Deutschland blockiert Klimaziele für Kleinlaster
Deutschland blockiert schärfere Klimaziele für Kleintransporter in der Europäischen Union. Statt wie vorgesehen den Grenzwert von leichten Transportern bis zum Jahr 2020 auf 135 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer zu reduzieren, plädiert Deutschland einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge gemeinsam mit Frankreich und drei weiteren kleinen Ländern, in denen Autos produziert werden, für eine Senkung auf gerade einmal 155 Gramm. Umweltverbände krisieren, die Bundesregierung stelle die Interessen der Auto-Lobby über das Wohl der Bürger.

Mercedes Sprinter - Kleintransporter sollen in der EU nur noch 140 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen, die Bundesregierung wehrt sich aber dagegen. (Foto: Daimler)
Im September hatte der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments den Grenzwert von 135 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer auf 140 Gramm angehoben. Das alleine reicht Deutschland aber offensichtlich nicht. Die von der Bundesregierung nun befürworteten 155 Gramm hält die belgische Ratspräsidentschaft für absurd, fürchtet jedoch, dass sich die Mitgliedstaaten auf einen solchen Grenzwert einigen könnten, "der vollkommen nutzlos ist, weil er keine technologischen Verbesserungen bringt", sagte ein belgischer Regierungsvertreter in der Süddeutschen.
Jürgen Resch, Chef der Deutschen Umwelthilfe (DUH), kritisierte die Bundesregierung, sie betreibe wiederholt Lobby-Politik: "Wie beim Atomausstieg vertritt Merkel die Interessen großer Konzerne". Die Automobil-Industrie könne sich auf die Bundesregierung verlassen, dass diese ihr in der EU den Weg frei räume. "Das schadet in diesem Fall nicht nur dem Klima, sondern verlängert auch die Bedrohung der Bürgerinnen und Bürger durch übermotorisierte Renn-Transporter in die Zukunft, die mit Tempo 200 über deutsche Autobahnen brettern." Michael Ziesak, Vorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD): "Jedes Mal wenn es darum geht, Klimaschutz ernst zu nehmen und in praktische Politik umzusetzen, knicken Merkel & Co. ein."
Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass sich Deutschland im Interesse der Auto-Industrie gegen höhere Klimaziele querstellt. Bereits 1997 scheiterte eine EU-weite Begrenzung der Klimagasemissionen für Pkw an der Bundesregierung unter Helmut Kohl (CDU). Damals war Angela Merkel (CDU) Umweltministerin.
klimaretter.info/jot
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