knapp einstündigen Flug einer Boeing 747-400 von London nach Amsterdam am Sonntag einen "Durchbruch bei der Suche nach einem klimafreundlichen Flugzeug-Treibstoff".

Ist stets gut drauf: "Sir" Richard Branson
Die für den Flug über den Ärmelkanal verwendete Mischung aus Öl der Kokosnuss- und der Babassupalme sei "vielleicht keine Wunderwaffe", sagte Virgin-Gründer Richard Branson. Aber es sei der Beweis erbracht, dass große Flugzeuge "mit einem derartigen Treibstoff auch in Höhen von 10 000 Metern fliegen können". Zuvor waren Zweifel laut geworden, ob die Biomischung in solchen Höhen nicht einfrieren oder stocken würde.
Branson, den die Queen zum "Sir" geschlagen hatte, will binnen zehn Jahren 2,4 Milliarden Euro in die Entwicklung erneuerbarer Energien steckken. Das hatte der Selfmed-Milliardär 2006 auf der "Clinton Global Initiative" bekannt gegeben. Sein Vermögen - die Sunday Times beziffert es auf 4,5 Milliarden Euro - hat er hauptsächlich durch Klimazerstörung gemacht: Neben seiner Virgin Airlines und dem Virgin Express besitzt "Sir" Branson Fluglinien in den USA, Australien und Nigeria. Seine neueste Geschäftsidee heißt Virgin Galactic: Steinreiche Touristen sollen ins Weltall geschossen werden - natürlich nicht mit Agro-Sprit, sondern mit klimakillendem Öl.
Kritiker bezeichneten den Test deshalb auch als "Werbetrick", der von der Klimabelastung durch den zunehmenden Luftverkehr ablenken soll. Aber das ist das System Branson: Werbung in eigener Sache. 1986 gelang ihm die schnellste Atlantiküberquerung per Schiff mit der „Virgin Atlantic Challenger II“. 1987 folgte die erste Heißluftballonüberquerung des Atlantiks mit dem „Virgin Atlantic Flyer“. Zwischen 1995 und 1998 versuchte Branson mehrfach, die Erde per Ballon zu umrunden. 1998 gelang ihm schließlich ein Rekordflug von Marokko ostwärts bis Hawaii, er musste den Flug aber dort wegen schlechten Wetters abbrechen.
Der "Werbetrick-Vorwurf" stimmt schon deshalb, weil die Boing lediglich in einem Triebwerk mit Agrosiesel befeuert wurde. Die übrigen drei verbrannten klassisches Kerosin. Branson wollte diesen Vorwurf allerdings nicht gelten lassen. es sei jetzt der Beweis erbracht, dass Biotreibstoffe in Flughöhen von 10.000 Metern weder einfrieren noch die Motoren ins Stocken brächten. Und dass Biosptrit nicht vom Feld kommen muss (die armen Armen brauchen das ja für ihre Ernährung), ist für Branson selbstverständlich: Er läßt an einem Algen-Verfahren arbeitet.
Richard Branson gibt nicht auf. Die Frage bleibt: Ist das gut für den Klimaschutz?
Die Schlagzeilen
Am meisten gelesen
Meinungen: Kommentar
Linkspartei: Geht doch nach Beeskow!
Die Linkspartei lädt am Wochenende zu einer hochrangig besetzten Konferenz zur Energiewende nach Hamburg ein – während in Brandenburg gegen Braunkohle, CCS und die fossile Politik der Linkspartei demonstriert wird. Ein Kommentar von Hanno Böck.
[mehr...]
Was, bitte, sollen denn diese Aufkleber?
Im Redaktionsalltag gibt es immer wieder Themen und Texte, die uns besonders auffallen. Die brisanter sind als andere. Oder spannender. Oder bewegender. Mit bunten Aufklebern werden unsere Redakteurinnen und Redakteure (und gelegentlich auch Gäste) Sie künftig auf solche Texte hinweisen
Aktion des Monats
Seit drei Monaten sprudelt Öl aus der havarierten Bohrinsel von BP. Nehmen Sie an der Petition von Greenpeace teil, um neue Tiefseebohrungen zu verhindern! [mehr...] |
Aktuelles Dossier
Im August trifft sich die Weltklimadiplomatie zum dritten Mal in diesem Jahr um den nächsten großen Klimagipfel in Mexiko vorzubereiten. Mehr zur Bonner Konferenz hier [mehr...] |
Serie Reihenweise planten Stromkonzerne in Deutschland neue Kohlekraftwerke - doch rund ein Dutzend davon ist bereits verhindert worden. Gibt es Erfolgsrezepte für den Widerstand? [mehr...] | Serie Der etwas andere Blick zur Fußball-WM: Klimaretter.info beleuchtet verschiedene Aspekte der Erderwärmung, die in Afrika sichtbar sind wie auf keinem zweiten Kontinent [mehr...] |
Dosenindustrie: Greenwash-Slogans verschrottet
Mitte Juli haben wir an dieser Stelle über den Versuch der Dosenindustrie berichtet, Getränkebüchsen grün anzumalen – und so deren Wiedereinführung auf dem Markt propagandistisch zu begleiten. Kurz darauf nahm sich die Deutsche Umwelthilfe (DUH) des Themas an. Und erreichte[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Aktuelle Blogs
Klimaretter-Dossiers
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
1. Klimakonferenz 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel Cochbamba - Kopenhagen von unten
Kopenhagen 2009 - Wie der Mega-Gipfel scheiterte
Bundestagswahl - Das Klima war nur Nebensache
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung?















