Klimaschutzhilfen könnten Afrika verfehlen
Studie: Die im Copenhagen Accord zugesagten Klimaschutzhilfen müssen zusätzlich sein. Wäre dies nicht der Fall würde speziell Afrika sonst unter der Umlenkung der Mittel leiden
Aus Berlin LARS DITTMER
Unter den derzeit von den Industriestaaten zugesagten Klimaschutzhilfen für arme Länder könnte Sub-Sahara-Afrika leiden. Zu diesem Resultat kommt eine Studie des britischen Overseas Development Institute, die von ONE in Auftrag gegeben wurde, der Entwicklungslobbyorganisation des irischen Rockstars Bono. Sollten nicht tatsächlich neue und zusätzliche Mittel ausgeschüttet werden, werde dies eine massive Umlenkung heutiger Finanzhilfen zur Folge haben - nach Sektoren, aber auch regional.

Feldbau in Darfur (Quelle: Wikipedia)
Im Copenhagen Accord, dem lediglich "zur Kenntnis" genommenen Minimalkompromiss des Weltklimagipfels in Kopenhagen, ist festgehalten, dass die Industriestaaten den armen Ländern neue und zusätzliche ("new and additional resources") Mittel zur Begegnung des Klimawandels bereit stellen sollen. Bis 2012 sollen 30 Milliarden US-Dollar ausgeschüttet werden. Bislang haben die EU, Japan und die USA konkrete Soforthilfen in Aussicht gestellt. Noch völlig offen sind die langfristigen Klimahilfen, die von der UN bis 2020 auf jährlich 100 Milliarden US-Dollar geschätzt werden.
Ob diese Mittel allerdings tatsächlich "neu und zusätzlich" sein werden, ist bislang noch nicht geklärt. Genau dies könnte für die afrikanischen Länder südlich der Sahara massive Einbußen bedeuten, warnt Studienautorin Jessica Brown. Falls bereits bewilligte Gelder nur umgeleitet würden, bedeute das vor allem eine Umschichtung von Geldern für die Sektoren Gesundheit und Erziehung.
Auch regional würde sich die Mittelzuteilung verschieben - profitieren würden davon Asien und Mittelamerika, die durch ihre Anpassungsprogramme an den Klimawandel derzeit höhere Bedarfe haben. Unter beiden Punkten würden überproportional Gelder umgeschichtet, die derzeit noch an Sub-Sahara-Afrika-Länder gehen. Wolle man den Ländern südlich der Sahara tatsächlich im Kampf gegen den Klimawandel helfen, müssten die Mittel tatsächlich zusätzlich sein, argumentiert die Studie.
Deutschland wird diesem Anspruch aller Voraussicht nach nicht gerecht. Der deutsche Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel plant, die Klimaschutzhilfen auf die Milleniumsziele anzurechnen. Diese im Jahr 2000 von der UN beschlossenen Entwicklungsziele sehen eigentlich vor, die Armut weltweit zu reduzieren und den Hunger bis 2015 zu halbieren.
Im Rahmen dieser Vereinbarung hat Deutschland zugesagt, 0,7 Prozent des Bruttoinlandproduktes zur Armutsbekämpfung bereit zu stellen. Da bislang aber nur 0,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes jährlich in die Entwicklungshilfe fliessen, hiesse "zusätzlich und neu", dass die restlichen 0,4 Prozent als Klimaschutzhilfen draufgelegt werden. Versprochene Gelder würden so umdeklariert. Auch Großbritannien hat eine solche Umlenkung der Entwicklungshilfen zugegeben.
Die Schlagzeilen um 07 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Etscheits Alltagsstress
Danke, lieber Fritz Vahrenholt! Energiekonzerne können bohren, fracken und teersanden so viel sie wollen, ohne dass ihnen linksradikale Umweltschützer noch in die ölige Suppe spucken können. Alles wird gut. Vielen Dank, liebe Sonne! Vielen Dank, Fritz Vahrenholt! [mehr...]
Meinungen: Kommentar
Keine Blackout-Angst Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]
Jahresrückblick
2011: Das Jahr der Rekorde
Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Hamburger Mucken auf. Neuer Schmelzrekord in der Aktis, neuer Emissionsrekord in der Atmosphäre und so viel Flugpassagiere wie noch nie - der Jahresrückblick 2011. [mehr]
Aktion des Monats In den USA formieren sich Lobbyisten nachdem US-Behörden dem Gitarrenbauer Gibson die Einfuhr von illegalen Tropenhölzern nachweisen konnten. Vorn dabei: Die rechtskonservative Tea Party. Gemeinsam wollen diese das Lacey-Gesetz, dass den Import der Tropenhölzer für illegal erklärt, kippen. [mehr] | Durban 2011 Was war die 17. UN-Klimakonferenz - eine weitere Pleite der Diplomatie oder der Startschuss für das bitter nötige globale Klimaabkommen? Alle Berichte unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Südafrika können Sie im Durban-Dossier nachlesen. [mehr] |
Neue Klimaretter-Serie
Die Gesetze der Energiewende
Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist.
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | In eigener Sache Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann unterstützen Sie uns, denn unabhängiger Journalismus kostet Geld. Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Bild & Vahrenholt: Die Lüge von der CO2-Lüge
Der Chef des Springer-Verlags, Matthias Döpfner, hat vor Jahren mal über sein Boulevardblatt Bild gesagt: „Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.“ Das betrifft offenbar nicht nur Promis, sondern auch[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13






