Undurchsichtige Dienstwagenpolitik
88 mal die rote Karte für Auskunftsmuffel: In Sachen Klimaschutz machen deutsche Unternehmen in Image-Broschüren gerne auf umweltbewusst und nachhaltig. Auf die konkrete Anfrage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zur Firmenwagenpolitik legen jedoch gerade einmal 17 von 115 befragten Unternehmen Spritverbrauch und CO2-Ausstoß ihrer Dienstwagen offen, zehn weitere machten immerhin teilweise Angaben. Das Fazit der Umweltschützer bei der Veröffentlichung ihrer Erhebung am Freitag in Berlin: Nachhaltigkeitsbeteuerungen halten dem Realitätscheck oft nicht stand.

Der Vorstand der Phoenix Solar AG fährt nicht diesen, aber einen Audi A4 2.0 TDI mit einem Kohlendioxid-Ausstoß von 129 Gramm pro Kilometer. (Foto: Audi)
Spitzenreiter mit den niedrigsten Kohlendioxid-Emissionen bei Vorstandsfahrzeugen und Dienstwagenflotte unter den auskunftswilligen Unternehmen sind das Solarunternehmen Phoenix Solar und die Deutsche Bahn AG. Phoenix Solar steht sowohl mit einem CO2-Wert für die Firmenflotte von 127 Gramm CO2 pro Kilometer an der Spitze als auch mit 129 Gramm für das Vorstandsfahrzeug.
Die Deutsche Bahn gibt sogar einen durchschnittlichen CO2-Wert für die Fahrzeugflotte von nur 125 Gramm CO2 pro Kilometer und 152 Gramm für den Gesamtvorstand an. Bahnchef Grube fährt allerdings einen Wagen mit einem Kohlendioxid-Ausstoß von 191 Gramm pro Kilometer und damit nur im Mittelfeld. Insgesamt schnitt das mittelständische Unternehmen QSC AG mit 123 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer am besten ab, allerdings fahre der Vorstand mit einem satten CO2-Ausstoß von 246 Gramm pro Kilometer "mit schlechtem Beispiel voraus".
"Das Beispiel der Deutschen Bahn AG zeigt, dass auch Großunternehmen in der Lage sind, ihren CO2-Ausstoß unter den EU-Zielwert von 2015 zu drücken", sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Allerdings bewiese die lange Liste der roten Karten für "Auskunftsverweigerung" auch, dass sich die Mehrheit der Unterenehmen über die Vorbildfunktion des CO2-Ausstoßes der Autos ihrer Vorstandsrepräsentanten noch keine Gedanken gemacht habe.
Weder deutsche Automobilhersteller noch große Energieversorger wollten Angaben über den CO2-Fußabdruck ihrer Firmenwagen-Flotte machen. Auch Unternehmen wie BASF, die Lufthansa, Münchener Rück, Volkswagen oder Solarworld stünden auf der Liste der "Verweigerer": In den Nachhaltigkeitsberichten reden Vorstandschefs von ihrer Verantwortung für Mensch und Umwelt, so Resch. "Dieser Verantwortung kommen sie aber eben nicht nach, wenn sie weiterhin Spritfresser und Klimakiller als Dienstwagen fahren".
115 Unternehmen wurden befragt, 17 gaben ausführlich, 10 teilweise Auskunft über ihre Dienstwagenflotte. Die vollständige Liste finden sie HIER
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