Kostenexplosion für Stuttgart 21
Das Bahnprojekt Stuttgart 21 soll noch teurer werden. Nach einem am Mittwoch vorgestellten Gutachten des Ingenieurbüros Vieregg Rößler kostet die zum Projekt gehörende ICE-Strecke nach Ulm im günstigsten Fall 5,3 Milliarden Euro. Laut Bahn werden nicht mehr als 2,9 Milliarden benötigt. Stimmen die Berechnungen von Karlheinz Rößler und Martin Vieregg, kostet ein Bahnkilometer damit nicht, wie von der Bahn beziffert, 48 Millionen Euro, sondern fast das doppelte.

Der Nordflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs wird abgerissen - Ein Gutachten geht davon aus, dass der Neubau mindestens doppelt so teuer wird als von der Bahn angegeben. (Foto: Parkschuetzer)
Für die von den Grünen in Auftrag gegebene Untersuchung haben die Gutachter verschiedene Szenarien berechnet. Werden tunnelbautechnische Probleme beachtet, können die Kosten sogar auf zehn Milliarden Euro steigen. Gemeinsam mit den Kosten für den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof rechnet das Ingenieurbüro mit insgesamt 18,7 Milliarden Euro. Im Nachrichtenmagazin Stern sagte Karlheinz Rößler: "Ökologisch, ökonomisch, vom Nutzen für den Verkehr her ist die Trasse schlichtweg nicht zu vertreten."
Rößler und Vieregg hatten bereits 2008 ein Gutachten vorgelegt, bei dem sie die Kosten des Bahnprojekts viel höher bezifferten als von der Bahn angegeben. Statt den damals von der Bahn angegebenen 2,8 Milliarden Euro erwartete das Ingenieurbüro 6,9 Milliarden für den Neubau des Bahnhofs. Damals erklärte Martin Vieregg, die Bahn habe in ihren Berechnungen für Stuttgart 21, die noch aus dem Jahr 1994 stammten, die Inflation nicht berücksichtigt. Das Projekt sei auf 4,8 Milliarden D-Mark beziffert worden. "Ich glaube nicht, dass hinter den 2,8 Milliarden Euro mehr steht als die Hochrechnung von 1994", sagte Vieregg.
Seit mehreren Wochen protestieren Umweltschützer und Bürger von Stuttgart gegen das Großprojekt. Vergangene Woche wurde mit dem Abriss des Nordflügels des derzeitigen Hauptbahnhofs begonnen. Am Dienstag räumte die Polizei ein Baumhaus, mit dem Aktivisten von Robin Wood und den Parkschützern den Abriss von alten Bäume im Schlossgarten verhindern wollten. Den Parkschützern zufolge soll der Schlossgarten ab Donnerstag mit Hilfe von 15.000 Polizisten abgesperrt werden, um mit dem Fällen der Bäume zu beginnen.
klimaretter.info/jot
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