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Flugindustrie will weltweiten Zertifikatehandel

Die Emissionen von Flugzeugen müssten bei den Verhandlungen zum Post-Kyoto-Klimaregime einbezogen werden, erklärten Vertreter der Fluggesellschaften Air France/KLM, British Airways, Cathay Pacific, Virgin Atlantic sowie der Flughafen-Betreiber BAA am Donnerstag. In Hong Kong gaben die fünf Unternehmen die Gründung der  "Aviation Global Deal Group " - kurz AGDG - bekannt, die sich für die Begrenzung des Schadstoffausstoßes in der Luftfahrtbranche einsetzen möchte.

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Konkret erreichen wollen die Ideengeber dies durch die Einbeziehung der Airlines in den Handel mit Kohlendioxid-Zertifikaten. Der Emissionshandel sei eine "kosteneffiziente wirtschaftliche Maßnahme" zur Verringerung des Kohlendioxid-Ausstoßes, so die Erklärung. Die Vereinbarungen müssten weltweit umgesetzt werden, weil andernfalls Airlines einzelner Ländern im Branchenwettbewerb benachteiligt werden könnten.  

"Die Luftfahrt wurde zu lange als Teil des Klimaproblems gesehen statt als Teil seiner Lösung", erklärte Cathay-Pacific-Chef Tony Tyler im Namen der neuen Allianz. Die Luftfahrt-Industrie brauche eine "pragmatische, faire und effektive" weltweite Klimaschutz-Politik. Dabei sollten die "sozialen und wirtschaftlichen Vorteile" der Luftfahrt ins Gleichgewicht gebracht werden mit der Verantwortung der Industrie, den Kohlendioxid-Ausstoß zu verringern. 

Einer der Köpfe des Vorstoßes ist der Milliardär Richard Branson, dem die Fluggesellschaft Virgin Atlantic Airways gehört. Branson, den die Queen zum "Sir" geschlagen hat, will binnen zehn Jahren 2,4 Milliarden Euro in die Entwicklung erneuerbarer Energien stecken. Das hatte der Selfmade-Milliardär 2006 auf der "Clinton Global Initiative" bekanntgegeben. Sein Vermögen - die Sunday Times beziffert es auf 4,5 Milliarden Euro - hat er hauptsächlich durch Klimazerstörung gemacht: Neben seiner Virgin Airlines und dem Virgin Express besitzt "Sir" Branson Fluglinien in den USA, Australien und Nigeria. Seine neueste Geschäftsidee heißt Virgin Galactic: Steinreiche Touristen sollen ins Weltall geschossen werden - natürlich nicht mit Sonnenenergie, sondern mit klimakillendem Öl.  

In der EU gibt es bereits ein Gesetz zum Emissionshandel für Fluggesellschaften 

Die Luftfahrt, die laut Weltklimarat IPCC bereits für rund drei Prozent des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes verantwortlich ist, ist bislang von jeglichen Klima-Auflagen befreit. Im März kommen in Bonn die Klimadiplomaten zu ihrer nächsten Klimakonferenz zusammen, die den Vertragstext für ein Kyoto-Nachfolgeabkommen verhandeln, dass im Dezember in Kopenhagen beschlossen werden soll. 

Die Europäische Union diskutierte schon geraume Zeit ein entsprechendes Gesetz, das dann im Juni 2008 auch beschlossen wurde. Ab 2012 gilt demnach für den Flugverkehr der Emissionshandel, der die Emissionsobergrenze bei 97 Prozent des Durchschnitts der Emissionen der Jahre 2004 bis 2006 festlegt. Das bedeutet: Die Fluglinien müssen dann ihren Ausstoß um 3 Prozent gegenüber dem Jahresdurchschnitt von 2004 bis 2006 senken. Allerdings erhalten die Fluglinien 85 Prozent der Zertifikate kostenlos: Der Leidensdruck auf die Airlines wird also sehr beschränkt bleiben. 

Strittig ist unter Experten zudem, ob es einen eigenen Markt für die Luftfahrtbranche geben soll: Weil Kohlendioxid aus Flugzeugen - in großer Höhe erzeugt und zudem mit einem Partikelgemisch angereichert - dreimal klimaschädlicher als am Boden erzeugtes ist, fordern die Experten spezielle Flug-Zertifikate - die dann auch dreimal so teuer sein müssen.  

Foto: REIMER 

[Erklärung]  
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