Auszeichnungen Nominiert für den Grimme Online Award in der Kategorie Information .info Award 2010 Gewinner des Deutschen Solarpreises 2009 Umwelt-Medienpreis 2008
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Eine Ohrfeige für die dena

Im deutschen Stromnetz droht in den nächsten Jahrzehnten keine Versorgungslücke – wenn sich alle an die beschlossenen Klimaschutzziele der Bundesregierung halten. Das ist das Ergebnis einer Studie der Aachener Beratungsfirma EUtech im Auftrag von Greenpeace, die heute in Berlin vorgestellt wurde. Die Umweltorganisation widersprach explizit einem Gutachten der halbstaatlichen Energieagentur dena, die im Frühjahr – im Gleichklang mit den großen Energieversorgern und Unionspolitikern – vor einer solchen „Stromlücke“ gewarnt hatte.

 

strommasten-nick.jpg


Diese „Angstmache“ von dena und Stromkonzernen, so Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling, sei durch „einseitige Annahmen konstruiert“ worden. Die Ermessensspielräume bei der Projektion von Energieverbrauch und -erzeugungskapazitäten seien „zielgerichtet in diese Richtung“ ausgereizt worden. Katja Barzantny von EUtech kritisierte die dena-Studie in mehreren Punkten: So sei beim Energieeinsparen ein niedrigerer Wert angesetzt worden als in den Plänen der Bundesregierung (6,7 Prozent statt 11 Prozent bis 2020) – dieser falsche Wert aber als „Energieprogramm Bundesregierung“ benannt worden. Auch seien für hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplungs-Kraftwerke (KWK-Anlagen) „sehr zweifelhafte“ Annahmen getätigt worden – sowohl die Zahl der Kraftwerke, als auch deren Verfügbarkeit liege zu niedrig. Zudem seien die Erneuerbaren Energien fehlerhaft in die dena-Studie eingeflossen.

Im Ergebnis war die dena zum Schluss gekommen, dass durch eine Verlängerung von Akw-Laufzeiten oder mit neuen Kohlekraftwerken gegengesteuert werden müsse. (Ganz im Sinne von E.on und RWE, die laut Greenpeace die Studie mitfinanziert hätten.) Die Greenpeace-Studie, in der sämtliche Annahmen erläutert werden, kommt hingegen zum Ergebnis, dass eine Stromlücke „nicht zu erwarten ist“. Im Gegenteil ergäben sich „bei Einhaltung des von der Bundesregierung vorgegebenen Klimaschutzziels im Bereich Energieeffizienz“ und beim Verzicht auf Stromexporte sogar „Überkapazitäten in einer Größenordnung von rd. 9 GW“. Das entspricht etwa zwölf der heute üblichen Großkraftwerken. Selbst bei einem noch schnelleren Atomausstieg als unter Rot-Grün beschlossen „gibt es keine Deckungslücke“.

Böhling sagte: „Es ist ein starkes Stück, dass sich die dena von der Politik der Bundesregierung distanziert.“ Die gegenwärtige Debatte um Atomausstieg und Privilegien für Kohlekraftwerke beim Emissionshandel seien gefährlich für die Energiezukunft Deutschlands: „Wer investiert denn in KWK-Anlagen, wenn der Atomausstieg kippt und es weitreichende Ausnahmen beim Emissionshandel gibt?“ Die Renditen bei Gaskraftwerken seien leider „etwas geringer“ als bei abgeschriebenen Atommeilern oder Kohlekraftwerken ohne strenge Auflagen.

 

Fotos: Reimer

Die EUtech-Studie im Auftrag von Greenpeace zum Herunterladen


comments powered by Disqus
Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

Übrigens: Guter Journalismus kostet...

Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.

Spendenkonto

Spendenkonto
 

Werbung

Werbung

Meinungen: Etscheits Alltagsstress

Trachtenwahn mit Umweltsiegel

BildOb Bayer oder Nicht-Bayer: Tracht zu tragen ist auf dem Münchner Oktoberfest inzwischen ungeschriebenes Gesetz – auch wenn die Krachlederne mitnichten aus den heimischen Gefilden, sondern aus China kommt. Immerhin kann so die ganze schmutzige Herstellung das bayerische Reinheitsgebot nicht gefährden.
Eine Kolumne von Georg Etscheit
[mehr...]

