Luftverkehr will Agrosprit fördern
Eine neue Einrichtung soll Agrotreibstoffe für den Luftverkehr fördern. Ins Leben gerufen haben die "Aviation Initiative for Renewable Energy in Germany" (AIREG) Forschungseinrichtungen, Fluglinien und Produzenten von Agrosprit.

Lufthansa und Co. gründen Initiative zur Förderung von Agrotreibstoff für Flugzeuge. (Foto: Michael Schulze von Glaßer)
Zur Gründungsfeier am Mittwoch in Berlin war auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) geladen. "Der Verkehr muss seinen Teil leisten, um unsere Klimaschutzziele zu erreichen. Auch die Luftverkehrsbranche hat diese Herausforderung angenommen und Maßnahmen ergriffen, um Treibhausgase zu reduzieren", sagte der Minister. "Biokraftstoffe können neben der Entwicklung effizienter Flugzeuge und Triebwerke einen Beitrag dazu leisten." Zu den Gründungsmitgliedern gehören unter anderem die Lufthansa, Air Berlin, Condor. Außerdem die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und das Forschungszentrum Jülich. Seitens der Agrosprit-Industrie ist VERBIO Vereinigte BioEnergie AG beteiligt.
Klimaschäden durch Flugverkehr werden verharmlost
Der neuen Initiative zufolge beträgt der Anteil der Luftfahrt an den von Menschen verursachten Kohlendioxid-Emissionen rund zwei Prozent – mit steigender Tendenz. Die Branche habe sich deshalb verpflichtet, ab 2020 ein "CO2-neutrales Wachstum" zu erreichen und bis 2050 die Emissionen im Vergleich zu 2005 zu halbieren. Mit der Orientierung an diesem späten Basisjahr (statt am weltweit üblichen Referenzpunkt für Klimaziele, nämlich 1990) vermeidet die Flugindustrie tiefe Einschnitte. Und der reine Blick auf Kohlendioxid verharmlost die Klimaschäden der Luftfahrt, denn sie sind wegen anderer Schadstoffe etwa drei bis fünfmal so hoch wie die reinen CO2-Emissionen.
Den ersten Passagierflug mit reinem Agrosprit unternahm die britische Gesellschaft Virgin Atlantic im Februar 2008. Die Lufthansa wollte in diesem April erstmalig einen Airbus mit Agrosprit betankten. Das hat das Unternehmen aber auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Kerosingemisch habe noch keine Zulassung erhalten, so ein Sprecher der Fluglinie. Zusätzliche Untersuchungen zum Kälteverhalten des Treibstoffs seien notwendig.
Umweltschützer kritisieren den Einsatz von Agrosprit: Der Agrotreibstoffproduzent Neste Oil, der die Lufthansa beliefern soll, erhielt im Januar den Public Eye Award 2011. Damit zeichnen Greenpeace Schweiz und die entwicklungspolitische Organisation "Erklärung von Bern" Unternehmen mit besonders menschen- und umweltverachtenden Geschäftspraktiken aus. Neste Oil beziehe Palmöl von einem Hersteller, der "in illegalen Holzeinschlag, Brandrodungen und Vernichtung von Orang-Utan-Gebieten" verwickelt sei, hieß es bei der Verleihung des Preises.
klimaretter.info/jot
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