Stuttgart-21-Gegner besetzen Bagger
In der Nacht zum Montag haben Gegner des Bahnhofsprojekts Stuttgart 21 einen Abrissbagger am Stuttgarter Hauptbahnhof besetzt. Während sieben Aktivisten, die am Boden geblieben waren, von der Polizei in Gewahrsam genommen wurden, richteten sich drei Aktivisten von Robin Wood und der Parkschützer-Initiative mit Hängematten auf dem Bagger ein. Die Abrissarbeiten mussten vorübergehend unterbrochen werden.

Mit Hängematte und Schlafsack machen es sich die Gegner am Abrissbagger gemütlich. (Foto: Robin Wood)
Die Gegner des Bauprojekts hängten Transparente mit den Aufschriften "Hallo...?! Geht's noch?" und "S21 stoppen" auf. "Es ist unglaublich, mit welcher Arroganz Bahn und Politik den Abriss und die Vergabe der Bauarbeiten weiter vorantreiben", sagte Parkschützer-Aktivist Florian Carl. "Die Bahn muss sofort aufhören, weiter Fakten zu schaffen, heute erledigen wir das für die Bahn!"
Der Protest zeigte bereits Wirkung: Bahnchef Rüdiger Grube ging am Wochenende überraschend einen Schritt auf die Demonstranten zu, und bot ein "Spitzengespräch" mit allen Projektpartnern und -gegnern im September an: "Ich weiche nicht aus, ich gehe auf die Gegner zu", erklärte er. Man wolle damit "ein Signal der Vernunft an die Bevölkerung" geben. Vorbedingungen oder gar einen Baustopp für die Dauer der Gespräche lehnte er jedoch ab. Der Grünen-Oberbürgermeister Tübingens, Boris Palmer, hatte gefordert, den Umbau des Stuttgarter Bahnhofs von einem Kopf- in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof zunächst zu unterbrechen. Grube sagte, dies komme nicht in Frage: "Die Bauarbeiten gehen selbstverständlich unvermindert weiter."

Also der Teil des Bahnhofs sieht doch ziemlich nach einem potentiellen Reiseziel von Architekturfans aus.
Der neue Stuttgarter Bahnhof gilt als das größte Infrastrukturprojekt Europas. Gegner des Vorhabens kritisieren, dass die Kosten statt der geplanten sieben auf bis zu elf Milliarden Euro steigen werden. Die Anzahl der Gleise soll außerdem halbiert werden, Kritiker befürchten Engpässe im Schienenverkehr. Am Freitagabend hatten nach Angaben der Polizei 30.000 und laut Schätzung der Veranstalter 40.000 Menschen trotz strömenden Regens gegen Milliardenprojekt demonstriert. Die Bahnhofsgegener haben für den heutigen Montag erneut Demonstrationen angekündigt. Auch am Mittwoch soll es Proteste vor dem Amtssitz des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) geben.
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