Meinungen: Kommentar

Keine Wahl fürs Klima

BildKräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich alles oder es bleibt wie es ist. In Brandenburg regieren weiter die Braunkohle-Fans und nur in Thüringen gibt es einen Funken Hoffnung auf einen Neuanfang. Allerdings sind der aufkommende Populismus und die hohen Nichtwählerzahlen eine echte Gefahr für die Klimadebatte und für die Energiewende im Land.
Ein Kommentar von Susanne Götze
[mehr...]

mehr...

Bild
Dossier

Ban-Ki-Moon-Gipfel in New York

Am 23. September treffen sich in New York die Staatschefs bei UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zum Klima-Sondergipfel, um den Weg zu einem neuen, globalen Klimavertrag zu bereiten, der 2015 in Paris unterschrieben werden soll. Aktivisten planen die weltgrößte Klimademo. Klimaretter.info ist bei beiden Ereignissen vor Ort. [mehr...]

Aufmacherbild
Aktion des Monats

"Fünf Minuten Welt retten"

Ein gemeinnütziges Gewinnspiel geht neue Wege, um die großen Energieeffizienz-Potenziale zu heben, die im Haushalt vor sich hinschlummern. "Klima sucht Gewinner!" wurde vor Kurzem gestartet und verbindet ein Strategiespiel mit dem spielerischen Wissens­erwerb für die Energiewende. [mehr...]

In eigener Sache
Unterstützen Sie guten Journalismus

Unabhängiger Journalismus braucht Förderer. Der Klimawissen e.V. unterstützt die Arbeit des Online-Magazins klimaretter.info. Werden Sie Fördermitglied oder spenden Sie für die Berichterstattung!

Aktuell finanzieren unsere Leser_innen rund eine viertel Redakteursstelle. Außerdem haben sie zuletzt die Berichterstattung zur Klimakonferenz in Warschau ermöglicht. [mehr...]

Werbung

Werbung


Verlagssonderveröffentlichung
Enspire Award 2014: 5.000 Euro für nachhaltige Projekte
BildDer nachhaltige Umgang mit Ressourcen und ein daraus resultierender Lebensstil werden immer wichtiger. Umweltbewusste Kunden setzen daher auf den bundesweiten Ökostromanbieter Enspire. Die Ökostrom-Marke der Stadtwerke Konstanz verbindet die Lieferung nachhaltiger Energie mit exklusiven Mehrwerten. Kunden von Enspire können finanziell durch eine Beteiligung an den Konstanzer Stadtwerken von der Energiewende profitieren. Dafür erhalten sie auf eine Mindesteinlage von 500 Euro einen festen Zinssatz von 2,5 Prozent pro Jahr. [mehr...]

Stahlbranche: Dünne Replik

Zuletzt hatten wir uns vor der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes – zum wiederholten Male – mit der Anti-EEG-Kampagne der Stahllobby befassen müssen. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl fühlte sich danach bemüßigt, auf ihrem eigenen Blog eine „Replik“ zu veröffentlichen. Diese beginnt so: Nun lernen wir[…] [mehr...]

Klimaretter-Dossiers

Degrowth 2014 - Kongress der Wachstumskritiker
EEG 2014
 - Was sich für wen ändert
Grünes Geld
 - So legen Sie Ihr Geld gut grün an
Atomkatastrophe Fukushima
 - Drei Jahre danach
Ästhetik der Energiewende - Alles verspargelt?
Sotschi 2014 - Winterspiele in den Subtropen
Koalitionsvertrag 2013 - Schlimmer als befürchtet
Volksentscheid in Hamburg - Rückkauf der Netze
Bundestagswahl 2013 - Energiewende auf der Kippe
Zukunft des EEG - Die Debatte zum "EEG 2.0"
EEG-Umlagebefreiung - Ausnahmen als Regel
Die Gesetze der Energiewende
 - Eine Analyse
Atomkraft nach Fukushima - Weltweites Innehalten 
25 Jahre Tschernobyl - Nichts gelernt aus dem GAU?
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E 10 und das Politikversagen - Wie es nun weitergeht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategien - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Gekippte Kohlekraftwerke - Ausgekohlt
Nordrhein-Westfalen-Wahl 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima ist Nebensache
Die Meseberg-Beschlüsse - Merkels Klimabilanz
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung

