Eine Ohrfeige für die dena
Im deutschen Stromnetz droht in den nächsten Jahrzehnten keine Versorgungslücke – wenn sich alle an die beschlossenen Klimaschutzziele der Bundesregierung halten. Das ist das Ergebnis einer Studie der Aachener Beratungsfirma EUtech im Auftrag von Greenpeace, die heute in Berlin vorgestellt wurde. Die Umweltorganisation widersprach explizit einem Gutachten der halbstaatlichen Energieagentur dena, die im Frühjahr – im Gleichklang mit den großen Energieversorgern und Unionspolitikern – vor einer solchen „Stromlücke“ gewarnt hatte.
Diese „Angstmache“ von dena und Stromkonzernen, so Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling, sei durch „einseitige Annahmen konstruiert“ worden. Die Ermessensspielräume bei der Projektion von Energieverbrauch und -erzeugungskapazitäten seien „zielgerichtet in diese Richtung“ ausgereizt worden. Katja Barzantny von EUtech kritisierte die dena-Studie in mehreren Punkten: So sei beim Energieeinsparen ein niedrigerer Wert angesetzt worden als in den Plänen der Bundesregierung (6,7 Prozent statt 11 Prozent bis 2020) – dieser falsche Wert aber als „Energieprogramm Bundesregierung“ benannt worden. Auch seien für hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplungs-Kraftwerke (KWK-Anlagen) „sehr zweifelhafte“ Annahmen getätigt worden – sowohl die Zahl der Kraftwerke, als auch deren Verfügbarkeit liege zu niedrig. Zudem seien die Erneuerbaren Energien fehlerhaft in die dena-Studie eingeflossen.
Im Ergebnis war die dena zum Schluss gekommen, dass durch eine Verlängerung von Akw-Laufzeiten oder mit neuen Kohlekraftwerken gegengesteuert werden müsse. (Ganz im Sinne von E.on und RWE, die laut Greenpeace die Studie mitfinanziert hätten.) Die Greenpeace-Studie, in der sämtliche Annahmen erläutert werden, kommt hingegen zum Ergebnis, dass eine Stromlücke „nicht zu erwarten ist“. Im Gegenteil ergäben sich „bei Einhaltung des von der Bundesregierung vorgegebenen Klimaschutzziels im Bereich Energieeffizienz“ und beim Verzicht auf Stromexporte sogar „Überkapazitäten in einer Größenordnung von rd. 9 GW“. Das entspricht etwa zwölf der heute üblichen Großkraftwerken. Selbst bei einem noch schnelleren Atomausstieg als unter Rot-Grün beschlossen „gibt es keine Deckungslücke“.
Böhling sagte: „Es ist ein starkes Stück, dass sich die dena von der Politik der Bundesregierung distanziert.“ Die gegenwärtige Debatte um Atomausstieg und Privilegien für Kohlekraftwerke beim Emissionshandel seien gefährlich für die Energiezukunft Deutschlands: „Wer investiert denn in KWK-Anlagen, wenn der Atomausstieg kippt und es weitreichende Ausnahmen beim Emissionshandel gibt?“ Die Renditen bei Gaskraftwerken seien leider „etwas geringer“ als bei abgeschriebenen Atommeilern oder Kohlekraftwerken ohne strenge Auflagen.
Fotos: Reimer
Die EUtech-Studie im Auftrag von Greenpeace zum Herunterladen
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