Schwerpunkte

E-Auto | Trump | 1,5 Grad

Thinktank: Antrieb austauschen reicht nicht

Die Veröffentlichung einer umfassenden Studie zur "Mobilität von morgen" bereitet der Thinktank Agora Verkehrswende nach klimaretter.info vorliegenden Informationen für die kommende Woche vor. In dem rund 100 Seiten umfassenden Papier nehmen die Agora-Experten, soweit das vorab bekannt ist, nicht nur zum Stand des Klimaschutzes im deutschen Verkehrssektor Stellung, sondern auch zu umstrittenen Fragen der Dekarbonisierung des Verkehrs.

BildEine klimaschützende Mobilitätswende erfordert nicht nur den Umstieg vom Auto auf umweltverträglichere Verkehrsmittel, sondern auch eine Entschleunigung. (Foto: Transport & Environment)

So folgert die Studie aus dem Umstand, dass "auch klimaneutrale Energien zumindest mittelfristig nicht im Überfluss vorhanden sind", dass die Verkehrswende mehr sein müsse als eine "Antriebswende, die lediglich den Austausch der Antriebssysteme von Fahrzeugen zum Ziel hat." Für die Denkfabrik beruht die Verkehrswende deswegen auf zwei Säulen: auf einer Energiewende im Verkehrsbereich und einer umfassenderen Mobilitätswende.

Anders als bei der Wende im Stromsektor hänge der Erfolg der Verkehrswende dabei "entscheidend von Verhaltensänderungen ab", betonen die Autoren. Diese müssten attraktiv gemacht und über längere Zeit erlernt werden, um im Alltag anzukommen. Eins solcher Prozess beanspruche "eher Jahrzehnte als Jahre".

Mit einer so gedachten Mobilitätswende könne, prognostiziert die Studie, der Energieverbrauch des Verkehrs in Deutschland bis 2050 um rund ein Viertel vermindert werden. Rechne man noch Effizienzgewinne hinzu, könne der verkehrsbedingte Energieverbrauch zur Mitte des Jahrhunderts bei nur noch knapp der Hälfte des Verbrauchs von 2005 liegen.

Als wichtigste Technologie für die Energiewende im Verkehr sehen die Agora-Experten die direkte Nutzung von Ökostrom an. Dabei plädieren sie für batterieelektrische Antriebe und per Oberleitung mit Strom versorgte Busse und schwere Lkw. "Angesichts noch vieler existierender Unsicherheiten ist es allerdings ratsam, alternative technische Optionen nicht heute schon auszuschließen", heißt es wörtlich in dem Papier. Technologieoffenheit sei ein wichtiges Leitprinzip.

Scharf kritisiert der Thinktank den aktuellen Stand des Klimaschutzes in der deutschen Verkehrspolitik. So trage der Bundesverkehrswegeplan "praktisch nichts zur Emissionsminderung bei". Dass die Anschaffung von E-Fahrzeugen gefördert werde, aber auch das Steuerprivileg für Dieselkraftstoff erhalten bleibe, zählt für Agora zu "Inkonsistenzen der Politik" – genauso wie die Dienstwagenbesteuerung, die "Vielfahrer begünstigt und keine Anreize zur Anschaffung emissionsarmer Fahrzeuge schafft".

klimaretter.info/jst

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen