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Wissenschaftler: Arktis in 20 Jahren eisfrei

Neue Warnungen aus der Arktis: Schon in 20 Jahren könnte das Gebiet um den Nordpol im Sommer komplett eisfrei sein. Das schätzt Peter Wadhams, Professor für Meeresphysik an der Cambridge-Universität. Zur Zeit ist er mit Wissenschaftlern und Umweltschützern auf dem Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise unterwegs um die Veränderungen des nördlichen Eisschildes zu untersuchen.

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Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise ist unterwegs. An Bord: Cambridge-Professor Peter Wadhams. (Foto: Steve Morgen / Greenpeace)

Die Arktis gehört zu den Regionen, die besonders stark vom Klimawandel betroffen sind, die Temperaturen steigen hier noch schneller als im weltweiten Durchschnitt. In den letzten 10 Jahren war es so warm wie seit zwei Jahrtausenden nicht mehr. Das bleibt nicht ohne Folgen: Die Eisdecke schrumpft dramatisch. Im Juli ist sie täglich um die dreifache Fläche Belgiens zurückgegangen. In diesem Jahr könnte somit nach 2007 ein neuer Rekordtiefstand erreicht werden.

Cambridge-Professor: Veraltete Modelle zur Berechnung der Eisschmelze

Wenn es so weitergeht, könnte im Sommer 2030 vom Eis nichts mehr zu sehen sein. Cambridge-Professor Wadhams sagt, man könne sich nicht auf gängige Modelle zur Vorhersage der Eisschmelze verlassen, die bereits seit den 80er Jahren veraltet seien. Tatsächlich wurde lange Zeit davon ausgegangen, dass es noch rund einhundert Jahre dauern würde, bis die Arktis eisfrei ist. Im April diesen Jahres haben dann US-Wissenschaftler eine Studie veröffentlicht, nach der dieser Zeitpunkt bereits in 30 Jahren erreicht sein wird.

Dass es nun vielleicht schon in 20 Jahren so weit ist, nutzt die Umweltorganisation Greenpeace, um ihre Forderungen nach drastischen Klimaschutz-Maßnahmen zu bekräftigen: Die Industrieländer müssten ihren Treibhausgas-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent senken, verlangt Melanie Duchin. Außerdem sollten sie den Entwicklungsländern 140 Milliarden Euro jährlich zahlen - zur Anpassung und für den Kampf gegen den Klimawande. "Weniger tun hieße die Warnungen zu ignorieren, die wir in der Arktis und anderswo sehen."

Arktis könnte ab 2050 zur Kohlenstoffquelle werden

Die Erwärmung der Arktis hat aber auch andere Folgen: Die Permafrostböden tauen auf, das eingelagerte organische Material zersetzt sich und das Abbauprodukt Kohlendioxid gelangt in die Atmosphäre. Das ist allerdings schlecht fürs Klima, denn das Treibhausgas Kohlendioxid beschleunigt den Treibhauseffekt. Auf der anderen Seite führen die höheren Temperaturen in der nördlichen Region dazu, dass Pflanzen mehr Fotosynthese betreiben und somit der Atmosphäre Kohlendioxid entziehen.

Wissenschaftler vom Schnee- und Eisdatenzentrum der USA haben ausgerechnet, welcher Effekt überwiegt. Ergebnis: In Zukunft werden die Permafrostböden zu einem ernsthaften Problem. In rund 40 Jahren sei der Punkt erreicht, ab dem die Arktis zur Kohlenstoffquelle wird, sagte Kevin Schaefer dem Deutschlandfunk zum Abschluss der internationalen Kohlendioxidkonferenz in Jena.

Die Wissenschaftler sind von einer Erwärmung um vier Grad ausgegangen - laut Schaefer könnten die Temperaturen in der Nordpolarregion sogar noch stärker ansteigen. Aber auch wenn das Ziel erreicht würde, den Temperaturanstieg auf zwei Grad über vorindustriellem Niveau zu begrenzen, müsse man befürchten, dass die Arktis den Klimawandel bald noch zusätzlich anheizt.

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