Röttgen braucht mehr Agro im Benzin
Folgende Ankündigung erreichte die Redaktion an diesem Sonntag aus dem Bundesumweltministerium: "Ab Januar 2011 wird an deutschen Tankstellen Benzin mit bis zu 10 Prozent Bioethanolanteil angeboten. Das Bundeskabinett beschließt am kommenden Mittwoch, den 27. Oktober 2010, eine entsprechende Verordnung und setzt damit die europäische Richtlinie über die Kraftstoffqualität um." Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU): "Wir wollen mit der Erhöhung des aus Pflanzen gewonnenen Biosprits den Kohlendioxid-Ausstoß der Autoabgase senken und damit auch die knapper werdenden Erdölreserven schonen."

E10 steht für die Ethanol-Beimischung von bis zu 10 Prozent aus Getreide, Mais oder Zuckerrohr. (Foto: Michael Schulze von Glaßer)
Übersetzt bedeutet das: Ab Januar soll eine neue Benzinart Namens "E10" an den Tankstellen zapfbar sein. "E" steht für Ethanol, die Zahl "10" für 10 Prozent. Bisher betrug der Ethanolanteil im Benzin bis zu 5 Prozent. Anfang vergangenen Jahres hatte die fossile Kraftstofflobby noch erfolgreich eine engagierte agrogene Treibstoff -Politik der EU unterwandert. Eine der Speerspitzen in Deutschland gegen den Agrotreibstoff war seinerzeit der ADAC. Im Februar 2008 hatte der ADAC vorgerechnet, dass mindestens 1,5 Millionen ältere Fahrzeuge wegen Unverträglichkeit dieser Mischung für die Motoren auf das besonders teure Super-Plus-Benzin umsteigen müssten.
Jetzt erklärt der ADAC einvernehmlich: "Etwa 90 Prozent aller benzinbetriebenen Autos können E10 ohne Einschränkungen tanken. Neufahrzeuge sind in der Regel E10-tauglich. Fahrerinnen und Fahrer benzinbetriebener Fahrzeuge sollten sich vor dem ersten Betanken mit E10 vergewissern, dass ihr Fahrzeug E10 verträgt." Die Einführung von E10 wird durch eine Verordnung geregelt, die am kommenden Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossen werden soll; danach werden die Bundesländer über den Bundesrat beteiligt. Das ganze Verfahren wird voraussichtlich bis Mitte Dezember abgeschlossen sein.
klimaretter.info/reni
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 01 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Rezension
Die Übermacht der fossilen Industrie In Bonn wird auf der UN-Frühjahrstagung gerade wieder über das Klima verhandelt. Ein umweltverträglicher Kapitalismus ist jedoch nicht abzusehen. Aber auch die Kritiker tun sich schwer - ihnen fehlen die Alternativen. Eine Rezension von Felix Werdermann [mehr...]
Meinungen: Standpunkte
"Altmaier muss die Energiewende retten" Nun ist es amtlich: Der Bundespräsident hat Norbert Röttgen (CDU) entlassen und Peter Altmaier (CDU) seine Ernennungsurkunde zum Umweltminister überreicht. Dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nun einen ihrer engsten Vertrauten für das Projekt Energiewende ins Rennen schickt, ist wichtig für die Kontiunität der Energiewende und für das Kräftespiel zwischen Wirtschafts- und Umweltministerium, findet klimaretter.info-Herausgeber Gero Lücking. [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13





Die Einführung von E10 scheint ein Flop: Die Mineralölwirtschaft zögert bei der Umstellung und verweist auf streikende Spritkunden. Umweltminister Norbert Röttgen kritisiert das "Durcheinander", Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) ruft zum Benzin-Gipfel.
Bundesregierung und ADAC fordern bessere Aufklärung - 90 Prozent der Fahrzeuge sind für Agrotreibstoff ausgerichtet
Regenwald-Zerstörung über die Tankstelle: Für die Herstellung von Agrodiesel werden in Indonesien und Argentinien Urwälder gerodet
Der Absatz von reinem Agrodiesel ist 2011 fast vollständig eingebrochen. Und auch die Markteinführung des Agrotreibstoffs E10 entpuppte sich als Flopp. Wo steht die deutsche Agrokraftstoffbranche zur Zeit? Die Verbände der Mobilität vom Acker ziehen Bilanz.
Benzin-Gipfel in Berlin: Bunderegierung, Wirtschaft und Ölindustrie schieben sich gegenseitig die Schuld am Versagen bei der Markteinführung von E10 zu. Eine breit angelegte Informationskampagne soll nun Abhilfe schaffen.
In Afrika nimmt die illegale Landnahme zu. Genutzt wird das Land vor allem von ausländischen Firmen, die Agrotreibstoffe für den europäischen Markt herstellen. Einer neuen Studie zufolge sind mindestens fünf Millionen Hektar Land betroffen
Trotz Benzingipfel der Regierung und trotz der angekündigten "Infokampagne" bleibt Agrosprit ungetankt
Forschungseinrichtungen, Fluglinien und Produzenten von Agrosprit gründen "Aviation Initiative for Renewable Energy in Germany"/Kritik von Umweltschützern
Autofahrer haben ab 2011 an der Tankstelle die Wahl: Auch Agrosprit mit 10-Prozent-Beimischung an der Zapfsäule
Public Eye Award für Neste Oil: menschen- und umweltverachtende Geschäftspraktik "ausgezeichnet"
Bis 2020 will die EU den Anteil der erneuerbaren Energien im Verkehrssektor auf zehn Prozent erhöhen. Hierfür soll vor allem mehr Agrosprit in europäische Tanks fließen. Die Kommission hat heute sieben freiwillige Zertifizierungssysteme anerkannt, die garantieren sollen, dass die Herstellung der Treibstoffe keinen Schaden anrichtet.
Mais ist in Mexiko Grundnahrungsmittel wird immer teuerer. Dennoch wollte die Regierung auch die Produktion von Agrosprit aus Mais vorantreiben - eine entsprechende Gesetzesreform ist jedoch vorerst gescheitert. Aus Mexiko-Stadt Daniela Pastrana
US-Landwirtschaftsminister Tom Vilsack will mit neuem Programm zur Unterstützung von Biomasse (BCAP) Arbeitsplätze schaffen, dem Klimawandel entgegenwirken und die Wirtschaft fördern
Ölkonzern BP kündigt an, die Kosten des E10-Flops an die Kunden weiterzureichen



