EU-Kommission prüft E-Auto-Quote

ladestationDie EU-Kommission prüft die Einführung einer E-Auto-Quote zur Verbesserung der Luftqualität, wie Medien unter Berufung auf das Handelsblatt berichten. Ab 2025 könnten Autokonzerne dann verpflichtet werden, einen bestimmten Anteil ihrer Produktion auf emissionsfreie Autos umzustellen. Während sich das Bundeswirtschaftsministerium aufgeschlossen für die Idee zeigte, reagierte das Verkehrsministerium ablehnend.

BildDie EU-Kommission will die Autokonzerne möglicherweise dazu verpflichten, ihre Produktion zu einem bestimmten Anteil auf E-Autos umzustellen. (Foto: VW)

Das Thema hat vor allem China ins Gespräch gebracht. Peking will im Herbst eine E-Auto-Quote von bis zu acht Prozent beschließen, die in den kommenden Jahren noch steigen soll. Die Bundesregierung ist erklärte Gegnerin des Vorhabens, denn die deutschen Autokonzerne bangen um ihren bislang größten Absatzmarkt: Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) war sogar eigens nach China gereist, um die Pläne zu kippen – und handelte nach eigenen Angaben eine "Entschärfung" aus, die von chinesischer Seite allerdings nicht bestätigt ist.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) spricht sich für eine Quote aus. "Es ist gut möglich, dass wir eine Quote für Elektroautos brauchen werden", sagte Hendricks schon Anfang des Jahres im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Dabei gehe es ihr nicht nur um die Umwelt, sondern auch um den Erhalt der "guten Arbeitsplätze in Deutschland". Besonders hapere es noch an günstigen Elektroauto-Modellen, die für Normalverdiener erschwinglich seien.

Inwiefern E-Autos zum Klimaschutz beitragen, ist umstritten. Beim Fahren der strombetriebenen Fahrzeuge werden keine Emissionen frei, sie entstehen aber woanders: Die Herstellung der E-Autos, speziell ihrer Batterien, erfordert viel Energie und ist mit dem entsprechenden Ausstoß von Treibhausgasen verbunden. Außerdem ist der Strommix auch in Deutschland noch nicht sehr sauber. Durch den unverändert hohen Kohlestrom-Anteil sind E-Autos kaum klimafreundlicher als vergleichbar schwere Modelle mit Verbrennungsmotor – anders sieht es natürlich aus, wenn man sie mit Strom aus der eigenen Solaranlage oder echtem Ökostrom betankt. Befürworter der Elektromobilität argumentieren, dass schon heute eine strombetriebene Fahrzeugflotte aufgebaut werden müsse, die dann mit fortschreitender Energiewende immer klimafreundlicher wird – weil neue Technologien Zeit brauchen, um sich zu etablieren. 

Die von der Bundesregierung eingeführte Kaufprämie für Elektroautos zeigt nach wie vor wenig Wirkung: Innerhalb eines Jahres haben nur rund 22.600 Privatkäufer einen Antrag auf die Prämie gestellt. Eine Million E-Autos sollen nach dem Willen der Bundesregierung bis 2020 auf den deutschen Straßen rollen. Auch wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Ziel im Frühjahr im Grunde abgeschrieben hat, hält die Regierung offiziell daran fest. Anfang 2017 hatten dem Kraftfahrt-Bundesamt zufolge von den 45,8 Millionen Pkw in Deutschland rund 55.000 Fahrzeuge einen Elektro- oder Plug-in-Hybridantrieb.

Ergänzung um 21 Uhr: Die EU-Kommission hat den Handelsblatt-Bericht dementiert. Die Kommission wolle klimafreundlichen Verkehr fördern, aber dabei keine Technologie benachteiligen, sagte eine Sprecherin.

Lesen Sie dazu unseren Kommentar: Die Motorwende reicht nicht

klimaretter.info/scz

Zum Dossier: E-Mobilität – Verkehr unter Stromladestation

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