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Radfahren wird stressiger

Die Mehrheit der Radfahrer in deutschen Städten hat Angst. Das ist Ergebnis des diesjährigen Fahrrad-Klimatests, den der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium heute veröffentlicht hat. Insgesamt wurden 120.000 Menschen befragt – 60 Prozent beklagen sich über einen Mangel an Sicherheit.

BildRadfahrerin in Berlin: Die Hauptstadt gehört zu den fahrradunfreundlichsten Großstädten Deutschlands. (Foto: Mihai Surdu/​Pixabay)

Gegenüber 2012 und 2014 ist die Zufriedenheit der Radfahrer insgesamt vielerorts gesunken. Unter den Großstädten mit mehr als 200.000 Städten sind Münster, Karlsruhe und Freiburg im Breisgau noch die besten in Sachen Fahrradfreundlichkeit. Allerdings bekamen alle drei Städte schlechtere Bewertungen als in vorherigen Fahrrad-Klimatests, Spitzenreiter Münster etwa erreicht eine 3, misst man nach Schulnoten von 1 bis 6. Auch die Platzierung Berlins – traditionell weit von der Spitze entfent – hat sich verschlechtert. Unter 39 untersuchten Städten rutscht die Hauptstadt von Rang 39 auf 36 ab.

"Für den negativen Trend ist auch Verkehrsminister Dobrindt verantwortlich", sagte Matthias Gastel, der für die Grünen im Verkehrsausschuss des Bundestages sitzt. "Anstatt den Radverkehr konsequent zu fördern, lässt der Minister Länder und Kommunen im Stich."

Für ADFC-Chef Burkhard Stork bedeuten die Ergebnisse, dass Deutschland endlich Geld in die Hand nehmen und Verkehrsfläche umwidmen muss, um die Situation für Fahrradfahrer zu verbessern. "Utrecht, Amsterdam oder Kopenhagen geben 30 Euro und mehr pro Kopf und Jahr für den Radverkehr aus und nehmen dem Autoverkehr Stück für Stück Flächen weg", sagte er. "In Deutschland liegen wir fast überall deutlich unter fünf Euro Ausgaben pro Kopf und malen schmale Streifen auf die Straße." Stork fordert, dass die öffentlichen Investitionen in Radwege und andere Fahrrad-Infrastruktur auch hierzulande auf 30 Euro angehoben werden, "intelligent verteilt auf die Schultern von Bund, Ländern und Kommunen".

Das Bundesverkehrsministerium unter Minister Alexander Dobrindt (CSU) sieht sein Engagement für den Radverkehr offenbar mit der Förderung der Umfrageaktion schon als vollendet an. "Mit dem Fahrradklima-Test wollen wir den Städten und Kommunen vor allem ein Instrument an die Hand geben, das ihnen hilft, das Fahrradklima vor Ort besser einzuschätzen und Erkenntnisse für ihre Fördermaßnahmen zu gewinnen", sagte der parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann.

klimaretter.info/scz

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