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Deutsche wollen Auto-Alternativen

Vielleicht ist das Automobil doch nicht unwiderruflich in den Herzen der Deutschen verwurzelt: 91 Prozent der Bundesbürger geben an, dass das Leben besser werde, wenn der oder die Einzelne nicht mehr auf ein Auto angewiesen ist. Das ergab eine Umfrage des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes (UBA), die Umweltministerin Barbara Hendricks und UBA-Chefin Maria Krautzberger am heutigen Mittwoch in Berlin vorgestellt haben. 79 Prozent wünschen sich für ihre Stadt oder Gemeinde zudem eine Stadtentwicklung, die die Alternativen zum Auto stärkt.

BildStau auf der Autobahn: Obwohl in Deutschland immer mehr Pkw zugelassen werden, wünschen sich die Bundesbürger weniger Abhängigkeit von den motorisierten Gefährten. (Foto: Radosław Drożdżewski/​Wikimedia Commons)

Der Blick auf die Straße legt diese Umfrageergebnisse nicht nahe: Dort fahren immer mehr Autos. Im vergangenen Jahr wurden 3,35 Millionen Neuwagen zugelassen, das sind 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Verkehr gehört zu den Sektoren, in denen bisher so gut wie kein Klimaschutz stattfindet – zuletzt stiegen seine Treibhausgasemissionen sogar wieder an. Etwa 18 Prozent beträgt sein Anteil am deutschen Treibhausgasausstoß. Davon wiederum 95 Prozent stammen aus dem Straßenverkehr.

Die Diskrepanz zwischen Ansichten und Handeln vieler Bürger muss Ministerin Hendricks zufolge die Politik schließen. "Die Menschen sind bereit, auf das Auto zu verzichten, aber sie brauchen gute Alternativen", sagte die SPD-Politikerin. Für UBA-Chefin Maria Krautzberger bedeutet das "mehr Busse und Bahnen und weniger Autos". Der öffentliche Verkehr müsse gestärkt und "vor allem ausreichend finanziert" werden. Geld dafür, so die Behördenleiterin, sei da, wenn man umweltschädliche Subventionen "endlich" streichen würde, die sich im Verkehrssektor auf mehr als 28 Milliarden Euro pro Jahr belaufen.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sieht hier aber ein Personalproblem, das für ihn den Namen Alexander Dobrindt trägt. Der Bundesverkehrsminister von der CSU versage "bei seiner wichtigsten Aufgabe", nämlich der Verkehrswende, so Hofreiter. "Der Bedarf an attraktiven öffentlichen Verkehrsmitteln, an mehr und besseren Radwegen ist so groß wie die Abneigung des Verkehrsministers, dafür zu investieren", sagte der langjährige Verkehrsexperte seiner Fraktion. Dobrindts Lieblingsprojekt nannte Hofreiter eine "Murks-Maut". Zahlreiche Gutachten haben mittlerweile gezeigt, dass die vom Verkehrsminister durchgedrückte Pkw-Maut – das wichtigste bundespolitische Vorhaben der CSU in dieser Legislaturperiode – weder der Staatskasse viele Einnahmen bescheren noch dem Klima viele Treibhausgasemissionen ersparen wird.

Auch die verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion Sabine Leidig ärgert sich über die Verkehrspolitik der großen Koalition. "Die Menschen im Land sind viel weiter als die herrschende Politik, doch leider sind ihre Wünsche im Verkehrsministerium und bei der großen Koalition noch nicht angekommen", sagte sie. Für Leidig ist die Verkehrswende auch "ein Teil sozialer Gerechtigkeit". Die Bundestagsabgeordnete wünscht sich "Entlastungen von Lärm, Abgasen und Unfallgefahren, unter denen besonders die Armen in unserer Gesellschaft zu leiden haben".

klimaretter.info/scz

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