Klimakonferenz-Specials

Berlin Juli 2014 - Der fünfte "Petersberger Dialog"
Bonn Juni 2014 - Die neue Ernsthaftigkeit
Was Warschau wert ist - Meinungen und Analysen
Warschau November 2013 - COP 19 in Polen
Warschau-Countdown - Die Welt vor Warschau
Bonn Juni 2013 - Kein Sinn für Dringlichkeit
Was Doha wert ist - Meinungen und Analysen
Doha Dezember 2012 - COP 18 in Katar
Doha-Countdown - Die Welt vor Doha
Durban Dezember 2011 - COP 17 in Südafrika
Durban-Countdown - Die Welt vor Durban
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - COP 16 in Mexiko
Cancún-Countdown - Die Welt vor Cancún
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Kopenhagen Dezember 2009 - COP 15
Kopenhagen-Countdown - Vor dem Supergipfel 

Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznań Dezember 2008 - COP 14 in Polen
Bali Dezember 2007 - COP 13 in Indonesien


Werbung


Ressorts

Politik

Bild
Eine Lanze für "Joint Implementation"

UN-Komitee fordert die Staaten auf, das Instrument zur Klimakompensation beim nächsten Klimagipfel wiederzubeleben [mehr...]
Energie

Bild
Korrektur: Solaranlagen liefern mehr

Die Sonne scheint in Deutschland stärker als noch vor 30 Jahren, deshalb wurde der Ertrag unterschätzt [mehr...]
Wirtschaft

Bild
Weltbank will Klimakompensation

Die Weltbank-Klimabeauftragte erhofft sich vom Klimagipfel in New York mehr Anreize für Emissionshandelssysteme [mehr...]
Mobilität

Bild
Öko-Gas auch für Autos

Biogas könnte nicht nur Ökostrom speichern, sondern auch Autos antreiben [mehr...]
Forschung

Bild
Fracking kontaminiert Trinkwasser

Eine neue US-Studie zeigt, dass unsachgemäße Fracking-Bohrungen für die Kontamination von Trinkwasser verantwortlich sein können [mehr...]
Umwelt

Bild
Bothel: Häufiger Krebs bei Männern

Männer in niedersächsischer Gemeinde erkranken deutlich häufiger an Krebs. Zusammenhang mit Erdgasförderung noch unklar [mehr...]
Konsum

Bild
Verpackungsfreier Supermarkt eröffnet

Als erster in Deutschland verkauft der Laden "Original unverpackt" in Berlin alle Produkte ohne Einwegverpackung [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar

Bild
Keine Wahl fürs Klima

Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich alles oder es bleibt wie es ist. In Brandenburg regieren weiter die Braunkohle-Fans und nur in Thüringen gibt es einen Funken Hoffnung auf einen Neuanfang. Allerdings sind der aufkommende Populismus und die hohen Nichtwählerzahlen eine echte Gefahr für die Klimadebatte und für die Energiewende im Land.
Ein Kommentar von Susanne Götze
[mehr...]
Standpunkte

Bild
Die Revolution der Erneuerbaren

Es ist noch gar nicht so lange her, da haben die Energiekonzerne über die Erneuerbaren gespottet und gelächelt. Nun müssen die großen Vier reihenweise ihre Kraftwerke abschalten – weil sie sich nicht mehr lohnen. Gut so, je mehr desto besser.
Ein Standpunkt von Franz Alt
[mehr...]
Rezension

Bild
Der organische Sound des Regenwalds

Von den polyphonen Gesängen der Baaka berührt, beschließt der US-Amerikaner Louis Sarno bei den Pygmäen in Zentralafrika zu leben und ihre Musik auf Tonband aufzuzeichnen. Doch selbst die intensiven Bilder der preisgekrönten Dokumentation Song from the Forest können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Sarno noch immer ein Eindringling ist. Am Donnerstag ist der Film in den Kinos angelaufen.
Eine Rezension von Sandra Kirchner
[mehr...]
Kolumnen

Bild
Wenn der Regen aufs Dach trommelt

In diesem Sommer ist Unwetter der Normalzustand. Auch wenn wir meinen, alles bestens im Griff zu haben: Es gibt sie noch, die Elemente. Manchmal meinen sie es gut mit uns, manchmal zeigen sie uns, wo der Hammer hängt.
Eine Kolumne von Georg Etscheit
[mehr...]
Überraschung der Woche

Bild
Kommissare von gestern, Atommüll von morgen und das Wetter

Kalenderwoche 37: Die Politik legt den ökologischen Rückwärtsgang ein. Das scheint für die internationalen Klimaverhandlungen genauso zu gelten wie für die neue EU-Kommission, befürchtet Michael Müller, SPD-Vordenker, Ko-Vorsitzender der Endlagerkommission und Mitherausgeber von klimaretter.info. [mehr...]