Teurer Strom aus der Ladesäule

Wer derzeit für eine 100-Kilometer-Fahrt mit dem E-Auto Strom tankt, muss dafür an öffentlichen Ladesäulen bis zu 25 Euro auf den Tisch legen. Die "Tank-Kosten" sind dabei aufgrund komplexer Tarife oftmals nur schwer zu durchschauen. Das ergab ein Test, bei dem Marktforscher des Portals Statista im Auftrag des Hamburger Ökostromunternehmens Lichtblick stichprobenartig die öffentlichen Ladesäulen der größten Anbieter getestet haben.

BildSo einfach wie mit der Steckdose zu Hause ist der Umgang mit den E-Ladestationen unterwegs beileibe noch nicht, sagt ein Test von Statista. (Foto: Gereon Meyer/​Wikimedia Commons)

Umgerechnet auf die Kilowattstunde ergibt sich für Elektroauto-Strom oft ein deutlich höherer Preis als für Haushaltsstrom, legt die Untersuchung offen. So koste die Kilowattstunde Ladestrom beim größten deutschen Ladesäulenbetreiber RWE Innogy rund 67 Cent, bei der niedersächsischen EWE 53 Cent, bei den Stadtwerken München 47 Cent sowie bei Allego/The New Motion in Berlin 32 Cent. Haushaltsstrom kostet gegenwärtig im Durchschnitt 29 Cent je Kilowattstunde. Bei EnBW im Raum Stuttgart fällt neben dem Kilowattstundenpreis von gut 32 Cent sogar noch eine einmalige Registrierungsgebühr von 20 Euro an.

Deutlich günstiger als Haushaltsstrom ist der E-Tarif bei Mainova mit knapp 19 Cent oder bei den Stadtwerken Dresden mit 13,5 Cent. Die Tester berechneten dabei die Kosten pro Kilowattstunde für eine "Tankfüllung" von 100 Kilometern. Getestet wurde mit einem Nissan Leaf an einem AC-1-Anschluss mit einer Leistung von 7,4 Kilowatt. Berücksichtigt wurden ausschließlich Tarife ohne Vertragsbindung.

Kostenlos aufladen können Elektroauto-Nutzer bislang bei den Stadtwerken Leipzig und Düsseldorf und bei der Rheinenergie. Die Tester vermuten hier, dass sich eine Abrechnung aufgrund der bisher geringen Abnahmen nicht lohnt.

Hemmend wirkt sich der eingeschränkte Zugang zu den Ladesäulen aus. Ein spontanes Stromtanken ist nach den Angaben nur bei drei von elf Ladesäulenbetreibern möglich.

Nach Ansicht von Gero Lücking, Geschäftsführer bei Lichtblick, schrecken die intransparenten Stromtarife und Zugangshürden Verbraucher ab. "Mit diesem System ist die Verkehrswende zum Scheitern verurteilt", erklärte er. Lichtblick schlägt deshalb vor, dass künftig jeder Kunde zu seinem Haushaltsstrom-Tarif an jeder öffentlichen Ladesäule tanken kann. Dazu sollten die Strom-Zapfsäulen dem Stromnetz zugeordnet werden. Dann könne jeder Stromanbieter seine Tarife an jeder Ladesäule anbieten. Nur so könne ein regionales Monopol einzelner Betreiber verhindert werden.

Laut einer Erhebung der Energiebranche gab es Ende 2016 rund 3.200 öffentliche Ladestationen. Rund 1.150 Kommunen haben mindestens einen öffentlichen Ladepunkt. Die meisten gibt es nach wie vor in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Baden-Württemberg und Bayern. Unter den Städten steht Berlin an der Spitze, auf Platz zwei und drei folgen Stuttgart und Hamburg. Der Bund plant einen Ausbau auf bundesweit 15.000 Ladesäulen bis 2020.

Redaktioneller Hinweis: Lichtblick-Geschäftsführer Gero Lücking ist Mitherausgeber von klimaretter.info

klimaretter.info/jst

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