Anzeige

EU verlängert Fernflug-Rabatte bis 2023

Nun ist es beschlossene Sache: Fluggesellschaften erhalten auch in Zukunft Rabatte beim europäischen Emissionshandel. Das haben die EU-Mitgliedsländer am gestrigen Mittwoch entschieden. Die Ausnahmeregelung soll bis Ende 2023 gelten. Das EU-Parlament hatte kürzlich schon für eine Verlängerung der bestehenden Regeln votiert, allerdings nur bis 2020.

BildInternationale Flüge bleiben noch auf Jahre von Zahlungen für den Emissionshandel verschont, beschließt die EU. (Foto: Thru Your Lens/Flickr)

Fluggesellschaften müssen sich bislang nur für bestimmte Flüge am europäischen Emissionshandel beteiligen. Sie brauchen nur für solche Flüge CO2-Zertifikate zu kaufen, die sowohl innerhalb der EU starten als auch landen. Kommt ein Flugzeug von außerhalb der EU oder fliegt es in ein Nicht-EU-Land, fallen keine Zahlungen an.

Im Prinzip muss ist die Luftfahrt seit 2012 im europäischen Emissionshandel dabei. Auf Druck der USA und weiterer Länder wurden die internationalen Flüge aber 2013 von der Pflicht entbunden. Das Argument: Eigentlich soll die Branche selbst für ihren Klimaschutz sorgen. Damit hat die Staatengemeinschaft die Weltluftfahrtorganisation ICAO im Kyoto-Protokoll beauftragt – vor zwei Jahrzehnten.

Doch erst im vergangenen Jahr hat die ICAO endlich beschlossen, zu diesem Zweck einen eigenen Marktmechanismus einzuführen. Der soll aber nicht bewirken, dass tatsächlich klimafreundlicher geflogen wird – oder gar seltener. Statt selbst Treibhausgase einzusparen, sollen die wachstumsbeflissenen Fluggesellschaften dann ihre zusätzlichen Emissionen kompensieren, das heißt sie finanzieren an anderer Stelle Klimaschutz-Projekte und können sich deren – tatsächliche oder auch nur bescheinigte – CO2-senkende Wirkung anrechnen. 

Dabei will die Branche ihren Treibhausgasausstoß nicht einmal auf dem Papier senken: Ab 2020 sollen die rechnerischen CO2-Emissionen aus dem Flugverkehr durch Corsia, wie der ICAO-Marktmechanismus heißt, lediglich nicht weiter ansteigen – obwohl die Weltwirtschaft eigentlich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ohne Kohlendioxidausstoß funktionieren muss.

Analysen von Experten zeigen, dass der "Ausgleichs- und Reduktionsmechanismus" Corsia nicht halten wird, was sein Name verspricht. Das von Corsia ausgehende Preissignal sei "vernachlässigbar klein", sagt der Umweltökonom Reimund Schwarze vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). "Besser wäre es, einen internationalen Emissionshandel einzuführen, wie wir ihn heute bereits für innereuropäische Flüge im Grundsatz haben."

klimaretter.info/vk

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen