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Startschuss für Oberleitungs-Lkw

Am heutigen Montag fiel der Startschuss für die (Wieder-)Einführung einer Transportart in Deutschland – oder eines Hybrids aus zwei bekannten Transportarten: Auf der Autobahn 5 in Hessen wird die erste Teststrecke für Oberleitungs-Lkws gebaut. Das sind Lastkraftwagen mit Dieselmotor, aber zusätzlich mit Gestell auf dem Dach, das an eine Stromleitung angeschlossen ist wie bei einem Zug.

BildAb 2019 sollen Oberleitungs-Lkws auf öffentlichen Straßen in Deutschland rollen. (Foto: Siemens)

Der sogenannte E-Highway soll zwischen den Anschlussstellen Langen/Mörfelden und Weiterstadt auf einer zehn Kilometer langen Strecke errichtet werden, einem der am meisten befahrenen Verkehrsabschnitte Deutschlands. 2019 sollen dann die ersten Strom-Lkws auf der Straße rollen.

"Wir kriegen angesichts der Kapazitätsprobleme auf der Bahn in den nächsten Jahrzehnten nicht alles auf die Schiene", erklärte Hessens Wirtschafts-, Energie- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) nach dem symbolischen Startschuss. Das sei zum Beispiel der Fall bei Lkws, die Supermärkte beliefern. Um den Verkehr umwelt- und klimafreundlicher zu machen, müsse man alles testen, was helfen könne, so Al-Wazir.

Den Zuschlag für Planung, Bau und Instandhaltung der Strecke hat der Technologiekonzern Siemens bekommen. Der E-Highway ist der erste Versuch mit Oberleitungs-Lkws auf einer öffentlichen Straße. Mithilfe der Stromabnehmer seien die Fahrzeuge doppelt so effizient wie herkömmliche Lkws, wirbt Siemens. Alle Straßen müsste man gar nicht umrüsten, denn 60 Prozent des Verkehrs bewege sich auf zwei Prozent der Straßen, so das Unternehmen.

In Deutschland erprobt Siemens seit 2011 auf einem ehemaligen Militärflugplatz in Groß-Dölln nördlich von Berlin den Oberleitungs-Lkw. Das Bundesumweltministerium fördert das Pilotprojekt seit Anfang 2017 mit knapp 15 Millionen Euro. Laut Ministerium sollen in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg zwei weitere Teststrecken entstehen. Schweden ist schon weiter: Im vergangenen Jahr begann dort der kommerzielle Testbetrieb. 

Der Lkw-Güterverkehr in Deutschland ist für mehr als 20 Prozent der CO2-Emissionen im Verkehrssektor verantwortlich. Die größten Emittenten sind dabei Sattelzugmaschinen und Lkw über zwölf Tonnen. Der Güterverkehr auf der Straße nimmt seit Jahren zu, auf der Schiene dagegen ab. Zurzeit werden rund 18 Prozent der Güter über die Schiene transportiert, zumeist mit E-Loks. Laut Umweltbundesamt könnten es bis zu 30 Prozent sein.

klimaretter.info/bra

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